Novak Djokovic | AFP

Einreise-Streit mit Australien Djokovic wartet, Konkurrenz genervt

Stand: 15.01.2022 17:02 Uhr

Bald soll es Klarheit geben, ob Djokovic in Australien bleiben darf: In Gewahrsam wartet der Tennisprofi auf die entscheidende Anhörung. Seine Konkurrenten sind unterdessen zunehmend genervt von dem Einreise-Theater.

Kurz vor Beginn der Australian Open wartet der serbische Tennis-Star Novak Djokovic in einem Abschiebehotel auf die Entscheidung des Gerichts im Streit über seine Einreise. Seine Hoffnungen ruhen auf einer Anhörung am Sonntagmorgen um 9:30h Ortszeit (Samstag 23:30 Uhr MEZ): Dann soll der Federal Court of Australia entscheiden, ob Djokovic an dem Grand-Slam-Turnier teilnehmen darf oder das Land verlassen muss.

Nachdem die australische Regierung sein Visum ein zweites Mal für ungültig erklärt hatte, war der Profi erneut in Gewahrsam genommen worden. Wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete, soll die Anhörung vor drei Richtern stattfinden. Demnach können nach deren Entscheidung keine Rechtsmittel mehr gegen das Urteil eingelegt werden.

Zverev kritisiert Entzug des Visums

Die sportlichen Konkurrenten sind unterdessen zunehmend genervt davon, dass das Einreise-Thema vor dem Turnier für große Aufregung sorgt. Der spanische Tennisstar Rafael Nadal gab zu, es ein bisschen satt zu haben. Es sei klar, dass Djokovic einer der besten Tennisspieler der Geschichte sei. "Aber kein Tennisspieler der Geschichte ist wichtiger als das Event", sagte Nadal.

Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev kritisierte hingegen den nachträglichen Visums-Entzug für Djokovic. "Ich denke, es ist nicht sehr fair für eine Person, hier herzukommen und nicht spielen zu können", sagte der 24-Jährige. Zugleich äußerte er Verständnis für die grundsätzliche Haltung der australischen Regierung. Er verstehe deren Perspektive, sagte der Weltranglistendritte, betonte aber auch: "Die australische Regierung und die Regierung Victorias hätten sich im Voraus im Klaren darüber sein müssen, was passieren wird."

In Serbien, wo die Empörung über die Behandlung des Nationalhelden hohe Wellen schlägt, bekräftigte Präsident Aleksandar Vucic weiter seine Unterstützung für Djokovic. "Die Angriffe und der Druck auf Novak Djokovic, einen Bürger Serbiens, sind für mich unverständlich", sagte er in einer auf Instagram veröffentlichten Ansprache. Vucic beklagte den "Druck, dem Serbien ausgesetzt" sei. Doch den Serben habe man in ihrer Geschichte "Würde und Stolz nicht zu nehmen vermocht". Seine Ansprache schloss der Präsident mit den Worten: "Es lebe Serbien! Novak, Serbien ist mit dir!"

Opposition spricht von Debakel

Djokovic war mit einer umstrittenen medizinischen Impfausnahme-Erlaubnis der Behörden des Bundesstaats Victoria zu dem Turnier angereist. Grenzschutzbeamte hatten diese aber nicht anerkannt und ihm am Flughafen von Melbourne die Einreise verweigert. Ein Gericht hatte die Entscheidung wegen Formfehlern dann gekippt. Am Freitag hatte Einwanderungsminister Alex Hawke das Visum des Serben schließlich erneut annulliert.

Dass sich Hawke so viel Zeit gelassen hatte mit der Entscheidung, wurde vielfach kritisiert. Oppositionsführer Anthony Albanese sprach gar von einem Debakel: "Die Regierung hat nichts getan, und so wurde aus einem Problem eine Krise. Das ist eine internationale Peinlichkeit für Australien."

Hawke hingegen erklärt, er habe keine Fehler machen wollen und alle Fakten sorgfältig geprüft. Womöglich wollte er Djokovic auch so wenig Zeit wie möglich lassen, um zu reagieren vor dem Australian Open Auftakt am Montag. "Gut begründet und in öffentlichem Interesse", nennt Hawke seine Entscheidung.

Drei Jahre Einreiseverbot drohen

Djokovic ist bekennender Impfgegner. Seine Ausnahmegenehmigung begründete er mit einer überstandenen Covid-Infektion. Jedoch gab es Ungereimtheiten um den PCR-Test vom Dezember vergangenen Jahres, auch hatte er falsche Angaben auf dem Einreiseformular gemacht.

Neunmal hat der Serbe bereits die Australian Open gewonnen - mit seinem zehnten Sieg in diesem Jahr wollte er als erfolgreichster Spieler aller Zeiten Tennisgeschichte schreiben. Doch wenn das Gericht gegen seinen Einspruch entscheidet, wird er stattdessen sehr bald in einem Flugzeug nach Hause sitzen und die kommenden drei Jahre nicht mehr nach Australien einreisen dürfen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Januar 2022 um 11:00 Uhr.