Ein beschädigtes Gebiet in Nuku'alofa | dpa

Nach Vulkanausbruch Trinkwasser und erste Hilfsgüter für Tonga

Stand: 20.01.2022 14:52 Uhr

Nach dem Ausbruch eines Unterwasservulkans nahe Tonga sind einige der verwüsteten Inseln immer noch nicht zu erreichen. Die Kommunikation ist spärlich, aber erste Hilfsflüge können jetzt landen. Dringend benötigt wird Trinkwasser.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Wie muss es sich anfühlen, den Ausbruch eines Vulkans zu erleben, der direkt nebenan liegt - wenn der Knall der Eruption noch Tausende Kilometer weit weg zu hören ist?

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

"Nach der ersten Explosion klingelten unsere Ohren, wir konnten nichts hören, noch nicht mal uns gegenseitig, also verständigten wir uns mit Zeichen", sagt Marian Kupu. Sie ist Journalistin in Tonga.

"Alle rannten fort aus Kolovai"

Fünf Tage nach dem Ausbruch des Hunga Tonga Hunga-Ha’apai kommen ab und zu Verbindungen zur Außenwelt zustande, einige Telefonleitungen sind wiederhergestellt. Und so erzählt Kupu von ihrer Flucht vor dem Vulkanausbruch und vor dem nachfolgenden Tsunami: "Wir signalisierten unseren Familien: Los, lauft! Und das haben wir getan.Wir alle rannten fort aus Kolovai, denn Kolovai ist direkt am Meer."

Überall Asche

Die Hauptinsel Tongatapu, auf der Kupu lebt, ist von 15 Meter hohen Tsunamiwellen getroffen worden, Strandhotels sind zerstört, in der Hauptstadt sind Häuser getroffen und beschädigt, und überall liegt vulkanische Asche. Sie erzählt: "Jetzt räumen wir alle hier in der Hauptstadt Nuku’alofa auf. Wir befreien alles von der Asche, die Dächer, Bäume, Bürogebäude, Autos, alles. Und was uns wirklich Sorgen macht, ist sauberes Trinkwasser, denn die vulkanische Asche hat unsere Tanks verunreinigt."

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Erste Hilfsflüge in Tonga nach Vulkanausbruch und Tsunami gelandet

Trinkwasser auf dem Weg nach Tonga

Doch Trinkwasser ist auf dem Weg nach Tonga. Aus Neuseeland beispielsweise, dem 2000 Kilometer entfernten pazifischen Nachbarland, sind Schiffe unterwegs, wie Captain Simon Griffiths von der HMNZS Aotearoa vor dem Auslaufen am Dienstag erklärte:

Es ist ein speziell angefertigtes Versorgungsschiff, wir können Hilfe und Vorräte jederzeit überall hinbringen, vom Äquator bis zur Antarktis. Jetzt bringen wir jede Menge Wasser zu den Menschen von Tonga. Wir haben 250.000 Liter Wasser geladen, die wir direkt nach Ankunft verteilen können.

Danach können sie mit einer Entsalzungsanlage täglich weitere 70.000 Liter Wasser produzieren. Auf Tonga gibt es keine öffentliche Wasserversorgung, die Menschen hängen von Regenwasser ab, das sie in Behältern auf ihren Dächern sammeln. Darum hat die Aotearoa auch neue Wasserbehälter geladen, dazu Treibstofftanks und Generatoren. Denn die Stromversorgung ist gestört, wie Journalistin Kupu erzählt:

Die Transformatoren sind von der Vulkanasche beschädigt worden. Also gibt es im ganzen Königreich Stromausfälle, manche dauern Stunden, manche dauern zwei Tage.

Landebahn kann wieder angeflogen werden

Die Landebahn in der Hauptstadt Nuku’alofa kann wohl jetzt wieder angeflogen werden, Hilfsflüge machen sich von Neuseeland aus auf den Weg, das erste Herkules-Transportflugzeug soll Donnerstagnachmittag dort eintreffen. Ein Vorausschiff, die HMNZS Wellington später am Abend. An Bord jeweils Wasser, Hilfsgüter und Satellitentelefone: "Denn die Kommunikation zu den äußeren Inseln ist schwierig, und wir schicken auch Helikopter per Schiff mit, um die weiter entfernten Inseln anfliegen zu können", so ein Sprecher.

Zehntausende Menschen betroffen

Die Vereinten Nationen berichten, dass 84.000 Menschen von der Katastrophe betroffen sind. Einige Inseln werden evakuiert, denn dort steht kein einziges Haus mehr. Die Bewohner haben im Tsunami ihr Heim verloren, sie sind mit dem nackten Leben davongekommen.

Tonga liegt im Südpazifischen Ozean

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im ARD-Morgenmagazin am 20. Januar 2022 um 06:30 Uhr.