Sammlung Baillon wird versteigert

Oldtimer-Fund wird in Paris versteigert Delons Ferrari - entdeckt im Unkraut

Stand: 06.02.2015 12:16 Uhr

Es war ein Sensationsfund: 59 historische Sportwagen, versteckt in Scheunen, überwuchert vom Unkraut. Nun werden die Oldtimer versteigert. Allein ein Ferrari, der früher mal Alain Delon gehörte, soll zwölf Millionen Euro bringen.

Von Andreas Teska, ARD-Hörfunkstudio Paris

"Das war absolut einmalig. So etwas passiert einem ein einziges Mal im gesamten Berufsleben."

Andreas Teska ARD-Studio Paris

Matthieu Lamoure vom Auktionshaus Artcurial kann es immer noch nicht fassen, was er da im vorigen Herbst entdeckt hat. Er möge sich doch mal ein altes Auto anschauen kommen, einen Ferrari, hatte ein Anrufer gesagt. Also fuhr er hinaus auf ein Grundstück, das den Erben eines Unternehmers gehört - und kam sich "vor wie Indiana Jones. Es war, als hätte ich eine alte Galeone auf dem Meeresgrund entdeckt, oder eine Pyramide, oder die Grabkammer des Tutanachamun. Es war einzigartig.“

Was Lamoure mit seinem Kollege Pierre Novikoff entdeckte, das war ein verloren geglaubter Schatz - 59 Oldtimer, seit Jahrzehnten versteckt in Schuppen und Scheunen, verborgen unter Zeitungsstapeln, von Unkraut überwuchert. Genauso, wie Lamoure und Novikoff die Autos auffanden, werden sie jetzt in Paris der Weltöffentlichkeit präsentiert. Erstmals und zugleich letztmals.

 "Wir haben die Oldtimer transportiert wie Kunstwerke, wie Skulpturen. Wir haben sehr gut aufpasst, zum Beispiel, dass die Wagen keinen Regen abbekommen. Deswegen sind heute noch der Staub drauf und das Efeu, genau wie die Spinnen. Und in manchem Kofferraum finden sich noch die Bienennester", sagt Lamoure.

Die Familie hielt dicht, fast 20 Jahre lang

Die meisten Fahrzeuge sind in einem desolaten Zustand, kein Vergleich zu den auf Hochglanz polierten Modellen auf der Oldtimermesse gleich nebenan. Wer nichts von alten Autos versteht, könnte die Sammlung für einen überdachten Schrottplatz halten. Platte Reifen, fehlende Scheinwerfer, zerschlissene Verdecke, beschädigte Karosserien. Und trotzdem sollen die Wagen zusammen geschätzte 16 Millionen Euro wert sein.

Gesammelt hatte sie einst der Unternehmer und Autonarr Roger Baillon. Der wollte ursprünglich ein Museum errichten, kaufte über Jahrzehnte seine Kollektion zusammen, bis er pleiteging. Über 100 Wagen holte der Gerichtsvollzieher ab, den Rest versteckte Baillon auf seinem Anwesen. Die ganze Familie war zum Schweigen verdonnert und hielt sich dran, noch fast 20 Jahre nach seinem Tod - bis zum vergangenen Herbst.

Maserati, Bugatti, Delage, Talbot Lago - fast alle Luxusmarken des 20.Jahrhunderts sind vorhanden, eine derartige Versteigerung wird es wahrscheinlich nie wieder geben: "Es kommen Sammler aus Russland, aus Katar, aus Amerika, um das Recht zu erwerben, eines dieser Objekte zu restaurieren und dann zu besitzen wie ein Kunstwerk“, sagt Lamoure.

Es ist Delons Auto - nicht nur ein Auto, wie Delon es fuhr

Der laut Katalog teuerste Wagen ist ein Ferrari 250 GT California Spider, gebaut 1961 in extrem limitierter Auflage - und anders als die übrigens Wagen sehr gut erhalten. Fast sieht er so aus, als könne man gleich damit losfahren, selbst das Nummerschild hängt noch dran.

Das Cabrio gehörte übrigens mal Alain Delon. Das berühmte Foto zusammen mit Jane Fonda auf dem Beifahrersitz hängt im Großformat am Stand des Auktionshauses. Wer gerade mal zwölf Millionen Euro übrig hat, besitzt eine faire Chance, den dunkelblauen Schlitten zu ersteigern.

Dieser Beitrag lief am 06. Februar 2015 um 11:52 Uhr auf RBB Info.