Aufräumarbeiten an einem Strand in Sri Lanka nach dem Brand auf einem Containerschiff | AP

Frachter vor Sri Lanka gesunken Die Katastrophe bleibt sichtbar

Stand: 17.06.2021 19:51 Uhr

Fast zwei Wochen lang brannte die mit Chemikalien beladene "X-Press Pearl" vor der Küste Sri Lankas. Jetzt, nach weiteren zweieinhalb Wochen, ist das Wrack gesunken. Tote Meerestiere und Plastikmüll zeugen von der Umweltkatastrophe.

Das vor rund einem Monat vor der Küste Sri Lankas mit Chemikalien in Brand geratene Containerschiff ist gesunken. Die "X-Press Pearl" liege jetzt in 21 Metern Tiefe vollständig auf dem Meeresboden, teilte der Betreiber des Schiffs mit, das unter der Flagge Singapurs gefahren war. Derzeit könne man wenig unternehmen, sagte die Chefin der Meeresschutzbehörde, Darshini Lahandapura. Wegen des noch bis September anhaltenden Monsuns sei die See sehr rau.

Fest steht aber schon jetzt, dass das Unglück für die Unterwasserwelt verheerende Folgen hat. Dutzende verendete Schildkröten, Delfine und unzählige kleinere Fische wurden in den vergangenen Wochen an die Küsten angespült. An den gefundenen Kadavern seien Brandspuren festgestellt worden. Um die Todesursache endgültig festzustellen, würden Autopsien vorgenommen, sagte Umwelt-Staatssekretär Anil Jasinghe. Es gebe außerdem Hinweise darauf, dass Vergiftungen der Grund für die jüngsten Funde von toten Schildkröten sein könnten. "Die Bilder der toten Schildkröten und Delfine zu sehen, ist sehr erschütternd für unser Volk."

Frachter brannte fast zwei Wochen lang

Der Frachter war am 20. Mai in Brand geraten, als er 18 Kilometer vor der Küste auf die Erlaubnis wartete, in den Hafen von Colombo einfahren zu dürfen. Er brannte bis zum 1. Juni. Die Löscharbeiten dauerten zwölf Tage. Versuche, das Wrack wegzuschleppen, scheiterten, als das Heck des Schiffs bis auf den Meeresboden sank. Beladen war das Schiff mit Chemikalien, darunter 25 Tonnen Salpetersäure.

Retter in Sri Lanka bergen eine tote Meeresschildkröte  | AFP

Dutzende Meeresbewohner haben die Umweltkatastrophe nicht überlebt. Bild: AFP

Schadenersatz gefordert

Die Strände wurden durch verschmorte Glasfaser und angeschwemmtes Plastikgranulat verschmutzt. Die Behörden sprechen von der "schlimmsten maritimen Katastrophe" des Landes. Sie fordern 40 Millionen Dollar Schadenersatz von den Betreibern des Schiffes. Gegen Mitglieder der Besatzung wurde eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet. Umweltschützer verklagten außerdem die Regierung und den Schiffseigner. Sie werfen ihnen vor, zu spät auf das Unglück reagiert zu haben.

Die größte Sorge bereiten derzeit rund 300 Tonnen Schweröl, die sich noch im Wrack befinden könnte. Möglicherweise sei es aber auch verbrannt, sagte Behördenchefin Lahandapura. Der Eigentümer lasse das Wrack jetzt von einem Unternehmen betreuen, das auch Warnzeichen anbringe, damit bis zur Bergung kein anderes Schiff in die Nähe komme.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Juni 2021 um 18:02 Uhr.