Heinz-Christian Strache spricht auf einer Pressekonferenz in Wien.  | Bildquelle: AP

FPÖ wirft Ex-Chef raus "Kapitel Strache ist endgültig geschlossen"

Stand: 13.12.2019 18:07 Uhr

Nach Negativschlagzeilen um das Ibiza-Video und eine Spendenaffäre hat die FPÖ den Schlussstrich gezogen und Strache ausgeschlossen. Dieser hat offenbar längst ein neues Projekt.

Die österreichische FPÖ hat ihren Ex-Chef Heinz-Christian Strache aus der Partei geworfen. Wie Parteichef Norbert Hofer mitteilte, folgte der Wiener Landesparteivorstand mit dem Rauswurf der einstimmigen Empfehlung eines Parteigerichts. Bereits Anfang Oktober suspendierte die Partei dessen Parteimitgliedschaft.

Strache war im Mai nach der Veröffentlichung eines Videos als Vizekanzler und Parteichef zurückgetreten. Das Video belastete ihn schwer. Darin ist zu sehen, wie der Ex-FPÖ-Chef versucht, dubiose Geschäfte mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte zu machen. Die 2017 auf Ibiza erstellten Aufnahmen lassen Strache anfällig für Korruption erscheinen. Letztlich zerbrach die gesamte rechtskonservative Koalition von Ex-Kanzler Sebastian Kurz an der Affäre.

"Für uns ist es eine Befreiung, weil damit Ibiza für uns Geschichte ist und wir damit in die Zukunft schauen können", sagte Hofer zum Parteiausschluss. Und der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp ergänzte: "Das Kapitel Strache ist endgültig geschlossen."

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Wenige Monate nach dem Ibiza-Skandal sorgte auch noch eine Spesenaffäre für neue Negativ-Schlagzeilen um Strache und die FPÖ. Der 50-Jährige soll sich über Jahre hinweg Parteigelder in die eigene Tasche gesteckt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue, Strache weist die Vorwürfe vehement zurück.

Auch Straches Rolle in einem umfangreichen Postengeschacher während der ÖVP-FPÖ-Regierung sorgte für weiteren Unmut in der Partei.

Konsequenzen für FPÖ

Sowohl bei der Nationalratswahl Ende September als auch bei zwei folgenden Landtagswahlen musste die FPÖ hohe Stimmenverluste hinnehmen. Eine Mitschuld daran wurde Strache, der 14 Jahre lang Chef der rechtspopulistischen Partei war, zugeschrieben.

Strache zog sich nach der Nationalratswahl zwar aus der Politik zurück, präsentierte sich aber auch weiterhin als Opfer einer kriminellen Intrige. Vor allem seine Beiträge auf Facebook sorgten immer wieder für Unruhe. Zuletzt bot er sich auf diese Weise selbst an, um die FPÖ als Landesparteichef in die Wien-Wahl 2020 zu führen.

Mögliches Polit-Comeback in neuer Partei?

In den vergangenen Wochen wurde in Österreich immer wieder über ein Comeback noch vor den Landtagswahlen in Wien spekuliert. Eine neue Plattform dafür gibt es bereits: Drei Strache nahestehende Wiener Landtagsabgeordnete spalteten sich gestern von der FPÖ ab und gründeten "Die Allianz für Österreich" (DAÖ). Ihr erklärtes Ziel: Strache soll als Spitzenkandidat der DAÖ bei der Wien-Wahl im Jahr 2020 antreten.

In der FPÖ nahm man dies ebenfalls zur Kenntnis: Es sei bekannt, dass Strache in den vergangenen Wochen Finanziers für ein neues Projekt gesucht habe und mit diesem Thema auch an mehrere Politiker herangetreten sei, sagte Nepp.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2019 um 17:00 Uhr.

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