Der Tanker Hankuk Chemi" | TASNIM NEWS AGENCY HANDOUT/EPA-E

Nach Tanker-Festsetzung Südkorea bestellt iranischen Botschafter ein

Stand: 05.01.2021 12:46 Uhr

Zuerst setzte der Iran einen südkoreanischen Tanker wegen angeblicher Meeresverschmutzung fest. Nun hat Südkorea den iranischen Botschafter einbestellt und gegen das Vorgehen protestiert. In dem Streit geht es auch um US-Sanktionen.

Wegen der Festsetzung eines unter südkoreanischer Flagge fahrenden Tankers durch den Iran hat Südkorea den iranischen Botschafter einbestellt. Der Leiter des Büros für Afrika und den Nahen Osten, Koh Kyung Sok, habe bei dem Treffen in Seoul mit Botschafter Saeed Badamchi Shabestari sein Bedauern über den Zwischenfall geäußert und eine frühe Freigabe des Schiffes und die Freilassung der Besatzungsmitglieder gefordert, berichteten südkoreanische Sender und die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Die Besatzung sei sicher und gesund, sagte der Botschafter den Berichten zufolge vor Beginn des Treffens.

Vorwurf der Meeresverschmutzung

Die iranischen Revolutionsgarden hatten den Chemikalien- und Ölprodukte-Tanker "Hankuk Chemi" zuvor im Persischen Golf unter dem Vorwurf der Meeresverschmutzung festgesetzt. Der Tanker habe mit seiner Ethanol-Ladung die Gewässer im Persischen Golf verschmutzt und sei daher von der Küstenwache der iranischen Revolutionsgarden in die Hafenstadt Bandar Abbas geleitet worden, teilten die Revolutionsgarden nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna mit. Der Schiffsbetreiber "DM Shipping" im südkoreanischen Busan wies alle Vorwürfe laut Yonhap zurück.

Der Tanker sei auf dem Weg von Dschubail in Saudi-Arabien nach Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen, als iranische Kräfte zunächst erklärt hätten, sie wollten ihn kontrollieren, sagte ein Mitarbeiter der Eigentümerfirma "DM Shipping". Als der Kapitän Rücksprache mit Südkorea gehalten habe, hätten Bewaffnete das Schiff gestürmt.

Crew-Mitglieder festgenommen

Die Crew-Mitglieder des Tankers, die aus Indonesien, Myanmar und Vietnam stammten, seien festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft von Bandar Abbas werde gegen das Schiff juristische Schritte einleiten und die Ergebnisse demnächst bekanntgeben, teilten die Revolutionsgarden mit.

Nach Angaben des Schiffsbetreibers habe die Revolutionsgarde den Kapitän aufgefordert, für eine nicht näher erläuterte Untersuchung in iranische Hoheitsgewässer zu fahren. Das Unternehmen habe inzwischen keinen Kontakt mehr zum Kapitän. Sicherheitskameras an Bord seien abgeschaltet worden. Inzwischen sei ein Piratenalarm eingegangen.

Streit um rund sieben Milliarden Dollar

Hintergrund der Aktion könnten Verhandlungen über iranische Guthaben in Höhe von etwa sieben Milliarden US-Dollar sein, die aus Öl-Einnahmen stammen und von südkoreanischen Banken auf Druck der US-Regierung eingefroren wurden. Die iranische Zentralbank hatte jüngst erklärt, der Iran wolle bei einer Bank in Südkorea eingefrorene Gelder nutzen, um Corona-Impfstoff zu kaufen.

Unterdessen wies der Iran die Kritik an der Beschlagnahme des Tankers zurück. Wenn irgendjemand als Geiselnehmer bezeichnet werden müsse, dann sei das Südkorea, das unter einem unsinnigen Vorwand mehr als sieben Milliarden Dollar iranisches Geld als Geisel genommen habe, sagte Regierungssprecher Ali Rabiei.

Anti-Piraten-Einheit losgeschickt

Mit der Beschlagnahme des Tankers will der Iran möglicherweise den Druck auf Südkorea erhöhen. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, es habe eine Anti-Piraten-Einheit an die Straße von Hormus geschickt. Dabei handle es sich um einen Zerstörer mit etwa 300 Mann Besatzung. Das Außenministerium verlangte die Freigabe des Tankers und erklärte, die Besatzung sei sicher.

Teheran fordert, dass die Konten freigegeben werden. Südkoreas Außenministerium will Vizeaußenminister Choi Jong Kun in den Iran schicken, um über die Forderungen Teherans zu sprechen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2021 um 09:00 Uhr.