Ölleck in israelischer Wüste

Umweltkatastrophe in Israel Millionen Liter Öl verseuchen die Wüste

Stand: 04.12.2014 17:52 Uhr

Öl aus einem Pipeline-Leck hat im Süden Israels kilometerweit die Landschaft verseucht. Das Umweltministerium sprach von Millionen Litern Öl, die in der Nacht ausgelaufen seien. Es handele sich um eine der schlimmsten Umweltkatastrophen des Landes.

Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Schwarze Bäche ziehen sich über den hellbraunen Wüstenboden. Die israelische Naturschutzbehörde lieferte von der Umweltkatastrophe erste Luftaufnahmen, die zunächst an ein Flussdelta erinnern. Aber es ist tiefschwarzes Rohöl, das sich in Schrittgeschwindigkeit seinen Weg sucht.

Christian Wagner ARD-Studio Tel Aviv

Guy Sammet von der israelischen Naturschutzbehörde erklärt: "Das ist eine gravierende Verschmutzung. Wir sprechen von drei Millionen Litern Rohöl, die in das Naturschutzgebiet der Evrona-Quelle geflossen sind. Alles, was unterhalb liegt, ist betroffen. Das Öl dringt nicht tief ein, aber das Gebiet ist sehr groß."

Über sieben bis acht Kilometer erstrecke sich das verseuchte Gebiet. Dankbar stellen die Einsatzkräfte fest, dass es momentan nicht regnet, das Rohöl also nicht tiefer in den Boden gewaschen wird.

Verletzte durch giftige Dämpfe

Die giftigen Dämpfe sind das erste Problem, das die Arbeiter und Anwohner in der dünn besiedelten Region trifft. Drei Personen mussten in Israel ins Krankenhaus, auf der jordanischen Seiten der Grenze sollen es rund 80 Menschen sein, die über Atemwegsprobleme klagen. In einigen Bereichen der jordanischen Küstenstadt Akaba wurden die Menschen aufgefordert, nicht nach draußen zu gehen.

Schwarze Ölbäche, die die Wüstenlandschaft nahe des Dorfes Beer Ora unweit der Großstadt Eilat durchziehen

Die Luftaufnahmen der israelischen Naturschutzbehörde zeigen schwarze Ölbäche entlang einer Straße...

Schwarze Ölbäche, die die Wüstenlandschaft nahe des Dorfes Beer Ora unweit der Großstadt Eilat durchziehen

...und in Senken in der Wüste. Insgesamt ist das Gebiet auf sieben bis acht Kilometer Länge verseucht.

Das größere Problem allerdings ist der Umweltschaden in der Arava und das Naturschutzgebiet Evrona: Rund zwölf Stunden nach dem Austreten des Öls kann man sicher noch nicht alles überblicken, aber der Wissenschaftler Jehoshua Shkedi von der Naturpark-Behörde sagt, es sei katastrophal: "Millionen Liter Rohöl ergießen sich in das Naturschutzgebiet und zerstören ein Juwel, gefährden ein ganzes ökologisches System mitsamt seinen Lebewesen. Bäume werden eingehen. Es wird viele Jahre dauern, bis sich das hier erholt."

Die Aufräumarbeiten dauern Monate - mindestens

Monate oder gar Jahre werden auch die Aufräumarbeiten dauern. Momentan wird Öl abgepumpt, das verseuchte Erdreich soll ausgebaggert werden.

Die Pipeline ging in den 1960er-Jahren in Betrieb. Zunächst - bis zum Bruch der israelisch-iranischen Beziehungen 1979 - wurde Rohöl aus dem Iran für den europäischen Markt in Richtung Mittelmeer durch die Wüste gepumpt. Seitdem wird die Pipeline genutzt, um Öl von Eilat nach Aschkelon zu leiten. Das Leck entstand in der vergangenen Nacht offenbar bei Wartungsarbeiten. Nötig waren diese Arbeiten, weil in der Nähe der Flughafen Timna ausgebaut werden soll.

Karte von Israel mit den Städten Jerusalem und Eilat im Süden.

In der Nähe von Eilat im Süden Israels sind Millionen Liter Rohöl in die Wüste gelaufen.

Eine Information war den zuständigen Behörden ganz wichtig: Es handle sich in keinem Fall um Sabotage oder eine Attacke - in Israel und dem besetzten Westjordanland ist das oft der erste Gedanke. Erst vor rund drei Jahren waren in der Negev-Wüste, ebenfalls im Süden Israels, große Mengen Kerosin ausgetreten. Im Naturschutzgebiet Nahal Zin sprach man damals auch von einer ökologischen Katastrophe.

Dieser Beitrag lief am 04. Dezember 2014 um 14:22 Uhr auf Inforadio.

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KOMMENTARE

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Fahrenheit 04.12.2014 • 19:53 Uhr

19:40 von DoJo

gern!