Ein Polizeiauto fährt durch eine Einkaufsstraße in Österreich (Archivbild). | dpa

Lockdown und Impfpflicht Österreich macht dicht

Stand: 19.11.2021 13:50 Uhr

Wegen hoher Corona-Zahlen gilt in Österreich ab Montag ein landesweiter Lockdown. "Wir müssen den Realitäten ins Auge schauen," sagte Kanzler Schallenberg. Im Februar soll eine Impfpflicht folgen.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Österreich geht angesichts hoher Infektionszahlen ab Montag in einen landesweiten Lockdown. Ab dem 1. Februar soll zudem eine generelle Impfpflicht eingeführt werden. Darauf einigten sich Österreichs Bundesregierung mit den Bundesländern.

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

Nach zehn Tagen solle die Maßnahme überprüft und über das weitere Vorgehen entschieden werden. Ab spätestens 13. Dezember sei der Lockdown für Geimpfte und Genesene vorbei, sagte Österreichs Kanzler Alexander Schallenberg. Dann soll wieder die 2G-Regel gelten.

"Wir müssen den Realitäten ins Auge schauen," sagte Schallenberg mit Blick auf die zu niedrige Impfquote und die dramatische Lage in den Krankenhäusern. Bislang hätte man geglaubt, dass es keinen bundesweiten Lockdown auch für Geimpfte geben dürfe und die bisherigen Maßnahmen ausreichen würden.

Schallenberg: "Ein Attentat auf unser Gesundheitsystem"

"Lange, vielleicht zu lange, bin ich und auch andere davon ausgegangen, dass es möglich sein muss, Menschen in Österreich zu überzeugen, zu überzeugen, dass sie sich freiwillig impfen lassen, zu überzeugen, dass sie dies zu ihrem eigenen Schutz, zum Schutz ihrer Mitmenschen, ihrer Liebenden, ihrer Freunde, ihrer Arbeitskollegen tun."

Schallenberg, der zu Beginn dieser Woche noch strikt einen generellen Lockdown abgelehnt hatte, machte für die vergleichsweise niedrige Impfquote in Österreich von derzeit knapp 64 Prozent unter anderem die innenpolitischen Kräfte verantwortlich, die gegen die Impfungen eintreten.

Ohne die rechtspopulistische FPÖ beim Namen zu nennen, sagte der Bundeskanzler: "Wir haben zu viele politische Kräfte auch in diesem Land, die ganz vehement und massiv und öffentlich dagegen ankämpfen." Und das sei verantwortungslos. "Das ist eigentlich ein Attentat auf unser Gesundheitssystem. Und aufgestachelt von diesen radikalen Impfgegnern, von fadenscheinigen Fake News, haben sich leider zu viele unter uns nicht impfen lassen“, so Schallenberg.

Nur in Ausnahmefällen das Haus verlassen

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein von den Grünen entschuldigte sich für das von Öffentlichkeit und Medien in Österreich als Kommunikations-Wirrwarr empfundene Erscheinungsbild der Bundesregierung. Da sei man "an mancher Stelle hinter unserem Anspruch zurückgeblieben."

Während des Lockdowns dürften die Menschen nur noch aus dringend notwendigen Gründen das Haus verlassen, erklärte Mückstein. Dazu zählte die Abwendung von Gefahr und Leben und Eigentum, Deckung der notwendigen Grundbedürfnisse, berufliche Zwecke und Ausbildungszwecke, Aufenthalt im Freien zur körperlichen und psychischen Erholung und für unaufschiebbare behördliche und gerichtliche Wege.

Wo immer es möglich ist, solle auf Home Office umgestellt werden. In allen geschlossenen Räumen gelte ab Montag die FFP2-Maskenpflicht, sagte Mückstein.

Ludwig: "Es wird viel Kritik geben"

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hob hervor, dass es nunmehr einen Schulterschluss zwischen Bund und Länder gebe. Man habe solidarisch mit den besonders hart getroffenen Bundesländern Salzburg und Oberösterreich sein müssen. Niemandem sei die Entscheidungen leichtgefallen, aber die Politik müsse eben auch unpopuläre Maßnahmen ergreifen, so der Wiener Bürgermeister:

"Wir werden keinen Schönheitspreis bekommen und es wird viel Kritik geben. Dass wir aber bereit sind, diese Kritik auf uns zu nehmen, um die Gesundheit und das Leben von Menschen zu retten und zu sichern", sagte Ludwig.

Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei fast 1000

Österreichs Intensivmediziner begrüßten in einer ersten Stellungnahme den landesweiten Lockdown: Es sei wirklich höchste Zeit für eine "Vollbremsung". Sie komme allerdings "zu spät."

Österreich kämpft wie viele europäische Länder derzeit gegen eine heftige Corona-Welle mit immer neuen Höchstwerten bei den Neuinfektionen. Am Donnerstag hatten die Behörden den Rekordwert von 15.145 Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt in Österreich knapp 1000 und seit mehr als einer Woche werden täglich mehr als 10.000 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. November 2021 um 12:00 Uhr.