Novak Djokovic | REUTERS

Djokovic verlässt Australien Abgeblitzt und abgeflogen

Stand: 16.01.2022 13:33 Uhr

Für Australiens Premier war es ein Urteil "im öffentlichen Interesse", Serbien spricht hingegen von "Hexenjagd". Für den Tennisstar Djokovic hat das Hin und Her jetzt ein Ende - diplomatisch wird es aber wohl noch weitergehen.

Juristisch und sportlich ist das Tauziehen um Tennisstar Novak Djokovic beendet, politisch vermutlich noch nicht. Nachdem ein Bundesgericht in Australien entschieden hat, dass Djokovic das Visum zurecht entzogen worden war, hat der Serbe das Land verlassen. Nach Berichten von Reportern bestieg Djokovic ein Flugzeug nach Dubai.

Das Gericht hatte wenige Stunden zuvor den Einspruch des nicht gegen Corona geimpften Serben gegen die Einreiseverweigerung durch Einwanderungsminister Alex Hawke abgewiesen. Die drei Bundesrichter kamen einstimmig zu dem Schluss, dass Hawke rechtmäßig von seinem Ermessensspielraum Gebrauch gemacht habe. Zur konkreten Begründung will sich das Gericht in den nächsten Tagen äußern.

Anwälte: Keine Gefahr nach Infektion

Minister Hawke hatte die Annulierung des Visums mit einem öffentlichen Interesse und dem Gesundheitsschutz begründet. Djokovic stelle eine Gefahr dar, weil seine Anwesenheit inmitten der schlimmsten Corona-Lage in Australien seit Ausbruch der Pandemie die Stimmung gegen Impfungen anfachen würde.

Die Anwälte des Tennisstars nannten die Argumentation hingegen irrational. Von dem ungeimpften Serben gehe auf Grund seiner überstandenen Covid-Erkrankung keine Ansteckungsgefahr aus. Vielmehr gehe es der Regierung darum, Djokovic zum Sündenbock für alle Ungeimpften zu machen und ein Exempel zu statuieren.

"Zeit, wieder den Tennis-Sommer zu genießen"

Der Fall Djokovic hatte international viel Aufsehen erregt und auch zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Australien und Serbien geführt. Dass diese mit dem Urteil nun beigelegt sind, ist sehr unwahrscheinlich.

Beide Seiten kommentierten die Entscheidung sehr unterschiedlich. Australiens Premierminister Scott Morrison teilte mit, die Entscheidung sei aus Gründen der "Gesundheit, Sicherheit und der Ordnung" und "im öffentlichen Interesse" geschehen. Starke Grenzen seien für die australische Lebensweise von grundlegender Bedeutung - "genauso wie die Rechtsstaatlichkeit". Jetzt sei es an der Zeit, "mit den Australian Open weiterzumachen und wieder den Tennis-Sommer zu genießen".

Wenig Verständnis bei Australiern

Australien hatte über Monate eine ausgesprochene rigide Corona-Politik betrieben und selbst eigene Staatsbürger zeitweise nicht einreisen lassen. Die Impfquote in Australien liegt bei mehr als 90 Prozent, viele Menschen sind über Ausnahmen für Ungeimpfte empört. Bei vielen Australiern waren die ohnehin geringen Sympathien für den bekennenden Impfgegner Djokovic in dem vergangenen Tagen von einem ohnehin schon niedrigen Niveau völlig in den Keller gestürzt.

Ganz anders die Stimmung in Djokovic' Heimatland Serbien. Hier ist der Weltranglistenerste für viele Menschen eine Art Nationalheld. Und auch seine Haltung zum Thema Impfen dürfte auf vergleichsweise große Sympathien stoßen. Serbien zählt zu den Ländern mit einer niedrigen Impfbereitschaft.

Serbien stellt Rechtsstaatlichkeit in Frage

Die serbische Regierung nannte das Urteil einen Skandal und stellte die Justiz in Australien generell in Frage. Die Gerichtsentscheidung zeige, "wie die Rechtsstaatlichkeit in einigen anderen Ländern funktioniert oder besser gesagt, nicht funktioniert", sagte Ministerpräsidentin Ana Brnabic.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic warf den australischen Behörden vor, die hätten Djokovic "demütigen" wollen. Dabei hätten sie sich nur selbst gedemütigt. Es sei eine "Hexenjagd" gegen den Tennisstar entfacht worden, die Medien hätten eine "Lynchstimmung" erzeugt. "Ich habe vorhin nach der Entscheidung mit Novak Djokovic gesprochen und ihn ermutigt", sagte Vucic. "Wir freuen uns darauf, dass er in sein Land zurückkehrt, wo er immer willkommen ist."

Djokovic bleibt an der Spitze der Weltrangliste

Djokovic selbst sagte, er respektiere die Entscheidung, sei aber "äußerst enttäuscht". Er hätte am Montagabend sein erstes Match bei den Australian Open spielen sollen. Hätte er das Turnier in Melbourne gewonnen, hätte er einen neuen Rekord aufgestellt.

Djokovic hätte dann seinen 21. Grand-Slam-Titel bejubeln können. Damit hätte er sich zum alleinigen Rekordsieger bei den vier wichtigsten Tennisturnieren der Welt gekürt. Diese Bestmarke teilt er sich momentan mit seinen Rivalen Rafael Nadal aus Spanien und Roger Federer aus der Schweiz - mit je 20 Titeln.

Daraus wird nun nichts, Djokovic wird bei den Australian Open durch den Italiener Salvatore Caruso ersetzt. Die Nummer 150 der Tennis-Welt rückt als sogenannter Lucky Loser nach und spielt in der ersten Runde gegen den Serben Miomir Kecmanovic.

Die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste wird Djokovic aber trotzdem bleiben. Der Serbe kann derzeit von keinem anderen Spieler vom Spitzenplatz verdrängt werden, wie der Tennis-Weltverband ITF mitteilte.

Mit Informationen von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Januar 2022 um 13:00 Uhr.