Novak Djokovic | dpa

Visumsentzug vor Australian Open Djokovic kämpft gegen Ausreiseverpflichtung

Stand: 06.01.2022 08:40 Uhr

Der serbische Tennisstar Djokovic war mit einer umstrittenen medizinischen Ausnahmegenehmigung nach Australien gereist. Die Behörden stornierten aber sein Visum. Dagegen will Djokovic nun gerichtlich vorgehen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Maskierte mit gelben Plastikumhängen empfangen den weißen Kleinbus Djokovics in der Tiefgarage eines Hotels in Melbourne, dann schließt sich ein schweres Stahltor hinter dem Wagen. Für den Tennis-Weltranglisten-Ersten sind die Australien Open beendet, bevor sie überhaupt begonnen haben. Sein Visum wurde widerrufen, der Serbe muss das Land verlassen.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Ausnahme aus medizinischen Gründen?

Zuvor war ein Sturm der Entrüstung über Down Under gefegt. Von einer Extrawurst für Tennismillionäre schrieben die Boulevardzeitungen nach der Einreise des mutmaßlich ungeimpften Djokovic. Geradezu mantramäßig hatte der australische Tennisbund daher immer wieder betont: Es habe alles seine Ordnung. Ein unabhängiges Expertengremium habe über die Ausnahmegenehmigung entschieden - und zwar anonym, ohne den Namen des Antragstellers zu kennen.

Die Anforderungen für Tennisspieler seien dabei sogar noch strenger als für alle anderen, erklärte Tennis-Boss Craig-Tiley: "Und in diesem Fall wurde die Ausnahmegenehmigung erteilt aus medizinischen Gründen, die natürlich vertraulich sind und die wir als Tennisbund auch nicht kennen."

Djokovic: Eingriff für ihn inakzeptabel

Herzkrankheiten oder allergische Reaktionen können ein Grund sein, um auch ohne Impfung nach Australien einreisen zu dürfen. Oder eine in den vergangenen sechs Monaten überstandene Covid-Erkrankung. Djokovic schweigt zwar über seinen Impfstatus, hat aber immer wieder deutlich gesagt, dass ein solcher Eingriff in seinen Körper für ihn inakzeptabel ist.

Und auch wenn es keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Djokovic-Einreise gibt: Das Signal war fatal in einem Land mit derart strengen Corona-Regeln. Ganz Australien war lange Zeit geradezu eine Festung, niemand kam herein, niemand heraus. Melbourne hat zusammengenommen den längsten Lockdown der Welt hinter sich. Impfverweigerer verlieren im Bundesstaat Victoria ihren Job, Arbeitgeber müssen horrende Strafen zahlen, wenn sie Ungeimpfte beschäftigen.

"Natürlich ist das seine Entscheidung, aber wenn er sich nicht impfen lässt, kann er nicht kommen," meint eine Bürgerin auf der Straße. "Da war unsere Regierung doch sehr klar."

Behörde: Visum ist ungültig

Der ehemalige australische Tennisprofi Sam Groth ereiferte sich, mit der Ausnahmegenehmigung sei allen Australiern ins Gesicht gespuckt worden. Und weniger prominente Spieler zeigten sich ebenfalls sehr irritiert. "Ich schätze, wenn ich das gewesen wäre, hätte ich nicht einreisen dürfen", sagte einer aus dem australischen Team. Und sein Kollege ergänzte lächelnd: "Es ist jedenfalls interessant, mehr will ich dazu nicht sagen."

Am Morgen dann die Kehrtwende. Gesundheitsminister Greg Hunt erklärte in einer Pressekonferenz, das Visum für Novac Djokovic sei ungültig: "Eine Überprüfung durch die Grenzbehörden hat ergeben, dass Herr Djokovic die Bedingungen für eine solche Ausnahmegenehmigung nicht erfüllt. Sein Visum wurde daher nachträglich widerrufen."

Djokovic geht dagegen vor

Djokovic will nun gerichtlich gegen Visums-Entzug vorgehen. Die Anwälte des Weltranglisten-Ersten legten vor einem Gericht in Melbourne Rechtsmittel ein, wie das australische Nachrichtenportal "The Age" berichtete.

Dieser Weg stehe ihm natürlich offen, kommentiert Australiens Gesundheitsminister Hunt trocken. "Aber wenn ein Visum widerrufen wird, muss derjenige unverzüglich das Land verlassen."

Über dieses Thema berichteten am 06. Januar 2022 Deutschlandfunk Kultur um 08:09 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.