Novak Djokovic | dpa

Streit um Visumsentzug Djokovic bleibt erstmal noch in Melbourne

Stand: 06.01.2022 12:19 Uhr

Tennisstar Djokovic bleibt vorerst in Australien. Die Entscheidung über seine drohende Ausreiseverpflichtung wird nicht vor Montag erwartet. Er war mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung eingereist, sein Visum wurde aber storniert.

Der serbische Tennisstar Novak Djokovic wird nach dem Entzug seines Visums bei der Einreise nach Australien mindestens bis Montag in Melbourne bleiben. Die Regierung werde vor einer für Montag geplanten Gerichtsverhandlung keine Entscheidung in dem Fall treffen, sagte der Regierungsanwalt Christopher Tran bei einer Anhörung vor Gericht. Djokovic hatte Einspruch gegen seine drohende Ausreiseverpflichtung eingelegt. 

Der Weltranglisten-Erste will die Stornierung des Visums anfechten, um bei den am 17. Januar beginnenden Australian Open spielen zu können. Ursprünglich sollte der 34-Jährige noch am Donnerstag die Heimreise antreten.

Djokovic, der sich wiederholt kritisch gegen Corona-Impfungen geäußert hatte, war in Melbourne gelandet, nachdem er laut eigenen Angaben eine medizinische Ausnahmegenehmigung für die Australian Open erhalten hatte. Demnach sollte er eine Impfung gegen Covid-19 nicht nachweisen müssen.

Die Empörung darüber war groß: Mit der Ausnahmegenehmigung werde allen Australiern ins Gesicht gespuckt, sagte der ehemalige australische Tennisprofi Sam Groth. Die Boulevardzeitungen schäumten vor Wut, auch Spielerkollegen von Djokovic waren irritiert.

Der australische Tennisbund hingegen hatte betont: Es habe alles seine Ordnung. Ein unabhängiges Expertengremium habe über die Ausnahmegenehmigung entschieden - anonym, ohne den Namen des Antragstellers zu kennen. Über die Gründe der Genehmigung wisse man nichts. Diese seien vertraulich.

Grenzschutz verweigerte Einreise

Die australischen Behörden erkannten die Ausnahmegenehmigung jedoch nicht an. Die Grenzschutzbehörde verwehrte Djokovic die reguläre Einreise und ließ ihn stattdessen in ein Hotel für Ausreisepflichtige bringen. Zur Begründung hieß es: Djokovic habe keine geeigneten Beweise zur Erfüllung der Einreisebestimmungen vorgelegt, daher sei "das Visum anschließend storniert" worden.

Gesundheitsminister Greg Hunt erklärte: "Eine Überprüfung durch die Grenzbehörden hat ergeben, dass Herr Djokovic die Bedingungen für eine solche Ausnahmegenehmigung nicht erfüllt. Sein Visum wurde daher nachträglich widerrufen."

Auch Australiens Premier Scott Morrison hatte sich zu dem Fall geäußert und an die während der Corona-Pandemie geltenden Einreiseregeln erinnert. Dafür brauche man den Nachweis einer doppelten Impfung oder eine gültige medizinische Ausnahmegenehmigung, sagte er. "Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht", schrieb Australiens Regierungschef Scott Morrison auf Twitter. "Niemand steht über diesen Regeln."

Aufschrei in Serbien

In Serbien sorgte die Nachricht von der Behandlung Djokovics für einen öffentlichen Aufschrei. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic erklärte auf Instagram, er habe mit Djokovic telefoniert und ihm gesagt, dass "ganz Serbien bei ihm ist". Die serbischen Behörden würden "alle Maßnahmen ergreifen, damit die Misshandlung des besten Tennisspielers der Welt so schnell wie möglich aufhört".

Auch Fans des Tennisstars reagierten empört. Sie protestierten in Australien vor dem Hotel für Ausreisepflichtige, in dem sich ihr Idol bis zum Gerichtstermin am Montag aufhalten muss. "Wir sind hier, um ihn zu unterstützen. Es ist einfach nicht fair, es ist absolut diskriminierend."

Nadal: Geimpft hätte er kein Problem zu spielen

Djokovic hat die Australian Open bereits neunmal gewonnen und wollte als Titelverteidiger auch diesmal unbedingt antreten. Bei einem Sieg hätte er seine Konkurrenten Roger Federer und Rafael Nadal mit Grand-Slam-Triumph Nummer 21 hinter sich gelassen.

Konkurrent Nadal zeigte indes wenig Mitleid mit Djokovic. "Ich hatte Covid, ich bin zwei Mal geimpft. Wenn du das machst, hast du kein Problem, hier und überall auf der Welt zu spielen. Das ist das Einzige, was klar ist", sagte der Spanier in Melbourne.

Besonders strikte Corona-Maßnahmen

In Australien gelten seit Monaten besonders strikte Regeln. Das ganze Land war lange Zeit geradezu eine Festung, niemand kam herein - niemand heraus. Melbourne hat zusammengenommen den längsten Lockdown der Welt hinter sich. Impfverweigerer verlieren im Bundesstaat Victoria ihren Job, Arbeitgeber müssen horrende Strafen zahlen, wenn sie Ungeimpfte beschäftigen.

Derzeit verzeichnet Australien einen Anstieg der Corona-Neuinfektionen. Innerhalb von 24 Stunden seien rund 72.000 positive Testergebnisse registriert worden, erklärten die Behörden. Am Tag zuvor wurden rund 64.000 Neuinfektionen gemeldet.

Mit Informationen von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Januar 2022 um 09:47 Uhr, 10:26 Uhr, 10:45 Uhr und 11:03 Uhr.