Meghan und Harry | AP

Interview mit Meghan und Harry Suizidgedanken und immenser Druck

Stand: 08.03.2021 08:09 Uhr

Von Suizidgedanken geplagt, ohne Hilfe und rassistischen Äußerungen ausgesetzt - es sind heftige Vorwürfe, die Herzogin Meghan in einem TV-Interview dem britischen Königshaus macht. Auch Prinz Harry fährt schwere Geschütze auf.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Gefangen im britischen Königshaus, alleingelassen und hilflos, so habe Meghan ihre Zeit am Hof erlebt, erzählt sie im Interview mit der amerikanischen Talkshowmoderatorin Oprah Winfrey. Sie habe Selbstmordgedanken gehabt: "Ich wollte nicht mehr am Leben sein, das war ein sehr klarer, realer Gedanke", sagt sie.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Es habe sie viel Kraft gekostet, dies gegenüber ihrem Mann Harry einzugestehen, erzählt Meghan, denn dieser habe selbst schon so viel Leid im Leben gehabt. Dann sagt Meghan, dass sie versucht habe, Hilfe zu bekommen, doch diese sei ihr vom Königshaus verwehrt worden, weil es "für die Institution nicht gut" sei.

Rassismus auch im royalen Kreis

Es ist das erste gemeinsame Interview, in dem sich Harry und Meghan zu ihrem Rückzug aus dem britischen Königshaus und ihrem Umzug in die USA äußern. Beide wollen die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen.

Dass sie sich entschieden haben, ein anderes Leben zu führen, habe mit dem Druck der britischen Boulevardpresse zu tun, dem Rassismus, dem seine Frau Meghan begegnet sei - in den Medien, aber offenbar auch im eigenen royalen Kreis, meint Harry.

So erzählt Herzogin Meghan, dass es während ihrer Schwangerschaft mit ihrem Sohn Archie "Bedenken und Unterhaltungen darüber gegeben" habe, "wie dunkel seine Haut sein könnte, wenn er geboren wird". Wer diese Bedenken geäußert hat, darüber wollen weder Harry noch Meghan offen sprechen.

Keine finanzielle Unterstützung mehr

Grund zur Besorgnis sei auch gewesen, dass sich der Status der beiden ändern sollte, sodass weder Harry oder seine Familie Unterstützung für ihre Sicherheit bekommen. Vom Palast erhalte man zudem keine finanzielle Unterstützung mehr, erklärt Harry. Das Erbe seiner verstorbenen Mutter Diana habe sie durch die letzte Zeit gebracht.

Immer wieder betonen beide, dass das Verhältnis zur Queen gut sei - die Frage nach der Beziehung zu Harrys Vater Charles und seinem Bruder William beantwortet Harry nicht so positiv. Von seinem Vater sei Harry durchaus enttäuscht, habe er doch einst ähnliches durchgemacht. Beide beklagen, dass sie von der "Firma" oder "Institution", wie sie das Königshaus bezeichnen, insgesamt zu wenig Unterstützung erfahren hätten.

"It's a girl"

Zudem habe Harry das Gefühl gehabt, dass mit Argwohn betrachtet wurde, dass seine Frau einen guten Job gemacht habe während ihrer Australienreise - dies habe wohl an eine bestimmte Person erinnert - und spielt auf seine Mutter Diana an, die vor allem in der Bevölkerung beliebt gewesen ist.

Mittlerweile leben Harry, Meghan und Archie in Santa Barbara in Kalifornien. Hier wollen sie sich ein neues Leben aufbauen - unter anderem mit Einnahmen aus lukrativen Verträgen, die sie mit den Streamingplattformen Netflix und Spotify geschlossen haben.

Beide haben im Interview mit Oprah Winfrey auch erfreuliches zu vermelden: Im Sommer erwarten sie ein Mädchen. Der genaue Geburtstermin bleibt aber ein Geheimnis.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2021 um 09:00 Uhr.