Das australische Kriegsschiff HMAS Adelaide bringt Hilfsgüter in den Hafen von Nukualofa (Tonga) | AP

Lage auf Tonga Mit der Hilfe kam das Virus

Stand: 12.02.2022 04:14 Uhr

Nach einem verheerenden Vulkanausbruch vor dem Inselstaat Tonga half die Staatengemeinschaft - doch mit den Hilfsgütern kam auch das Coronavirus. Die Hauptinsel ist im Lockdown, und immer noch mangelt es an Trinkwasser.

 Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Wenn die Rugby-Nationalmannschaft von Tonga zu einem Länderspiel antritt, führt sie vor Beginn einen traditionellen Droh-Tanz auf. Rugby ist Nationalsport in dem Pazifikstaat, hart und fordernd. Wie das, was die Bevölkerung jetzt nach der Katastrophe erlebt, die das Land vor vier Wochen getroffen hat. Ein Ausnahmezustand.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

"Wenn es am härtesten ist, muss man am meisten Leistung bringen", sagt Pita Taufatofua, vielleicht der populärste Athlet von Tonga: Flaggenträger seines Landes sowohl bei olympischen Winter- als auch bei Sommerspielen. Gegen alle Widerstände hat er nicht nur Taekwondo als Disziplin gemeistert, sondern als Vertreter des schneelosen Pazifikstaates auch Skilanglauf gelernt.

Seit Mitte Januar allerdings tritt er in einer ganz anderen Disziplin an: Spendensammeln für seine Heimat. "Mittendrin liegt Tonga; erst ist es getroffen von einem Vulkanausbruch, von Asche bedeckt, und danach kommt noch ein Tsunami", so beschrieb er die Lage eine Woche nach dem Vulkanausbruch.

Pita Taufatofua trägt bei der Eröffnung der olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio die Flagge Tongas | AFP

2021 war Taufatofua Flaggenträger seines Landes bei den Sommerspielen in Tokio - heute nutzt er seine Popularität, um für sein Land dringend benötigte Hilfe zu aktivieren. Bild: AFP

Düster statt üppig grün

Vor allem die vulkanische Asche hinterlässt sichtbare und dauerhafte Schäden. Tonga sei normalerweise "ein grüner, üppiger Ort", sagt Taufatofua, "aber jetzt ist trostlos und düster, wie Bilder aus den 1920er-Jahren, als alles nur schwarzweiß war."

Zudem sei die Asche ist nicht nur eine Schicht Dreck, sondern schwefelhaltig, Säure dringe in die Böden ein - "die ganze Landwirtschaft wird vernichtet". 

Jetzt kommt auch medizinische Hilfe

Auf Twitter berichtet der Athlet über den Fortschritt der Hilfslieferungen, drei weitere Container voller Lebensmittel seien gerade losgeschickt worden, um den am meisten Betroffenen zu helfen.

Japan hat Hilfe beim Wiederaufbau und den Reparaturen der Seeschutzmauer geschickt, Maschinen, die auch nach dem Tsunami von 2011 im Einsatz waren. Vor allem Neuseeland und Australien helfen mit Ausrüstung, Entsalzungsanlagen und Impfungen gegen Covid-19.

Die Omikron-Variante war stärker

Denn mit der Hilfe kam auch das Virus. Tonga ist seit einer Woche im Lockdown. Zwei Jahre lang hatte sich das Südseekönigreich abgeschottet gegen die Pandemie, einen einzigen Fall gab es. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und obwohl die Hilfslieferungen kontaktlos ins Land kamen, gelangte das Virus auch hinein.

Laboruntersuchungen in Australien haben bestätigt, dass es sich um die Omikron-Variante handelt. Die Zahlen verdoppeln sich, am Donnerstag waren es 66 bestätigte Fälle, vor allem in der Hauptstadt Nukualofa.

Der Wiederaufbau geht dennoch weiter

Zwei Drittel der Bevölkerung sind geimpft, und die Regierung berichtet, dass die Krankheitsverläufe bisher glücklicherweise mild seien. Und während die Hauptinsel weiter im Lockdown bleibt, wird auf den anderen Inseln wieder aufgebaut.

Das UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten berichtet, dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung Hilfe bekommen habe, sei es sanitär, seien es Lebensmittel.

32.000 Kinder seien psychisch von der Katastrophe betroffen. Trinkwasser sei stellenweise nach wie vor ein Problem, da die Wassertanks von der vulkanischen Asche kontaminiert sind.

Australische Helfer machen sich in Nukualofa (Tonga) ein Bild vom Ausmaß der Schäden. | AP

Australische Helfer machen sich in Nukualofa ein Bild vom Ausmaß der Schäden auf Tonga - der Bedarf an Hilfe ist weiter groß. Bild: AP

Auch Sportverbände helfen

Die Rugbyspieler Tongas sind auch für ihren Gesang berühmt und beliebt. Aber nicht nur deshalb schicken internationale Rugbyverbände ebenfalls Hilfe in den Inselstaat.

Das kleine Land braucht große Unterstützung. Damit nicht mehr Menschen nach der Katastrophe als durch die Katastrophe selbst leiden. Die bestätigten Todesfälle liegen bei vier - drei Menschen sind direkt durch den Tsunami umgekommen, ein vierter durch den Schock.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Februar 2022 um 05:49 Uhr.