Ein Satellitenbild zeigt die Stadt Kanokupolu auf Tongatapu Island, Tonga, am Tag nach dem Vulkanausbruch. | AFP

Nach Vulkanausbruch nahe Tonga Inseln überrollt, Dörfer verschwunden

Stand: 19.01.2022 08:00 Uhr

Nach dem Ausbruch eines Unterwasservulkans nahe dem Inselstaat Tonga laufen die Rettungsarbeiten. Helfer berichten nach 15 Meter hohen Tsunami-Wellen von großer Verwüstung.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Ein noch nie dagewesenes Desaster habe Tonga getroffen, hervorgerufen durch die vulkanische Eruption des Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai am Samstagabend. So meldete sich die Regierung Tongas nach der Katastrophe in einem schriftlichen Statement zu Wort: "Bis zu 15 Meter hohe Tsunami-Wellen haben die Westküsten von Tongatapu, Eua und Ha’apai getroffen."

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Rettungsschiffe unterwegs

Die Bilder, die neuseeländische und australische Aufklärungsflieger machen konnten, zeigen, dass ganze Inseln überrollt wurden von den Tsunami-Wellen. Dörfer sind verschwunden, Häuser beschädigt, Menschen haben sich auf höher gelegene Bereiche gerettet und harren dort aus.

Zwei Rettungsschiffe Tongas sind von der Hauptinsel zu weiter abgelegenen Bereichen des Pazifikstaates unterwegs. Das erste begann seine Fahrt schon am Sonntag, mit einem medizinischen Team an Bord. Da die Besatzung von großer Verwüstung auf den Inseln berichtete, startete nun das zweite Schiff mit weiteren Hilfsgütern und medizinischer Ausrüstung. Doch ob die Anlegestellen für Schiffe anzulaufen sind oder vom Tsunami zerstört wurden, ist noch unklar.

Auch über die Opferzahlen ist noch nicht viel bekannt; die Regierung bestätigte bislang drei Tote. Ob es wirklich nur so wenige sind oder es daran liegt, dass noch nicht alle Inseln erreicht werden können, werden die kommenden Tage zeigen.

Aschedecke behindert Rettungsarbeiten

"Die Unterwasserkabel sind beschädigt und das Telefonnetz ist ausgefallen. Erst gestern konnte eine Verbindung zu entlegeneren Inseln hergestellt werden, durch Satellitentelefone und über Funk", sagt Jonathan Veitch. Er koordiniert für die Vereinten Nationen vom benachbarten Fidschi aus die Rettungsarbeiten.

Ein großes Problem sei dabei die Vulkanasche, die sich nach dem Ausbruch in einer zentimeterdicken Schicht über die Inseln Tongas gelegt hat - auch über die Landebahn des Flughafens. "Und diese Asche zu räumen dauert viel länger als erwartet, denn es fällt immer noch neue Asche herab", sagt Veitch.

Dennoch ist er zuversichtlich, dass Rettungsflüge bald beginnen können. "Wir können dann Hilfsgüter schicken, aber wir wissen noch nicht, ob wir auch Helferinnen und Helfer schicken dürfen. Das liegt daran, dass Tonga eine strikte Null-Covid-Politik hat."

Ein einziger Corona-Fall ist in Tonga seit Beginn der Pandemie verzeichnet worden, ansonsten ist das Land Covid-frei geblieben. Ein wichtiger Punkt für eine kleine, fragile, durch den Pazifik isolierte Nation.

Hilfsgüter auch aus Kalifornien

Von Neuseeland und Australien, auch von China aus sind Schiffe mit Hilfsgütern unterwegs. Die Fahrten dauern bis zu vier Tage. Auch im weit entfernten Kalifornien macht sich eine Schiffskompanie zu einer Hilfsfahrt bereit. Denn die Eigentümer der Firma sind aus Tonga. Viele ihrer Frachtfahrten gehen dorthin. Viele ihrer Angestellten und Kunden sind aus Tonga.

"Es geht uns sehr nahe. Denn wir haben überhaupt keinen Kontakt in die Heimat. Wir wissen nicht wirklich, was am dringendsten gebraucht wird", sagte Managerin Sesilia Langi Pahulu. Aber sie weiß aus eigener Erfahrung, was am wichtigsten ist: Wasser. Das sagte sie Reportern der Nachrichtenagentur Reuters. 

"Wir laden viel Wasser ein, denn die Trinkwasservorräte auf Tonga werden verloren sein. Es gibt keine öffentliche Wasserversorgung, die Menschen hängen von Regenwasser ab, das sie sammeln", sagt sie. "Und ich bin sicher, alle Wassertanks sind voller Schutt und Asche."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2022 um 05:55 Uhr.