Das Rettungsschiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen "Ocean Viking" | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge "Ocean Viking" darf in Italien anlegen

Stand: 29.10.2019 16:48 Uhr

Sie wartete seit gut zehn Tagen mit Flüchtlingen an Bord auf einen Hafen: Nun hat Italien der "Ocean Viking" das Anlegen erlaubt. Innenminister Seehofer will über einen Verhaltenskodex für NGO-Schiffe reden.

Italien hat dem Rettungsschiff "Ocean Viking" die Anlandung erlaubt. Die insgesamt rund 100 Migranten sollen in die sizilianische Stadt Pozzallo gebracht werden. Frankreich, Deutschland und Italien hätten eine Abmachung zur Verteilung der Menschen gefunden, erklärte Ärzte ohne Grenzen auf Twitter. Die "Ocean Viking" hatte die Menschen am 18. Oktober an Bord genommen. Darunter waren zehn Frauen, zwei von ihnen schwanger, und 40 Minderjährige, darunter zwei Babys.

"Wir sind erleichtert und begrüßen, dass Frankreich, Deutschland und Italien endlich eine Lösung gefunden haben", sagte der Missionsleiter von Ärzte ohne Grenzen, Michael Fark. Die medizinische Hilfsorganisation betreibt die "Ocean Viking" zusammen mit SOS Méditerranée. Allerdings sei es nicht akzeptabel, die Menschen so lange auf See ausharren zu lassen, während die europäischen Länder diskutierten, ob sie ihre humanitären und gesetzlichen Verpflichtungen wahrnehmen oder nicht, betonte Fark.

Von Schlauchboot gerettet

Unklar ist weiter das Schicksal der Flüchtlinge an Bord der "Alan Kurdi". Ärzte ohne Grenzen korrigierte eine eigene Meldung, dass es auch in diesem Fall zu einer Einigung gekommen sei. Die "Alan Kurdi", die von der Organisation Sea-Eye betrieben wird, hatte am Samstag 90 Menschen aus Seenot gerettet und war dabei nach eigenen Angaben massiv von libyschen Einsatzkräften bedroht worden. Eine schwangere Frau, die Blut verlor, konnte wegen unklarer Zuständigkeiten zwischen Malta und Italien erst mit Verzögerung evakuiert werden.

Seehofer will "Verhaltenskodex"

Immer wieder müssen private Seenotretter tagelang auf einen Hafen für die von ihnen geretteten Flüchtlinge warten. Bundesinnenminister Horst Seehofer will in Zukunft Absprachen mit Seenotrettungsorganisationen treffen. Er strebe "einen Verhaltenskodex an", sagte er bei einem Treffen der G6-Innenminister. "Die NGOs erfüllen eine wichtige Funktion, wenn es um die akute Seenotrettung geht. Aber ich finde, zum Verhaltenskodex gehört auch, dass sie nicht indirekt das Geschäft der Schleuser besorgen", sagte Seehofer. Letztere seien "skrupellose Menschen".

Ende September hatten sich Deutschland, Frankreich, Italien und Malta auf eine Übergangslösung zur Verteilung auf dem Mittelmeer geretteter Migranten geeinigt. Diese sollte verhindern, dass die Menschen wie bislang teils für Wochen auf Rettungsschiffen festsitzen, bevor diese anlegen dürfen.

"Ocean Viking" darf italienischen Hafen anlaufen
Elisabeth Pongratz, BR
29.10.2019 19:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Oktober 2019 um 16:45 Uhr.

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