Der türkische Oppositionspolitiker Kilicdaroglu ist bei der Beerdigung eines Soldaten von einem Mob angegriffen worden. | Bildquelle: AFP

Bei Beerdigung eines Soldaten Türkischer Oppositionsführer angegriffen

Stand: 22.04.2019 11:47 Uhr

Drei Wochen nach der Kommunalwahl in der Türkei ist Oppositionsführer Kilicdaroglu bei der Beerdigung eines Soldaten von einem Mob angegriffen worden. Sechs Verdächtige wurden festgenommen.

Der Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu, ist in der Provinz Ankara von einem Mob angegriffen worden. Auf Bildern des Senders CNN Türk ist zu sehen, wie ein Mann dem Politiker während eines Gerangels mit der Faust ins Gesicht schlägt.

Leibwächter versuchten, die aufgebrachten Männer zurückzudrängen. Nach Angaben von CNN Türk brachten sie Kilicdaroglu schließlich mit einem gepanzerten Fahrzeug aus dem Ort. Kilicdaroglu ließ später mitteilen, dass es ihm gut gehe.

Die Polizei nahm nach dem Angriff sechs Verdächtige fest, darunter auch ein Mitglied der regierenden AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der Hauptverdächtige wurde in der anatolischen Stadt Sivrihisar festgenommen und in die Hauptstadt Ankara gebracht, berichtete der türkische Fernsehsender NTV. Die AKP teilte mit, gegen das Parteimitglied sei ein Ausschlussverfahren eingeleitet worden.

"Gegen jede Form von Gewalt"

Parteisprecher Omer Celik schrieb auf Twitter, die AKP sei gegen jede Form von Gewalt. Sie "verstoße gegen die Grundsätze der Partei. In der "demokratischen Politik" sei für Gewalt "kein Platz".

Der türkische Oppositionspolitiker Kilicdaroglu ist bei der Beerdigung eines Soldaten von einem Mob angegriffen worden. | Bildquelle: AFP
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Sicherheitskräfte versuchten die Menge zu zerstreuen.

Beerdigung eines Soldaten

Der Vorfall ereignete sich auf der Beerdigung eines Soldaten. Er und drei weitere Militärs waren am Samstag bei Gefechten mit der als terroristisch eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe der irakischen Grenze ums Leben gekommen.

Präsident und AKP-Chef Recep Tayyip Erdogan hatte der CHP und drei weiteren Oppositionsparteien vor der Kommunalwahl vom 31. März vorgeworfen, mit der PKK zusammenzuarbeiten und deren Anhänger "in die Gemeinden zu schleusen".

Das Gouverneursamt erklärte, der Vorfall werde untersucht und Ermittlungen eingeleitet. Der Sprecher der Regierungspartei AKP, Ömer Celik, verurteilte die Tat auf Twitter.

Drei Wochen nach der Kommunalwahl

Die AKP hatte bei der Kommunalwahl vor drei Wochen die Hauptstadt Ankara und die Metropole Istanbul an die CHP verloren. In Istanbul wurde der CHP-Kandidat Ikrem Imamoglu vergangene Woche zum Bürgermeister erklärt. Die Entscheidung über einen Antrag der AKP auf Wahlwiederholung steht aber noch aus.

Stimmung in der Türkei bleibt angespannt - Attacken gegen CHP
Michael Lehmann, ARD Istanbul
21.04.2019 21:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. April 2019 um 18:30 Uhr.

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