Sultan Kabus (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Omans Sultan Qabus Der stille Vermittler ist tot

Stand: 11.01.2020 13:02 Uhr

Sultan Qabus baute den Oman zu einem modernen Staat um. Bis zuletzt genoss er hohes Ansehen. Nun ist er gestorben. Sein Cousin als Nachfolger dürfte es schwer haben.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Fast fünf Jahrzehnte stand er an der Spitze seines Staates - länger als jeder andere Herrscher im Nahen Osten. Sultan Qabus bin Said al Said starb nun im Alter von 79 Jahren. Trotz seiner langen Herrschaft hat die Welt nur selten von ihm Notiz genommen.

Der Monarch zog lieber im Hintergrund die Fäden - und das sehr geschickt. In einer Region, die von Kriegen und Konflikten geprägt ist, blieben die Omaner von Unruhen weitgehend verschont.

Ein Übervater - aber mit Distanz zum Volk

Für viele seiner Untertanen war Sultan Qabus ein Übervater. Vor allem in seinen letzten Lebensjahren ist der Kult um ihm gewachsen - aber auch seine Distanz zum Volk. Ein Grund, warum es im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings auch in Oman Proteste gab. Mehr Arbeitsplätze und mehr Mitbestimmung forderten die Menschen in der Hauptstadt Maskat.

Der Sultan reagierte: Er entließ einige Minister, erhöhte die Gehälter, versprach politische Reformen. Nur wenige wurden davon umgesetzt - vielleicht auch, weil mit dem wachsenden Chaos in den arabischen Nachbarländern vielen Omanern die Lust auf weitere Proteste verging.

Qabus führte das Land in die Moderne

An die Macht kam Qabus 1970, als er seinen Vater in einem unblutigen Putsch vom Thron stürzte. Damals war Oman das am wenigsten entwickelte Land der arabischen Welt. Heute gehört das Sultanat zu den Staaten, die laut Weltentwicklungsbericht der Vereinten Nationen in den vergangenen Jahrzehnten die meisten Fortschritte gemacht haben. Darauf wies auch der Sultan immer wieder gerne hin, wie in einer Rede an die Nation 2014:  

"Wir loben Gott, den Allmächtigen, und danken ihm für das, was er uns ermöglicht hat. Dass wir diesen Weg zu einem modernen Staat mit großer Entschlossenheit weitergehen, der eine vielversprechende Zukunft mit Entwicklung und Fortschritt."

Bis Qabus an die Macht kam, war Oman so gut wie abgeschnitten von der Außenwelt. Allein in der Hauptstadt Maskat gab es einige wenige Kilometer asphaltierter Straße. Heute verfügt der Oman über ein Netz aus Straßen, das bis in den letzten Winkel reicht.

Massive Investitionen in Bildung

Auch in die Bildung wurde enorm investiert: 1970 gab es gerade einmal drei Schulen, heute steht den Omanern ein ausgefeiltes Bildungssystem offen - mit ungezählten öffentlichen und privaten Schulen und Dutzenden Universitäten.

Die rasante Entwicklung basiert vor allem auf der Erdölförderung, mit der in den 1960er -Jahren begonnen wurde. Weil die Ölreserven des Landes - gerade im Vergleich zum benachbarten Abu Dhabi - sehr begrenzt sind und allmählich zur Neige gehen, setzte Sultan Qabus auf alternative Einkommensquellen wie den Tourismus. Doch der wird die Einnahmen aus der Ölförderung nicht kompensieren können.

Außenpolitisch ging der Sultan, der an der britischen Militärakademie in Sandhurst ausgebildet wurde, eigene Wege: Auch nach der islamischen Revolution in Iran ließ er den Kontakt zu Teheran nicht abreißen, sondern spielte zeitweise sogar die Rolle eines Vermittlers zwischen den Mullahs und den USA.

Haitham bin Tarik, neuer Sultan von Oman. | Bildquelle: dpa
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Nachfolger von Qabus ist der Cousin des Monarchen, Haitham bin Tarik.

Schwere Zeiten für den Nachfolger

Nach fünf Jahrzehnten absoluter Herrschaft stehen dem Sultanat nun möglicherweise schwierige Zeiten bevor. Qabus' Cousin und Nachfolger Haitham bin Tarik al Said dürfte es nicht leicht haben. Er muss sich die Anerkennung des Volkes erst verdienen. Haitham versprach den Weg seines Vorgängers fortzusetzen. Zudem wolle er die Außenpolitik des Staates aufrechterhalten, die auf friedlichem Zusammenleben und freundschaftlichen Beziehungen zu allen Nationen aufgebaut sei.

Der stille Vermittler: Sultan Qabus von Oman ist gestorben
Anne Allmeling, ARD Kairo
11.01.2020 10:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2020 um 04:00 Uhr.

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