Aschebedeckte Häuser und Gebäude nach einem Vulkanausbruch im pazifischen Inselsaat Tonga. | dpa

Nach Vulkanausbruch bei Tonga Nachbarstaaten senden Hilfe per Schiff

Stand: 18.01.2022 11:43 Uhr

Nach der Eruption eines Untersee-Vulkans nahe Tonga gibt es zu einigen Inseln weiter keinen Kontakt. Nun schicken Neuseeland und Australien Schiffe mit Hilfslieferungen. Experten befürchten einen weiteren Ausbruch.

Noch immer weiß man nicht, was der Vulkanausbruch des Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai und der anschließende Tsunami auf den Inseln Tongas angerichtet haben. Neuseeland will daher heute zwei Schiffe mit Hilfsgütern in das Archipel schicken.

Ein formelles Hilfeersuchen stehe zwar noch aus, aber die neuseeländische Regierung wolle die Schiffe "Wellington" und "Aotearoa" dennoch bereits entsenden, da diese drei Tage brauchten, um die betroffene Region zu erreichen, hieß es.

250.000 Liter Frischwasser an Bord

Die "Aotearoa" soll dringend benötigtes Trinkwasser transportieren, denn auf Tonga ist das Wasser durch Asche verschmutzt. Das Schiff könne 250.000 Liter transportieren und 70.000 Liter pro Tag durch eine Entsalzungsanlage produzieren, sagte Verteidigungsminister Peeni Henare.

Auch im australischen Brisbane soll am Mittwoch ein Schiff ablegen. Laut der Nachrichtenagentur AAP wird die "Adelaide" sowohl humanitäre Hilfen als auch medizinisches Fachpersonal und Helikopter an Bord haben. 

Am Montag hatten Neuseeland und Australien bereits Flugzeuge nach Tonga geschickt, um die Situation aus der Luft zu erkunden. Die Streitkräfte veröffentlichten Aufnahmen, die farblose Landschaften unter einer dicken Ascheschicht zeigen. Maschinen können derzeit allerdings nicht in der Hauptstadt landen, weil auch der Flughafen zunächst von der Asche befreit werden muss.

Ein Foto zeigt aschebedeckte Häuser und Gebäude auf einer Insel im Tonga-Archipel nach dem Vulkanausbruch. | picture alliance/dpa/NZDF

Ein Foto zeigt aschebedeckte Häuser auf einer Insel im Tonga-Archipel nach dem Vulkanausbruch. Bild: picture alliance/dpa/NZDF

Bisher zwei bestätigte Todesfälle

Die Kommunikationsverbindungen zu den Inseln des Archipels sind weiter beeinträchtigt, weil ein wichtiges Unterseekabel durch das Seebeben gekappt wurde. Speziell zur Inselgruppe Ha'apai gebe es bisher keinen Kontakt, teilte das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit. Satellitentelefone seien das einzige zuverlässige Kommunikationsmittel, aber auch sie funktionierten nicht immer.

"Insgesamt scheint es auch rund um die Hauptinsel Tongatapu erhebliche Schäden an der Infrastruktur zu geben", berichtete OCHA weiter. Strände, Häuser und Hotels vor allem im Westen der Insel sollen ebenfalls betroffen sein. Die neuseeländische Regierung teilte unter Berufung auf die Polizei in Tonga mit, bislang seien zwei Todesfälle bestätigt worden.

Experten befürchten weiteren Ausbruch

Sorge gebe es nach dem von dem Vulkan ausgelösten Tsunami vor allem um die tiefliegenden Inseln Mango, Atata und Fonoi. Von Mango, wo rund 50 Menschen wohnen, sei ein Notsignal empfangen worden. "Die Leute sind in Panik, sie rennen herum und sind verletzt. Möglicherweise gibt es mehr Tote", sagte der Vize-Botschafter von Tonga in Australien, Curtis Tu'ihalangingie.

Auf der benachbarten Insel Atata mit ihren rund 100 Bewohnern seien zahlreiche Gebäude verschwunden. "Die Welle ist offenbar einmal komplett über Atata hinweggerollt", so Tu'ihalangingie.

Zudem befürchten Experten, dass von dem Untersee-Vulkan weiterhin Gefahr ausgeht. "Ich glaube, dass er in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten erneut ausbrechen wird", zitierte der australische Sender ABC den Geochemiker Oliver Nebel von der renommierten Monash University in Melbourne. Gleichzeitig sei es aber schier unmöglich vorherzusagen, ob es einen weiteren Ausbruch der gleichen Intensität geben werde.

Stärkste Eruption seit 1991

Der Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai hatte am Samstag eine gigantische Wolke aus Asche und Gas kilometerweit in die Höhe geschleudert und Tsunami-Wellen ausgelöst, die selbst in Japan, Alaska und Südamerika noch an die Küsten schwappten. Auf Satellitenbildern waren spektakuläre Aufnahmen der Eruption zu sehen, die Experten zufolge wahrscheinlich die stärkste weltweit seit dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 war.

Der 1800 Meter hohe und 20 Kilometer breite Untersee-Vulkan liegt nur 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku'alofa. Das Königreich Tonga hat rund 107.000 Einwohner.

Tonga liegt im Südpazifischen Ozean

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Januar 2022 um 12:00 Uhr.