Norbert Hofer | Bildquelle: dpa

Stichwahl in Österreich Der FPÖ-Kandidat, der kein Rechtspopulist sein will

Stand: 08.09.2016 09:52 Uhr

Am 2. Oktober wird in Österreich per Stichwahl ein neuer Präsident gewählt. Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ gibt sich im Interview ungewohnt zahm, zielt ganz klar auf die politische Mitte. Seine Message: Er sei Patriot und kein Nationalist.

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Wien

Sieht er sich selbst als Rechtspopulist? Nein, sagt Norbert Hofer: "Mir gefällt diese Bezeichnung ganz und gar nicht, weil ein Populist jemand ist, der schaut, was denken die Bürger, und genau das dann nachmacht." Wenn jemand wirklich populär werden wolle, dann müsse er seine Linie finden, so Hofer. Und dann müsse er die Menschen davon überzeugen, dass seine Linie richtig ist. "Ein Populist muss permanent seine Meinung ändern", erklärt Hofer. "Wir sehen es jetzt auch in Österreich: Das, was wir noch gesagt haben vor einem Jahr, was wir als vernünftig erachtet haben in der Asyl- und Zuwanderungspolitik, wurde sehr, sehr stark kritisiert - und ist jetzt Linie der Regierungsparteien."

"Ich bin Patriot, kein Nationalist"

Norbert Hofer hat gezögert, dieses ARD-Interview zu geben - aus seiner Sicht wird in Deutschland über die FPÖ oft zu negativ berichtet, und eigentlich will er sich im Wahlkampf ganz auf Österreich konzentrieren. Doch dann nimmt er sich eineinhalb Stunden Zeit - und betont: auch als Nationalist sieht er sich nicht:

"Ich bin Patriot - und das ist der große Unterschied. Ein Nationalist sagt: Mein Land ist das Beste und alle anderen sind bei weitem nicht so gut. Ein Patriot sagt: Ich bin stolz auf mein Land, und auch andere Länder sind ganz toll und hervorragend und mindestens genauso gut wie mein Land."

Sein Parteichef, Heinz-Christian Strache, war einer der ersten, der der AfD zum Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern gratuliert hat. Norbert Hofer kritisiert Angela Merkels Flüchtlingspolitik vergleichsweise vorsichtig: "Ich glaube, dass die Politik des 'Wir schaffen das' in Wirklichkeit nicht funktioniert hat. Denn wer sind 'wir'? Das sind immer die Bürger, die das schaffen müssen. Und man muss auch unterscheiden zwischen jenen, die echte Asylwerber sind und jenen, die in wirtschaftlichen Bereichen Hilfe suchen."

EU: Kritik ja, Austritt nein

Von anderen Rechtsaußen-Parteien in Europa versucht sich Hofer abzugrenzen, etwa von Marine Le Pens Front National in Frankreich: "Es gibt diese Zusammenarbeit in der Europäischen Union mit den Partnerparteien, die wir haben. Das heißt aber nicht, dass wir in allen Bereichen identisch sind. Die FPÖ ist eine langsam gewachsene Partei, die auch schon Krisen gehabt hat, Streit gehabt hat. Die FPÖ hat ihre Linie gefunden."

In einigen Bereichen sei die Partei "etwas reifer" geworden. "Wenn ich die Politik in der Europäischen Union betrachte, dann sind wir eine EU-kritische Partei, die will, dass sich die Union anders weiter entwickelt, als subsidiäre Union, aber wir wollen nicht austreten."

FPÖ-Präsidentschaftsbewerber Norbert Hofer | Bildquelle: dpa
galerie

"Österreich braucht Sicherheit" - einer von Hofers Wahlkampfslogans

"Öxit" nur im Extremfall

Also keine Rede mehr von einem "Öxit"-Referendum in Österreich? Nur im Extremfall, sagt Hofer, falls die Türkei eines Tages der EU beitritt oder sich die EU zum zentralistischen Superstaat entwickelt. Auch zu einer möglichen Entlassung der Regierung in Österreich, falls er Präsident wird, sagt Hofer: "Das ist nur in einem Extremfall, also wenn zum Beispiel eine Regierung Maßnahmen setzt, die Österreich schwersten Schaden zufügen, Recht und Verfassung bricht. Alles das wird in Österreich nicht eintreten."

Hofer gibt sich sanft, vermeidet jede Schärfe

Hofer vermeidet jede Schärfe, gibt sich noch sanfter als vor der ersten Präsidenten-Stichwahl, macht klar, das er im neuen Wahlkampf gegen Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen ganz auf die Mitte zielt. "Die FPÖ ist eine Partei, die in Sicherheitsfragen rechts steht, in sozialpolitischen Fragen stehen wir links. Und wir sind wirtschaftsliberal."

Und der Vorwurf der Hetze, den auch der österreichische Kanzler Christian Kern gegen die FPÖ erhebt? "Als wir unsere Flüchtlingspolitik vorgestellt haben, gab es den Vorwurf der Hetze. Und jetzt hat Kern genau diese Positionen übernommen. Man könnte jetzt sagen, er wäre ein Linkspopulist, ja, aber ich gehe nicht so weit. Man muss sehr vorsichtig sein. Wir haben jetzt in Österreich 600.000 Muslime, und es sind sehr viele neu dazu gekommen." Viele dieser Muslime hätten sich sehr gut eingelebt in Österreich und seien "sehr, sehr wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft", sagt Hofer. "Es gibt aber auch einen Rand, der extrem ist, wo wir wissen, das könnte uns in Zukunft Sorgen machen. Und auch das muss man offen ansprechen können."

Wenn er Präsident wird, will Norbert Hofer möglichst schnell Deutschland besuchen - auch wenn er sich der Skepsis in Berlin bewusst ist: "Ich hoffe, dass ich durch den direkten Kontakt und die enge Zusammenarbeit diese Skepsis auch ausräumen kann."

Ein ARD-Interview mit Hofers Gegenkandidat, Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, folgt Ende kommender Woche.

Über dieses Thema berichten die tagesthemen am 08. September 2016 um 22:15 Uhr

Darstellung: