Das Rettungsschiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen "Ocean Viking" | picture alliance/dpa/SOS Mediter

"Ocean Viking" im Mittelmeer Zwischenfall mit Küstenwache bei Rettungsaktion

Stand: 02.07.2021 14:57 Uhr

Die "Ocean Viking" hat im Mittelmeer 44 Menschen aus Seenot gerettet. Die Migranten seien aus zwei Holzbooten an Bord geholt worden. Laut der Hilfsorganisation hatte die libysche Küstenwache die Rettungsaktion gestört.

Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee hat im zentralen Mittelmeer mehr als 40 Menschen aus Seenot gerettet. Die Crew der "Ocean Viking" habe die Bootsmigranten bei zwei Einsätzen in maltesischen Gewässern aufgegriffen, teilte die Organisation mit. Unter den Geretteten seien 15 Minderjährige und fünf Frauen, von denen eine schwanger sei, hieß es weiter. Die beiden Boote seien womöglich zwei Tage lang auf dem Meer getrieben.

Flüchtlingsboot wurde fast gerammt

Laut Berichten der Organisation störte ein Patrouillenboot der libyschen Küstenwache die erste der beiden Rettungsaktionen. Das Schiff verfolgte das mit Migranten besetzte Boot in der maltesischen Such- und Rettungszone.

Die Organisation Sea-Watch verbreitete in den sozialen Medien ein Video, auf dem ein kleines, mit mehreren Menschen besetztes Boot zu sehen ist, das von einem größeren Schiff verfolgt wird. Sea-Watch nahm das Video von dem Vorfall im Mittelmeer nach eigenen Angaben aus ihrem Flugzeug "Seabird" auf. Dabei seien Schüsse in Richtung des Bootes abgegeben und die Geflohenen mit Gegenständen beworfen worfen. Zudem sei mehrmals versucht worden, das Boot zu rammen.

EU will Vorfall untersuchen

Der Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sagte, man kenne die Aufnahmen und die EU werde den Vorfall untersuchen. Eine Zusammenarbeit zwischen der Union und Libyen wird vor allem von Nichtregierungsorganisationen heftig kritisiert. Im Mandat der EU-Mission "Irini" ist vorgesehen, dass die EU die libysche Küstenwache bei der Ausbildung unterstützt.

Auch libysche Küstenwache will reagieren

Die libysche Küstenwache verurteilte die Tat laut einem Bericht des "Libya Observer" und will demnach rechtliche Schritte gegen die Patrouille einleiten.

Immer wieder fangen die libysche und die tunesische Küstenwache Bootsmigranten ab, die von den Küsten der Länder in Booten Richtung Europa ablegen. Hilfsorganisationen kritisieren das, weil nach ihren Angaben den Menschen etwa im Krisenland Libyen Gewalt droht. Bei den gefährlichen Überfahrten geraten die Menschen mitunter in Seenot und verlieren ihr Leben. In diesem Jahr starben nach UN-Angaben mehr als 720 Migranten im zentralen Mittelmeer.