Österreich geht wieder in den Corona-bedingten Teil-Lockdown. | AFP

Coronavirus-Pandemie Österreich geht wieder in den Lockdown

Stand: 17.11.2020 02:21 Uhr

Österreich geht heute Corona-bedingt wieder in den Lockdown. In der Bevölkerung stoßen die Maßnahmen auf Verständnis. Doch gerade für den Einzelhandel sind sie eine Katastrophe.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Mit dem Einkaufsbummel durch die Innenstädte ist es vorerst nun wieder vorbei. In Wiens Shoppingstraßen nutzten gestern viele noch einmal die letzte Gelegenheit.

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

Angesichts der hohen Infektionszahlen, die sich in den letzten Tagen leicht abgeschwächt haben und derzeit bei rund 4300 pro Tag liegen, sowie einer bereits 50-prozentigen Auslastung der Intensivbetten, gebe es für Österreich nur diese eine Chance, versichert Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Ein Argument, das vor allem bei älteren Menschen auf Verständnis stößt.

Ich finde es wichtig, dass man alles tut, dass viele Menschen gesund bleiben, und ich nütze diese Zeit eigentlich so, um einzukehren nach innen. Es ist eigentlich eine gute Zeit.

Ein notwendiges Übel

Die deutliche Verringerung der sozialen Kontakte - und damit die Verringerung der Infektionsgefahr - das sei für sie nichts Neues, sagt diese junge Frau aus Oberösterreich. Auch nicht die jetzt geltenden verschärften Kontaktregeln, wonach nur der Einzelne Menschen eines anderen Haushalts treffen oder besuchen dürfe?  

Ich muss ehrlich sagen, ich habe die Maßnahmen, so wie sie jetzt sind, schon eingehalten. Ich lebe auf dem Land, und für mich macht es keinen Unterschied. Ich werde jetzt in der Wohnung sein und Renovierungsarbeiten machen und mich ein bisschen einigeln. Für mich ist das kein Problem eigentlich. Ich finde es gut, das muss jetzt sein.

Die Covid-19-Notmaßnahmenverordnung der Regierung, die nun bis zum 6. Dezember gilt, sieht die weitgehende Schließung des öffentlichen Lebens vor: Kein Unterricht mehr in Schulen und Kindergärten, Arbeitnehmer sollen, wie fern es nur geht, im Homeoffice bleiben. Offen bleiben nur noch Lebensmittelläden, Drogerien, Banken, Post, Trafiken, Tankstellen, Kfz-Werkstätten und Weinläden.

Schwere Zeiten für den Handel

Auf den Handel kommen, trotz der in Aussicht gestellten staatlichen Hilfsmaßnahmen, wieder schwere Zeiten zu. Ingrid Geyer-Fritz steht in ihrem kleinen Geschenkeladen im Wiener 13. Bezirk und blickt auf ihr Weihnachtssortiment. Treue Kunden hätten ihr Mut machen wollen.

Am Samstag und heute - das war irrsinnig nett. Da habe ich so richtig gemerkt, dass einige Leute kommen und mir wirklich Zuspruch geben, also sagen: 'Halten Sie durch.' Aber es ist für mich persönlich eine Katastrophe.

Bis zuletzt habe sie gehofft, dass die Regierung die kleinen Läden vom Lockdown verschonen würde.

Immer mit der Keule im Nacken, ja vielleicht sperren wir auf, vielleicht aber doch nicht, wenn wir nicht brav sind, ist einfach ein Horror.

Zuspruch versucht Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu spenden: Der harte Lockdown sei jetzt leider notwendig, um die Pandemie einzudämmen. Die Lage sei kritisch, aber noch zu bewältigen. "Wir gehen gemeinsam in diesen Lockdown und wir kommen gemeinsam auch wieder heraus."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. November 2020 um 09:00 Uhr.