Luftaufnahme mit Asche bedeckten Häusern und Vegetation in Tonga | picture alliance/dpa/NZDF/AAP

Nach Vulkanausbruch Tonga bestätigt drei Todesfälle

Stand: 18.01.2022 14:15 Uhr

In einer ersten offiziellen Mitteilung seit der gewaltigen Eruption eines Untersee-Vulkans hat Tongas Regierung mindestens drei Tote bestätigt. Einige abgelegene Inseln werden nun evakuiert. Experten befürchten einen weiteren Ausbruch.

Nach dem Vulkanausbruch des Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai und dem anschließenden Tsunami auf den Inseln Tongas zeichnet sich nach und nach ein Bild der Folgen von der Naturkatastrophe ab.

In einer ersten Erklärung meldet die Regierung von Tonga mindestens drei Todesfälle. Das Büro des Premierministers bestätigt den Tod einer 65-jährigen Frau auf Mango Island, eines 49-jährigen Mannes auf Nomuka Island sowie eines britischen Staatsangehörigen. Auch mehrere Verletzte wurden gemeldet.

Aufnahmen zeigen viele zerstörte Häuser

Bilder, die von Aufklärungsflugzeugen der New Zealand Defence Force (NZDF) aufgenommen wurden, zeigten "alarmierende" Szenen eines zerstörten Dorfes auf der Insel Mango und fehlender Gebäude auf der nahe gelegenen Insel Atata, sagte der Vize-Botschafter von Tonga in Australien, Curtis Tu'ihalangingie.

Der Vulkan ist durch die Eruption offenbar in sich zusammengefallen, auf neuesten Satellitenbildern ist er kaum noch zu sehen. 

Kommunikation per Satellitentelefon

Die Kommunikationsverbindungen zu den Inseln des Archipels sind weiter beeinträchtigt, weil ein wichtiges Unterseekabel durch das Seebeben gekappt wurde. Speziell zur Inselgruppe Ha'apai gebe es bisher keinen Kontakt, teilte das UN-Nothilfebüro OCHA mit.

Der Verbindungsoffizier der Weltgesundheitsorganisation WHO in Tonga, Yutaro Setoya, hält über sein Satellitentelefon die Kommunikation zwischen den UN-Organisationen und der Regierung des Landes aufrecht, wie die WHO berichtet. Setoya stehe seit Tagen "buchstäblich von Sonnenaufgang bis weit in die Nacht im Freien um sicherzustellen, dass das Telefon das Satellitensignal erreicht", schilderte WHO-Pazifikkoordinator Sean Casey.

Die Gesundheitseinrichtungen funktionieren jedoch nach Angaben der WHO. Sorge bestehe wegen der dicken Ascheschicht, die Wasserreservoire kontaminiert haben könnte. Die Bevölkerung sei aufgerufen worden, nur abgefülltes Wasser zu trinken.

Evakuierung hat begonnen

Laut OCHA sind auf dem Südsee-Archipel Tonga mindestens 50 Häuser zerstört und 100 weitere beschädigt worden. Die Evakuierung einiger abgelegener Inseln habe begonnen, darunter ein ganzes Dorf auf der Insel Mango. Aus der Hauptstadt Nuku'alofa seien schwere Schäden in Küstennähe gemeldet worden. Die tonganische Marine sei mit Gesundheitsteams und Wasser, Nahrung und Zelten zu den vorgelagerten Ha'apai-Inseln entsandt worden.

Das katholische Hilfswerk Caritas Australia bereitet humanitäre Hilfe für die Betroffenen vor. "Wir arbeiten derzeit daran, die Kommunikation mit unseren lokalen Partnern wiederherzustellen, um die Situation vor Ort zu beurteilen und die dringendsten Bedürfnisse zu ermitteln."

Ascheschicht verhindert Landungen

Eine dicke Ascheschicht auf dem Flughafen der Hauptstadt Nuku'alofa macht Landungen von Hilfsflügen aus Neuseeland und Australien derzeit unmöglich. Die Asche müsse zunächst geräumt werden, bevor Maschinen des Typs C-130 Hercules mit humanitären Hilfsgütern landen könnten, sagten Neuseelands Außenministerin Nanaia Mahuta und Verteidigungsminister Peeni Henare laut Webseite der Regierung.

Deshalb werde Neuseeland zunächst Schiffe mit Hilfsgütern in das 2400 Kilometer entfernte Tonga senden. Verteidigungsminister Peeni Henare betonte: "Wasser hat in dieser Phase für Tonga höchste Priorität."

Mehr Tote? Weiterer Ausbruch?

Sorge gebe es nach dem von dem Vulkan ausgelösten Tsunami vor allem um die tiefliegenden Inseln Mango, Atata und Fonoi. Von Mango, wo rund 50 Menschen wohnen, sei ein Notsignal empfangen worden. "Die Leute sind in Panik, sie rennen herum und sind verletzt. Möglicherweise gibt es mehr Tote", sagte der Vize-Botschafter von Tonga in Australien, Curtis Tu'ihalangingie.

Auf der benachbarten Insel Atata mit ihren rund 100 Bewohnern seien zahlreiche Gebäude verschwunden. "Die Welle ist offenbar einmal komplett über Atata hinweggerollt", so Tu'ihalangingie.

Zudem befürchten Experten, dass von dem Untersee-Vulkan weiterhin Gefahr ausgeht. "Ich glaube, dass er in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten erneut ausbrechen wird", zitierte der australische Sender ABC den Geochemiker Oliver Nebel von der renommierten Monash University in Melbourne. Gleichzeitig sei es aber schier unmöglich vorherzusagen, ob es einen weiteren Ausbruch der gleichen Intensität geben werde.

Tonga liegt im Südpazifischen Ozean

Stärkste Eruption seit 1991

Der Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai hatte am Samstag eine gigantische Wolke aus Asche und Gas kilometerweit in die Höhe geschleudert und Tsunami-Wellen ausgelöst, die selbst in Japan, Alaska und Südamerika noch an die Küsten schwappten. Auf Satellitenbildern waren spektakuläre Aufnahmen der Eruption zu sehen, die Experten zufolge wahrscheinlich die stärkste weltweit seit dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 war.

Der 1800 Meter hohe und 20 Kilometer breite Untersee-Vulkan liegt nur 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku'alofa. Das Königreich Tonga hat rund 107.000 Einwohner.

Satellitenbild des Vulkanausbruchs in Tonga. | EPA

Nach dem Ausbruch des unterseeischen Vulkans in der Nähe des Inselreiches Tonga in der Südsee wurde an zahlreichen Wetterstationen weltweit ein plötzlicher Luftdruckanstieg verzeichnet. Auch in Bayern konnte die Druckwelle gemessen werden. Bild: EPA

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Januar 2022 um 07:12 Uhr.