Einsatzkräfte der Feuerwehr bei der Bekämpfung eines Buschfeuers in einem der Vororte von Perth. | dpa

Westaustralien Zwischen Feuersbrunst und Lockdown

Stand: 03.02.2021 10:53 Uhr

In Westaustralien hat ein Buschfeuer bereits Dutzende Häuser und Tausende Hektar Wald und Agrarland zerstört. Viele Menschen müssen ihr Zuhause verlassen - trotz eines coronabedingten Lockdowns.

 Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Es gilt die Buschfeuer-Notwarnung, verkündet die Ansagerin auf Radio Perth. Fast leiernd trägt sie die Liste der betroffenen Ortschaften in Westaustralien vor, für die gilt: "Sie sind in Gefahr und müssen sofort handeln, um zu überleben; Ihr Leben und Ihr Heim sind bedroht."

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Mehr als 70 Häuser sind bereits zerstört worden durch ein außer Kontrolle geratenes Feuer in der Nähe der Großstadt Perth, fast 10.000 Hektar Wald und Agrarland sind verbrannt, 300 Feuerwehrleute leisten Außergewöhnliches, sagt ihr Chef Darren Klemm: "Es war sehr warm in den vergangenen Tagen, die Kombination aus starken Winden und wirklich trockener Luft, das sind die Bedingungen, die ein Feuer wirklich stark werden lassen." Und das macht seinen Leuten das Leben schwer, wie in einem Video zu sehen ist, das eine Gruppe Feuerwehrleute aufgenommen hat: Mit viel Wagemut kämpft sich die Crew mit ihrem Gefährt durch eine lodernde Flammenwand.

Buschfeuer mitten im Lockdown

Doch neben dem Feuer gibt es noch ein Problem: Covid-19. Ausgerechnet Perth ist in einem Spontan-Lockdown: Nachdem in der vergangenen Woche ein einzelner Fall aufgetreten war, sollen zwei Millionen Menschen bis zu diesem Freitag möglichst ihr Haus nicht verlassen.

Wer nicht in den vom Feuer betroffenen Gebieten lebt, solle sich auch weiterhin daran halten, sagen die Behörden. Viele andere verlassen ihr Heim. Und an noch andere richtet sich Radio Perth: "Für Menschen innerhalb der Gefahrenzone gilt: Es ist zu spät, um zu fliehen, jetzt Ihr Haus zu verlassen wäre tödlich", heißt es in der Ansage.

Jeder Australier mit einem Haus auf dem Land hat einen Buschfeuer-Notfallplan - oder sollte ihn zumindest haben. Die Feuerwehren zeigen Schritt für Schritt, wie man sein Haus auf die Brandsaison vorbereitet, Laub, Holz und Funkeneintrittslöcher entfernt, Wasser zugänglich und alle Notfallnummern parat hat. "Du musst vorbereitet sein", sagt ein Mann, der sein Haus an das Feuer verloren hat. Die eigene Sicherheit sei das Wichtigste.

Verheerende Waldbrände im letzten Jahr

Im vergangenen Jahr hatten infernogleiche Waldbrände Australien heimgesucht. Als der schwarze Sommer, der "Black Summer", ist er in die australische Geschichte eingegangen - mit 33 Feuertoten, 450 Menschen, die an den Spätfolgen starben, und elf Millionen Hektar abgebrannter Landfläche sowie Milliarden Dollar an Verlusten von der Wirtschaft bis zum Tourismus. Außerdem starben bis zu drei Milliarden Tiere. Viele Tierarten sind durch den Verlust ihres Lebensraums weiterhin bedroht.

Die Brände hatten sich größtenteils auf den Ostteil des Landes konzentriert, dort gibt es aber in diesem Jahr feuchteres und kühleres Wetter. Für den Westen hingegen gilt die Feuerwarnung.

Über dieses Thema berichtete NDR 2 am 03. Februar 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.