Das olympische Feuer ist in Japan eingetroffen. | Bildquelle: AFP

Trotz Sorgen um Corona-Absage Olympisches Feuer in Japan angekommen

Stand: 20.03.2020 10:33 Uhr

Das Olympische Feuer ist in Japan eingetroffen - ob die Spiele jedoch im Sommer durchgeführt werden können, bleibt unklar. Die Kritik am IOC, das über eine Verschiebung noch nicht reden will, nimmt zu.

Unter dem Eindruck der weltweiten Coronavirus-Pandemie ist in Japan die Olympische Flamme aus Griechenland für die Olympischen Spiele 2020 eingetroffen.

In einer kleiner als ursprünglich gedachten Zeremonie wurde das Olympische Feuer auf einem Militärstützpunkt im Nordosten der Hauptinsel Honshu in Empfang genommen. Wegen der Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus durften lediglich 200 daran teilnehmen.

Fackellauf ohne Menschenansammlungen

Der Nordosten Japans wurde 2011 von dem verheerenden Erdbeben und Tsunami besonders hart getroffen. Die Fackel soll in einem Staffellauf vom 26. März an durch die Präfekturen Fukushima mit dem zerstörten Atomkraftwerk, Miyagi und Iwate getragen werden. In vier Monaten soll sie Tokio erreichen.

Japanische Organisatoren riefen dazu auf, angesichts der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus Zurückhaltung zu üben - falls das nicht befolgt werde, müsse der Lauf beendet werden.

In Griechenland war der Fackellauf nach dem symbolischen Entzünden der Flamme am 12. März am zweiten Tag gestoppt worden, um große Menschenansammlungen zu vermeiden.

Bevölkerung ist skeptisch

Unsicher ist allerdings weiterhin, ob die Spiele überhaupt wie geplant beginnen können. Die japanischen Organisatoren, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) halten bislang an ihren Plänen fest, Olympia vom 24. Juli bis 9. August und die Paralympics von 25. August bis 6. September auszurichten.

Der Präsident des japanischen Organisationskomitees, Yoshihiro Mori, sagte, sein Team werde angesichts der Corona-Pandemie eng mit dem Internationalen Organisationskomitee (IOC), der japanischen Regierung und der Regierung der Tokioter Metropolregion zusammenarbeiten, um sichere Spiele zu gewährleisten.

Dem Optimismus der Organisatoren, dass die Olympischen Spiele stattfinden können, steht eine Skepsis der japanischen Öffentlichkeit gegenüber. In einer von der Nachrichtenagentur Kyodo veröffentlichten Umfrage sagten fast 70 Prozent der Befragten, sie glaubten nicht, dass die Spiele wie geplant beginnen.

Bach will noch nicht über Verschiebung reden

IOC-Präsident Thomas Bach spricht sich jedoch weiter gegen jegliche Art von Spekulationen über eine Verlegung aus. In einem Interview mit der "New York Times" sagte der Deutsche:

"Natürlich bedenken wir verschiedene Szenarien, aber im Gegensatz zu vielen anderen Sportverbänden oder Profi-Ligen sind wir noch viereinhalb Monate entfernt von den Spielen."

Weltweit seien Ligen optimistischer als das IOC, "weil sie ihre Veranstaltungen bis April oder Ende Mai verschoben haben. Wir sprechen über Ende Juli", sagte Bach.

IOC-Präsdident Thomas Bach | Bildquelle: AP
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IOC-Chef Bach will mit einer Entscheidung über eine Verlegung der Spiele noch abwarten.

Chancen sinken "von Tag zu Tag"

Unterstützung erhält Bach von Kanu-Verbandschef Thomas Konietzko. "Stellen Sie sich vor, was das für ein positives Zeichen für die Welt wäre, wenn es uns gelingt, die Olympischen Spiele als erste Veranstaltung nach dieser weltweiten Krise stattfinden zu lassen", sagte der Funktionär der Zeitung "Neues Deutschland".

Mit einem Erfolg von Olympia in Japan könne bewiesen werden, "was für eine verbindende Kraft Sport für eine Gesellschaft hat".

Es bestehe noch eine Chance, dass die Welt das Virus in den Griff bekomme. Eine Entscheidung über die Sommerspiele Ende April oder Anfang Mai sei möglich. Allerdings gab der 56-Jährige zu, die Chancen für eine Austragung der Tokio-Spiele würden "von Tag zu Tag" sinken.

Kritik von Athleten

Selbst wenn der Olympia-Eröffnungstermin zu halten ist, gibt es Probleme. Denn die meisten Qualifikations-Wettbewerbe sind derzeit abgesagt oder verschoben. Erst 55 Prozent der Athleten haben ihr Tokio-Ticket sicher, wie Bach zuletzt durchblicken ließ. Das IOC will daher Härtefall-Regeln zulassen.

Mittlerweile werden die Forderungen nach einer Absage oder einer Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio allerdings auch vonseiten der Athletinnen und Athleten immer lauter.

Der Verein Athleten Deutschland hatte nach einer Telefonkonferenz des IOC mit 220 Vertretern aus den Reihen der Sportler die sture Haltung der Olympia-Macher kritisiert.

"Die Bedingungen für die Qualifikation sind momentan katastrophal, wir wissen nichts, und die Athleten sind auf unterschiedlichen Leistungsniveaus. Eine Verschiebung der Spiele wäre sportlich die beste Lösung", sagte die Athletensprecherin des Deutschen Boxsport-Verbandes, Nadine Apetz, dem "Spiegel". Sie betonte: "Ich sehe nicht, dass Olympia stattfindet."

Rechteinhaber Discovery bleibt gelassen

Der amerikanische Medienkonzern Discovery mit seinem Tochter-Unternehmen Eurosport sieht die Unsicherheiten gelassen. "Da wir für alle Fälle abgesichert sind, erwarte ich keinen substanziellen Schaden für Discovery bei jeglichen Entscheidungen im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio", sagte Finanzvorstand Gunnar Wiedenfels der "Süddeutschen Zeitung".

Discovery setze die "operativen Vorbereitungen" fort und folgt "den Leitlinien des IOC", sagte Wiedenfels. Der Konzern hatte vor fünf Jahren die TV-Rechte an den Olympischen Sommer- und Winterspielen von 2018 bis 2024 für geschätzte 1,3 Milliarden Euro gekauft. ARD und ZDF erwarben später Sublizenzen, so dass in Deutschland bei Eurosport und den öffentlich-rechtlichen Sendern Bilder von den olympischen Wettbewerben gezeigt werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. März 2020 um 09:00 Uhr.

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