Abdullah Öcalan hört am 29.06.1999 vor einem Militärgericht auf der Gefängnisinsel Imrali (Türkei) die Urteilsverkündung

Kurdenführer Öcalan Erster Anwaltsbesuch seit acht Jahren

Stand: 06.05.2019 17:32 Uhr

In fast völliger Isolation verbüßt Kurdenführer Öcalan eine lebenslange Haftstrafe. Die türkische Regierung untersagte jeden Kontakt zur Außenwelt. Nach acht Jahren durften ihn nun seine Verteidiger besuchen.

Der inhaftierte Kurdenchef Abdullah Öcalan hat nach acht Jahren wieder Besuch von seinen Anwälten erhalten. Zwei Verteidiger hätten Öcalan am 2. Mai im Gefängnis auf der Insel Imrali getroffen, erklärten die Juristen in Istanbul. Vier Verteidiger hätten um eine Erlaubnis gebeten, nur zwei von ihnen sei der Besuch erlaubt worden. Das Gespräch habe etwa eine Stunde gedauert, sagte sein Anwalt Rezan Sarica. 

Zwei Jahrzehnte in Isolation

Der Gründer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbüßt seit 20 Jahren in fast völliger Isolation auf der Gefängnisinsel Imrali nahe Istanbul eine lebenslange Freiheitsstrafe. Öcalan war 1999 festgenommen und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt worden. 2002 wurde seine Strafe in lebenslange Haft umgewandelt. 

Öcalan war 1978 einer der Mitgründer der PKK. Damals wollte die Partei noch Autonomie für die Kurden in der Türkei erringen. 1984 nahm sie dann den bewaffneten Kampf für einen unabhängigen Kurdenstaat auf. In der Folge wurden mehr als 40.000 Menschen getötet. Die türkische Regierung und ihre westlichen Verbündeten betrachten die PKK als Terrororganisation.

300 Häftlinge protestierten für Öcalan

Nach dem versuchten Militärputsch im Juli 2016 in der Türkei hatte die Regierung alle Besuche bei Öcalan auf Imrali verboten. Erst nachdem die Abgeordnete Leyla Güven von der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) und mehr als 300 weitere Häftlinge aus Protest gegen Öcalans Isolation in den Hungerstreik getreten waren, durfte dessen Bruder Mehmet ihn Mitte Januar besuchen.

PKK-Chef Öcalan trifft nach acht Jahren seine Anwälte
Karin Senz, ARD Istanbul
06.05.2019 19:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2019 um 16:00 Uhr.

Darstellung: