Presservertreter stehen vor dem Büro der Djokovic-Anwälte | REUTERS

Morgen soll Entscheidung fallen Djokovic erneut in Gewahrsam

Stand: 15.01.2022 05:39 Uhr

In weniger als 48 Stunden beginnen die Australian Open - und immer noch ist die Causa Djokovic nicht geklärt. Der Tennisstar befindet sich wieder in Gewahrsam - die Entscheidung, ob er im Land bleiben darf, soll morgen fallen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Novak Djokovic sitzt wieder im Abschiebehotel in Melbournes Stadtteil Carlton fest. Auf der Straße warten Fotografen und Kamerateams. Fernsehbilder zeigen das schwarze Rollgittertor vor der Tiefgarage. "Befreit sie alle", hat jemand an die Hauswand gepinselt, denn in der Unterkunft sind auch Flüchtlinge untergebracht - teilweise seit Jahren.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Der Tennis-Weltranglistenerste - so entschied gestern ein Gericht - darf das Hotel nur zu Gesprächen mit seinen Anwälten und zu seiner Anhörung verlassen. Am Sonntag will Australiens Bundesgericht endgültig darüber entscheiden, ob er im Land bleiben und damit bei den am Montag beginnenden Australian Open spielen darf.

Stimmung im Land ziemlich eindeutig

Im ganzen Land wurden gestern die Bürger von den Fernsehstationen befragt, wie sie den Fall Djokovic beurteilen - und für die meisten ist die Sache klar:

Der Minister hat zu 100 Prozent Recht, das Visum zu annullieren. Nur weil er ein berühmter Tennisspieler ist und ein reicher weißer Mann, soll er hier ein Visum bekommen? Das wäre absolut unfair - wo gleichzeitig Leute hier ihren Job verlieren und wir so eine schwierige Zeit haben.
Wir sind hier durch 18 wirklich schwere Monate gegangen. Und wofür gibt es denn Regeln, wenn die nicht für alle gelten. Egal ob du Superstar, Tennisspieler oder Rockmusiker bist - da darf es keine Unterschiede geben. Wenn Du Dich nicht an die Regeln hälst, fliegst Du hier raus, ganz einfach.
Sie hätten ihn schon früher nach Hause schicken sollen. Das war eine harte Zeit für uns alle hier - und dass da jemand kommt, der ungeimpft ist und für den die Regeln nicht gelten sollen,  das war ein Schlag ins Gesicht. Ich bin glücklich, dass wir ihn loswerden.

Opposition spricht von Debakel

Dass sich Einwanderungsminister Alex Hawke soviel Zeit gelassen hat mit der Entscheidung, wurde vielfach kritisiert - Oppositionsführer Anthony Albanese spricht gar von einem Debakel: "Die Regierung hat nichts getan, und so wurde aus einem Problem eine Krise. Das ist eine internationale Peinlichkeit für Australien."

Minister Hawke dagegen erklärt, er habe keine Fehler machen wollen und alle Fakten sorgfältig geprüft. Womöglich wollte er Djokovic auch so wenig Zeit wie möglich lassen, um zu reagieren vor dem Australian Open Auftakt am Montag. "Gut begründet und in öffentlichem Interesse", nennt Hawke seine Entscheidung.

Djokovics Anwälte freilich sehen das anders, sie sprechen von einer irrationalen Entscheidung. Der Tennisprofi habe herhalten müssen als Sündenbock für alle Ungeimpften, argumentieren sie.

Drei Jahre Einreiseverbot drohen

Djokovic ist bekennender Impfgegner. Er wollte daher mit einer Ausnahmegenehmigung nach Australien einreisen, die er mit einer überstandenen Covid-Infektion begründete. Jedoch gab es Ungereimtheiten um den PCR-Test vom Dezember vergangenen Jahres, auch hatte er falsche Angaben auf dem Einreiseformular gemacht.

Neunmal hat der Serbe bereits die Australian Open gewonnen - mit seinem zehnten Sieg in diesem Jahr wollte er als erfolgreichster Spieler aller Zeiten Tennisgeschichte schreiben. Doch wenn das Gericht gegen seinen Einspruch entscheidet, wird er stattdessen sehr bald in einem Flugzeug nach Hause sitzen und die kommenden drei Jahre nicht mehr nach Australien einreisen dürfen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2022 um 04:38 Uhr.

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KOMMENTARE

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oooohhhh 15.01.2022 • 15:57 Uhr

14:12 Uhr von Bernd Kevesligeti

Im Sandkastenweltbild dieses Menschenschlages wird immer in gut und böse eingeteilt und dann die Fakten beurteilt. Wer festlegt was gut und böse ist? Dieser Menschenschlag natürlich. Hatten wir alles schon ? In unseren Land mehrfach zur Genüge. Habe diese Menschen dank Geschichtsunterricht etwas daraus gelernt? Im Gegenteil sie tragen ihre Art Bildung auch noch wie eine Monstranz vor sich her. Einbildung ist auch eine Art Bildung. Schuster bleib bei deinen Leisten und mach Musik ist seit langem mein Rat...da sind wir dann beim nächsten Problem: Hören ist auch immer eine geistige Leistung und diese Art von selektiver Presbyakusis ist häufig bei jenem Menschenschlag anzutreffen, ja nimmt sogar seit fast 2 Jahren massiv zu.