Fußballprofi Mesut Özil | Bildquelle: dpa

Folge von Özil-Vorwurf? China streicht Arsenal-Übertragung

Stand: 15.12.2019 16:08 Uhr

Die Äußerung von Arsenal-Profi Özil zur Lage der Uiguren hat für Aufsehen gesorgt - möglicherweise auch in China. Dort wurde die Übertragung des Arsenal-Spiels offenbar kurzfristig aus dem Programm genommen.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Peking

Arsenal gegen Manchester City - ein hochklassiges Spiel in der Premier League, das auch in China viele Fußballinteressierte gerne live gesehen hätten. Stattdessen hat der Sportkanal des Staatsfernsehens, der einzelne Spiele überträgt, kurzfristig umgeplant: Gezeigt wird nun Wolverhampton gegen Tottenham - in der Wiederholung.

Arsenal gehört zu den englischen Klubs mit der größten Fangemeinde in China. Der Londoner Verein versucht seit Jahren, seine Popularität in dem Land mit Hunderten Millionen Fußballbegeisterten zu steigern. Und obwohl sich der Verein schnell distanzierte und für unpolitisch erklärte, könnte es die Meinung seines Spielers Mesut Özil gewesen sein, die zur spontanen Programmänderung im chinesischen Fernsehen führte.

Özil äußerte Kritik auf Social Media

Özil hatte kritisiert, muslimische Länder und ihre Medien würden sich zurückhalten, wenn es um die Uiguren geht, die in der chinesischen Provinz Xinjiang systematisch verfolgt werden. Auf Twitter und Instagram zeigte der deutsche Weltmeister einen Text auf hellblauem Grund mit weißem Halbmond und Stern - die inoffizielle Flagge von Ost-Turkestan, wie die uigurische Unabhängigkeitsbewegung ihr Land nennt. Dazu schrieb Özil auf Türkisch: "Korane werden verbrannt, Moscheen geschlossen, Gelehrte getötet."

Arsenal distanzierte sich umgehend von der "Privatmeinung" seines Spielers, und zwar auf Chinesisch im Kurznachrichtendienst Weibo. Dort gab es Reaktionen mit durchgestrichenen Özil-Bildern von Nutzern, die sich als "enttäuschte Fans" bezeichneten und die "unangemessenen" Äußerungen Özils kritisierten. Das entsprach dem Tenor der staatlichen Medien, die ähnlich lautende Meldungen in sozialen Netzwerken verbreiteten.

Arsenal mit Restaurantplänen in China

Englische Klubs drängen immer mehr auf den chinesischen Markt: Arsenal will eigentlich eine Restaurantkette in China eröffnen. Manchester United, der Klub mit der wahrscheinlich größten chinesischen Anhängerschaft, hat gerade erst eine Partnerschaft mit dem Internet-Handelskonzern Alibaba geschlossen, mit eigenem Online-Store und Videokanal, außerdem soll es Themenparks in mehreren chinesischen Großstädten geben.

Manchester United ist jedenfalls nicht von der Kontroverse um Özil betroffen: Anders als das Arsenal-Spiel sollte die Partie United gegen Everton wie geplant im staatlichen chinesischen Sportkanal übertragen werden.

Mesut Özil im Trikot seines Vereins FC Arsenal | Bildquelle: dpa
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Özils Arbeitgeber Arsenal will sich nicht zum Fall äußern.

Arsenal-Spiel in China gestrichen wegen Özil-Tweet
Markus Pfalzgraf, ARD Peking
15.12.2019 18:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 14. Dezember 2019 um 14:30 Uhr.

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