Syrische Soldaten in Ost-Ghouta | Bildquelle: SANA HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutter

Kampf um Ost-Ghouta Wieder Hunger als Waffe

Stand: 06.03.2018 03:09 Uhr

Der erste Hilfskonvoi seit Beginn der Offensive in Ost-Ghouta hat seine Mission wegen anhaltenden Beschusses des Gebiets abgebrochen. In der Region steht offenbar ein Entscheidungskampf bevor.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Kinder spielen auf der Straße, Vögel zwitschern - die Menschen hören Klänge, die in den Monaten zuvor nicht existierten oder die vom Gefechtslärm übertönt wurden. "Die Leute sind erleichtert, weil keine Flugzeuge am Himmel sind", schwärmt ein Mann. "Hoffentlich bleibt es so."

Das war im September 2016 im Ostteil von Aleppo. Gerade hatte eine Waffenruhe begonnen. Nach sechs Tagen war sie wieder vorbei. Die Kämpfe gingen weiter.

Internationaler Hilfskonvoi bricht Einsatz ab
tagesschau 12:00 Uhr, 06.03.2018, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Dutzende Male sollten die Waffen schweigen

Mindestens zwei Dutzend Feuerpausen und Waffenruhen hat es in Syrien seit 2011 gegeben. Die Menschen in den belagerten Gebieten wurden dann zwar ein paar Tage lang nicht beschossen, aber die Regierungsarmee und ihre Verbündeten hungerten sie weiterhin aus. Hilfsgüter wurden nur selten durchgelassen. Genau so ist es auch im Fall der Enklave Ost-Ghouta.

"Tod oder Tod", das sei die Alternative, sagt Wael Oulwan, ein Sprecher von Aufständischen in Ost-Ghouta, mit Sitz in Istanbul. Tod durch Bomben oder Hungertod.

Zerstörungen in Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP
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In Ost-Ghouta befinden sich noch 400.000 Menschen - die allermeisten von ihnen sind Zivilisten.

Die meisten Menschen in Ost-Ghouta sind Zivilisten

Wie schon bei Aleppo rechtfertigt das Regime sein brutales Vorgehen in Ost-Ghouta damit, dass zu den Aufständischen dort Terroristen gehören, die Al Kaida nahestehen. Die Regeln der Waffenruhe erlauben es ausdrücklich, sie trotzdem zu bekämpfen. Auch wird Damaskus immer wieder von Aufständischen aus dem umzingelten Gebiet mit Mörsergranaten beschossen. In den vergangenen Monaten sollen dabei mehr als 120 Menschen in der Hauptstadt getötet worden sein. 

Aber die meisten der 400.000 Menschen in Ost-Ghouta sind Zivilisten. Sie schießen nicht. Sie bleiben dort, weil sie Angst vor den Assad-Truppen haben, vielleicht auch, weil Aufständische sie an der Flucht hindern.

"Für Ost-Ghouta nur eine Lösung"

Im syrischen Staatsfernsehen erklärte ein Experte die Strategie der Regierung: Die Führung habe mehrere Optionen - darunter die nationale Aussöhnung und der Dialog zwischen den Kriegsparteien. Aber für Ost-Ghouta gebe es nur die militärische Lösung, jene auf die sich Syrien mit Russland und Iran längst geeinigt hätte. Am Sonntag betonte auch Baschar al-Assad, dass die Militäroffensive weitergehen werde - allerdings, so der Präsident, unter Einhaltung der von Russland angeordneten täglichen Feuerpause von fünf Stunden.

Tags darauf mittags live im syrischen Staatsfernsehen: Ein Reporter berichtet vom Artilleriefeuer der Regierungstruppen auf Ost-Ghouta, das er hier an der Front hören und sehen könne – also genau in jenem Zeitfenster, in dem eigentlich laut Assad die tägliche Feuerpause gilt.

In den vergangenen Tagen konnte die syrische Armee offenbar rund 40 Prozent von Ost-Ghouta wieder unter ihre Kontrolle bringen. Dies zeige, betont ein syrischer Militärexperte im Staatsfernsehen, dass es das Hauptziel der Regierung sei, die Enklave zurückzuerobern. Die Militäroffensive mache deutlich, dass für Ost-Ghouta dieselbe Strategie gelte wie zuvor für Ost-Aleppo.

Nach Jahren gescheiterter syrischer Feuerpausen jetzt miltärisches Finale in Ost-Ghouta
Jürgen Stryjak ARD, Kairo
06.03.2018 06:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. März 2018 um 05:08 Uhr.

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