Das Rettungsschiff der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen "Ocean Viking" | picture alliance/dpa/SOS Mediter

370 Flüchtlinge an Bord "Ocean Viking" darf Sizilien anlaufen

Stand: 24.01.2021 21:44 Uhr

Die Crew der "Ocean Viking" suchte in den vergangenen 24 Stunden verzweifelt nach einem sicheren Hafen. Nun darf das Rettungsschiff 370 Flüchtlinge nach Sizilien bringen. Unter ihnen sind viele Minderjährige.

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" darf mit 373 Migranten den Hafen Augusta in Sizilien anlaufen. Das teilte die Betreiberorganisation SOS Méditerranée auf Twitter mit. Die "Ocean Viking" werde am Montagmorgen dort ankommen.

Italien habe der Crew den Hafen in der Nähe von Syrakus zugewiesen. Die italienische Küstenwache war für eine Bestätigung zunächst nicht erreichbar.

21 Säuglinge an Bord

Die Crew der "Ocean Viking" hatte bei vier Einsätzen am Donnerstag und Freitag rund 370 Flüchtlinge vor Libyens Küste aus Seenot gerettet. Die Menschen stammen aus Guinea, Mali, Kamerun, der Elfenbeinküste, dem Sudan und Sierra Leone. Unter ihnen seien 21 Säuglinge und zwei schwangere Frauen sowie 131 unbegleitete Minderjährige, berichtete SOS Méditerranée.

Wegen schlechten Wetters hatte die Besatzung zunächst die libysche Küstenwache gebeten, die Menschen in Sicherheit zu bringen. Nachdem diese nicht reagierte, bat sie die beiden nächstgelegenen EU-Staaten Malta und Italien um Hilfe. Die "Ocean Viking" war nach monatelanger Pause am 11. Januar vom französischen Hafen Marseille ins zentrale Mittelmeer ausgelaufen.

Bereits 80 Menschen ertrunken

Laut UN-Angaben sind seit Anfang des Jahres mindestens 80 Menschen im zentralen Mittelmeer ertrunken. Zuletzt seien etwa 17 Bootsmigranten gestorben und Dutzende Überlebende zurück nach Libyen gebracht worden. 

Libyen hat sich zu einem der wichtigsten Transitgebiete für Migranten auf dem Weg nach Europa entwickelt. Viele wollen über Italien nach Europa einreisen. Nach offiziellen Zahlen starben 2020 mehr als 1200 Menschen bei dem Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Januar 2021 um 22:00 Uhr.