Annalena Baerbock | dpa

Baerbock besucht Palau In der Klimakrise "Seite an Seite"

Stand: 09.07.2022 11:47 Uhr

Auf ihrer Asien-Reise ist Außenministerin Baerbock nach Palau gereist. Im vom Klimawandel besonders betroffenen Inselstaat im Südpazifik räumte sie Fehler der Industrieländer ein und versprach mehr Unterstützung vor Ort.

Außenministerin Annalena Baerbock hat bei einem Besuch im Südpazifik zu einer internationalen Kraftanstrengung im Kampf gegen die Erderwärmung aufgerufen. "Der Klimanotstand ist keine isolierte Krise. Es ist das schwierigste Sicherheitsproblem unserer Zeit", sagte die Grünen-Politikerin im Inselstaat Palau, der vom Untergang bedroht ist.

Keine Weltregion leide so sehr unter der Klimakrise wie die Pazifikstaaten - und das, obwohl deren Anteil an den globalen Treibhausgasemissionen so gering sei. "Das ist eine eklatante Ungerechtigkeit", sagte Baerbock. Um die angestrebten Klimaziele zu erreichen, müssten vor allem die weltweit größten CO2-Emittenten die Treibhausgasemissionen schneller senken, so auch Deutschland. "Wir sind nicht Ozeane voneinander entfernt, sondern stehen Seite an Seite", erklärte sie.

Sondergesandte für die Region ernannt

Bedrohte Pazifiknationen hätten bei internationalen Klimaverhandlungen immer wieder vor den Folgen des Klimawandels gewarnt, räumte Baerbock in der auf Englisch gehaltenen Rede ein. "Aber wir müssen zugeben, dass unsere Antwort als internationale Gemeinschaft unzureichend, unsere Unterstützung zu begrenzt war." Nun sei es "wirklich Zeit, dass wir Ihnen nicht nur aus der Ferne zuhören, sondern dass wir tatsächlich herkommen". Zuletzt sei vor 120 Jahren ein deutscher Außenminister nach Palau gereist. Von 1899 bis 1914 war Palau deutsche Kolonie.

Palau erscheine wie ein echtes Paradies, sagte Baerbock. "Aber wir können uns auch gut vorstellen, was mit diesem friedlichen Paradies passieren wird, wenn der Meeresspiegel noch weiter steigt." So böten Schulen, die in Küstennähe gebaut werden, den Kindern keinen sicheren Ort mehr. Kulturstätten könnten buchstäblich untergehen. Und viele Anwohner müssten sich eine schreckliche Frage stellen: "Eine Frage, die ich mir persönlich kaum vorstellen kann: 'Werden unsere Häuser in 30 oder 50 Jahren noch hier sein?'"

Um die von steigenden Meeresspiegeln gefährdeten Nationen besser und langfristig zu unterstützen, habe sie die Diplomatin Beate Grzeski zur Sondergesandten für die pazifischen Inselstaaten ernannt, sagte Baerbock. Grzeski sei ab sofort direkte Ansprechpartnerin für die Archipele.

Erosion und Plastikmüll bedrohen Lebensräume

Vor ihrer Rede hatte sich die Ministerin bei einem Besuch der zu den "Rock Islands" gehörenden Insel Ngkesill über die dramatischen Auswirkungen der weltweiten Klimakrise informiert. Baerbock fuhr mit einem Boot zu der Insel, die zu einem etwa 40 Kilometer langen Archipel im Zentrum Palaus gehört, das von einem dichten Korallenriff eingefasst ist.

Sie ließ sich dort auch Auswirkungen der Erosion sowie von Stürmen entwurzelte Bäume und angeschwemmten Plastikmüll zeigen. Die Vermüllung der Meere macht marinen Ökosystemen schwer zu schaffen. So wandern in Palau Meeresschildkröten ab, weil ihr Lebensraum und die Möglichkeit, Nester zu bauen, schrumpft. In der Gemeinde Melekeok an der Ostküste der Insel Badeldaob, die für ihre langen Sandstrände bekannt ist, besichtigte Baerbock ebenfalls Erosionsschäden am dortigen Strand und sprach mit besorgten Anwohnern. Die Ministerin suchte auch das Gespräch mit vom Klimakrise betroffenen Fischerinnen und Fischern.

Der Archipel besteht aus bis zu 500 Inseln, von denen keine permanent bewohnt ist. Das dortige Naturschutzgebiet bietet nach Angaben der Bundesregierung unter anderem seltenen Seekühen, 13 Hai-Arten, mehr als 350 unterschiedlichen Korallenarten, Vögeln, Fledermäusen und Pflanzen einen vom Tourismus weitgehend unberührten Lebensraum. Ein großer Teil des Archipels wurde im Jahr 2012 von der UNESCO zum Weltnatur- und -kulturerbe erklärt.

"An allen Teilen dieser Erde brennt es"

Später traf Baerbock den Außenminister von Palau, Gustav Aitaro, in der Hauptstadt Ngerulmud. Nach dem Gespräch forderte sie einen raschen weltweiten Ausstieg aus fossiler Energie. Die nächste Weltklimakonferenz im November in Ägypten müsse deutlich machen: "Wir teilen dieses Schicksal gemeinsam und wir können diese Klimakrise nur gemeinsam bewältigen." Es brenne an allen Teilen der Erde, sagte Baerbock. "An manchen lodert das Feuer, an anderen brennt es lichterloh. Und an manchen Orten weiß man auch noch gar nicht, ob die Flamme heute entfacht oder vielleicht erst in zehn Jahren."

Im Zusammenhang mit dem brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gebe es die Chance, dass sich der bisher viel zu langsame Umstieg auf erneuerbare Energien "massiv beschleunigt, weil eben die Energiefrage auch eine Sicherheitsfrage geworden ist". In diesem Prozess müsse dafür gesorgt werden, "dass nicht nur die Regionen, die jetzt schnell Geld investieren können, wieder vorne mit dabei sind", sondern auch kleine Inselstaaten wie Palau schnellstmöglich auf erneuerbare Energien umstellen können. Zugleich müssten jene Teile des Landes, die nicht mehr gerettet werden könnten, unterstützt werden.

Weiterreise nach Japan

Baerbock hatte schon vor ihrer Abreise betont, der steigende Meeresspiegel drohe Palau zu verschlucken. Die Einwohner verlören ihre Existenzgrundlage. Dies sei eine Mahnung zum Handeln als Gemeinschaft. Wenn man im Kampf gegen die Klimakrise und bei der Aufrechterhaltung der globalen Ordnung bestehen wolle, komme es auch auf die Erfahrung und Stimme kleinerer Staaten wie Palau an.

Baerbock befindet sich derzeit auf einer sechstägigen Reise nach Asien und in die Pazifikstaaten. Am Freitag hatte sie am G20-Außenministertreffen im indonesischen Bali teilgenommen. Nach ihrem Besuch in Palau reist sie weiter nach Japan.

Karte: Palau

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Juli 2022 um 12:50 Uhr.