Reisende in Schutzanzügen am Flughafen in Südkorea | EPA

Neue Virus-Variante Die Welt in Unsicherheit wegen Omikron

Stand: 29.11.2021 11:15 Uhr

Die neue Corona-Variante versetzt die Welt in Alarmbereitschaft: Die WHO stufte das globale Risiko durch Omikron als "sehr hoch" ein. Israel und Japan verhängten Einreiseverbote für Ausländer. Gleichzeitig warnte Südafrika vor Panik.

Von der neuen Coronavirus-Variante Omikron geht nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein weltweit insgesamt "sehr hohes" Risiko aus. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren globalen Ausbreitung sei groß, warnte die WHO in einem Schreiben an ihre 194 Mitgliedstaaten.

Es sei mit steigenden Covid-19-Fallzahlen zu rechnen. In einigen Gebieten drohten ernsthafte Folgen. Auch bei geimpften Personen dürfte es Infektionen und Covid-19-Erkrankungen geben, "wenn auch in einem kleinen und vorhersehbaren Verhältnis".

Die WHO rief dazu auf, das Impftempo bei Hochrisikogruppen zu beschleunigen und sicherzustellen, dass Pläne zur Eindämmung in Kraft seien, um wesentliche Teile des Gesundheitssystems aufrechtzuhalten. "Omikron hat eine beispiellose Anzahl von Spike-Mutationen, von denen einige wegen ihrer potenziellen Auswirkungen auf den Verlauf der Pandemie besorgniserregend sind", befand die WHO.

Um jedoch besser zu verstehen, warum die Variante das Potenzial habe, den Schutz durch Impfungen oder vorangegangene Infektionen zu umgehen, seien weitere Forschungen nötig.

Immer mehr bestätigte Fälle weltweit

Unterdessen wird die besorgniserregende Virusvariante in immer mehr Ländern nachgewiesen. So meldete Schottland sechs bestätigte Omikron-Fälle. Auffällig hierbei ist, dass nicht alle Infizierten sich zuvor auf Reisen befunden hätte, so die Behörden.

Das Gesundheitsministerium will nachverfolgen, zu wem die Betroffenen Kontakt hatten, um herauszufinden, woher das Virus kam. Die Gesamtzahl der bislang in Großbritannien bestätigten Infektionsfälle mit der neuen Variante stieg damit auf neun. Bestätigt wurden zudem auch Fälle aus Österreich und Kanada. Die Schweiz prüft einen Verdachtsfall.

Einen zweiten Omikron-Fall meldete Israel. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um eine geimpfte Frau, die aus Südafrika nach Israel zurückgekehrt sei. Sie sei in gutem Zustand. Das Gesundheitsministerium bemühe sich nun, Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Außerdem würden noch elf Verdachtsfälle einer Infektion mit der Omikron-Variante geprüft, berichtete die Zeitung "Haaretz". Die israelische Regierung hatte am Sonntag beschlossen, zur Eindämmung der neuen Variante die umstrittene Handy-Überwachung von Erkrankten wieder einzuführen.

Einreiseverbot in Israel und Japan

In der Nacht zum Montag traten in Israel außerdem neue Reisebeschränkungen in Kraft. Bis auf Weiteres müssen alle Personen, die aus einem beliebigen Land nach Israel zurückkehren - darunter auch geimpfte Israelis - bei der Einreise mindestens drei Tage lang isoliert werden. Für Ausländer gilt für zunächst zwei Wochen ein Einreiseverbot.

Auch Japan schloss zum Schutz vor der Omikron-Variante seine Grenzen für ausländische Staatsbürger. Ab Dienstag um Mitternacht sei Ausländern die Einreise verboten, kündigte Ministerpräsident Fumio Kishida an. Japaner, die aus bestimmten Ländern zurückkehrten, müssten in gesonderten Einrichtungen in Quarantäne, fügte er hinzu.

Südafrika kritisiert Reiserestriktionen

Südafrika, wo die Virus-Variante zuerst nachgewiesen worden war, protestierte gegen die in mehreren Ländern erlassenen Einreiseverbote für Menschen aus dem Süden Afrikas. Diese Maßnahmen seien keine Hilfe, sagt Gesundheitsminister Joe Phaahla auf einer Pressekonferenz. Er habe der US-Regierung erklärt, damit würden die Dinge schwieriger gemacht. Er kündigte eine Erklärung der Länder im südlichen Afrika auf der Weltgesundheitsversammlung an, in der die Einreiseverbote verurteilt werden.

Phaahla warnte zudem vor einer Panik wegen Omikron. Dafür gebe es keinen Grund, sagte er. Wissenschaftler versuchten festzustellen, ob die neue Variante des Coronavirus ansteckender als die bekannten sei und welche Vakzine einen schweren Krankheitsverlauf verhindern könnten. Es werde alles unternommen, damit das Gesundheitssystem auf Omikron vorbereitet sei.

Warnung vor Panikmache

Gleichzeitig erwartet der südafrikanische Virologe Salim Abdool Karim bis zum Ende der Woche einen Anstieg der landesweiten Corona-Infektionen um rund 10.000 neue Fälle. Doch auch er warnte vor Panik. Das Auftauchen der neuen Variante war nach seiner Ansicht kaum überraschend: "Wir hatten das erwartet - wir wussten nur nichts über das Wie und Wann", sagte er.

Die neue Omikron-Variante sei relativ einfach nachzuweisen und es gebe kaum Anlass, bisherige Behandlungsmethoden zu ändern. Auch wenn es fraglich bleibe, ob bisherige Impfstoffe nun genügend Schutz böten, dürfte er weiterhin hoch sein. Die frühe Entdeckung der Variante durch südafrikanische Experte sei somit kein Grund zu Überreaktionen wie Grenzschließungen, sagte Karim.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. November 2021 um 11:00 Uhr.