Tewhid-Moschee in der Murlingengasse in Meidling | Bildquelle: AFP

Nach Anschlag in Wien Österreich schließt zwei Moscheen

Stand: 06.11.2020 17:19 Uhr

Die österreichische Regierung hat zwei Moscheen geschlossen, in denen sich der Attentäter von Wien radikalisiert haben soll. Dort sollen sich auch andere Islamisten aufgehalten haben.

Nach dem islamistischen Anschlag in Wien hat die österreichische Regierung die Schließung mehrerer radikalislamischer Moscheen angeordnet. Das sei nach einem Krisentreffen von Integrationsministerin Susanne Raab mit dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, angeordnet worden, hieß es laut österreichischen Medienberichten.

Konkret geht es um einen Verein in den Wiener Stadtteilen Ottakring und eine Moschee in Meidling. Der am Montagabend von der Polizei erschossene Attentäter war in den Moscheen den Angaben zufolge aktiv und dürfte sich dort auch radikalisiert haben. Es gehe um den Entzug der Rechtsstellung sowie um die Auflösung von Vereinen.

Schließung im Interesse der öffentlichen Sicherheit

Das Kultusamt sei am Donnerstag vom Innenministerium in Kenntnis gesetzt worden, dass der Attentäter immer wieder zwei Gebetsräume in Wien besucht habe, berichtete Raab. Einer davon, die Tewhid-Moschee in der Murlingengasse in Meidling, sei 2016 von der IGGÖ als Gemeinde eingerichtet worden. Die umgehende Schließung erfolge im Interesse der öffentlichen Sicherheit, da die im Islamgesetz von 2015 geforderte "positive Grundeinstellung gegenüber Gesellschaft und Staat" nicht bestehe.

Eine weitere Einrichtung, die Melit-Ibrahim-Moschee in Wien-Ottakring, untersteht laut Raab nicht der IGGÖ. In diesem Fall wurde ein Auflösungsverfahren nach dem Vereinsgesetz eingeleitet. Auch dieser Verein habe laut Verfassungsschutz die Radikalisierung des Attentäters begünstigt. Dort sollen sich unter anderem auch der Islamist Mohamed M. sowie der als IS-Terrorist zu neun Jahren Haft verurteilte Lorenz K. regelmäßig aufgehalten haben.

Razzien in Deutschland

Auch in Deutschland gehen die Behörden gegen Islamisten vor. Wie das Bundeskriminalamt mitteilte, durchsuchten Beamte im Auftrag des Generalbundesanwalts die Wohnungen und Geschäftsräume von vier Personen in Osnabrück, Kassel und im Kreis Pinneberg bei Hamburg. Sie sollen in Kontakt mit dem Attentäter gestanden haben.

In Wien hatte am Montagabend ein 20-jähriger Islamist auf Barbesucher und Restaurantangestellte geschossen und dabei vier Menschen getötet, darunter eine Deutsche. Der Angreifer verletzte zudem 22 weitere Menschen, bevor er von Polizisten erschossen wurde. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Anschlag für sich. 

Österreichischer Innenminister Nehammer räumt weitere Fehler ein
Clemens Verenkotte, ARD Wien
06.11.2020 17:08 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2020 um 17:00 Uhr.

Darstellung: