Die olympischen Ringe sind auf der Spitze des Olympiaturms in Peking zu sehen. | dpa

Olympia in China Auch Australien boykottiert Peking-Spiele

Stand: 08.12.2021 05:35 Uhr

Australien schließt sich dem von den USA beschlossenen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking an. Das kündigte Premier Morrison an.

Australien wird wie die USA keine diplomatischen Vertreter zu den Olympischen Winterspielen nach China schicken. Die Entscheidung sei aufgrund der gescheiterten Bemühungen gefallen, die diplomatischen Kanäle mit China wieder zu öffnen, um über Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang zu sprechen sowie aufgrund der Maßnahmen der Regierung in Peking, die Einfuhren australischer Waren zu erschweren oder zu blockieren, sagte Ministerpräsident Scott Morrison in Sydney.

"Australische Regierungsvertreter werden daher nicht nach China zu diesen Spielen reisen. Die australischen Athleten werden es aber tun." Die Vereinigten Staaten hatten am Montag erklärt, wegen Menschenrechtsverletzungen in China keine diplomatischen Vertreter im Februar 2022 zu dem Sportevent nach Peking zu schicken.

Seine Regierung habe "Menschenrechtsverstöße in Xinjiang und andere Themen" angeprangert, doch habe die chinesische Regierung keine Gesprächsbereitschaft gezeigt. Australische Sportler sollen jedoch an den Spielen in Peking teilnehmen, betonte Morrison. "Australien ist eine große Sport-Nation, aber ich halte Fragen des Sports und der anderen politischen Angelegenheiten sehr wohl auseinander."

China zeigt sich entrüstet

Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Canberra erklärte, die Entscheidung stehe "im Widerspruch zu der von Canberra öffentlich geäußerten Erwartung, die Beziehungen zwischen China und Australien zu verbessern". Der Erfolg Australiens bei den Olympischen Winterspielen hänge allerdings "von den Leistungen der australischen Athleten ab, nicht von der Anwesenheit australischer Offizieller und dem politischen Getue einiger australischer Politiker", sagte der Sprecher weiter.

Die China-Expertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Sophie Richardson, begrüßte den Morrisons Ankündigung hingegen als "entscheidenden Schritt, um die Verbrechen der chinesischen Regierung gegen die Menschlichkeit zu bekämpfen", die sich demnach gegen Uiguren und andere Gemeinschaften richten.

China ist Australiens wichtigster Handelspartner

China kündigte an, die USA würden für ihre Entscheidung "den Preis zahlen" und warnte vor "entschlossenen Gegenmaßnahmen". Der formelle Boykott Australiens birgt die Gefahr, dass die Beziehungen zu China, seinem größten Handelspartner, sich weiter verschlechtern.

Die Spannungen hatten sich verschärft, als die Regierung in Canberra dem chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei den Zugang zu seinem 5G-Breitbandnetz verwehrt und eine unabhängige Untersuchung der Herkunft von Covid-19 gefordert hatte. Die Volksrepublik reagierte mit Einfuhrzöllen auf australische Waren, darunter Kohle, Rindfleisch, Gerste und Wein.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Dezember 2021 um 06:20 Uhr.