Barack Obama steht mit seiner Schwester und Jugendlichen vor einem Schild. | Bildquelle: REUTERS

Obama in Kenia "Diesmal komme ich als Bruder"

Stand: 16.07.2018 22:13 Uhr

Mit Gesang und Tanz hat Ex-US-Präsident Obama an der Eröffnung eines Jugendzentrums seiner Schwester Auma in Kenia teilgenommen. Doch allzu volksnah gab sich Obama dann doch nicht.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

"Obama kommt!", skandieren Tausende Menschen in den Straßen des sonst so verschlafenen Örtchens Kogelo in Westkenia. "Macht die Straße frei!" Seine Fans schwenken amerikanische Flaggen und hoffen darauf, einen Blick auf den ehemaligen US-Präsidenten zu erhaschen. "Wir sind so glücklich, dass unser geliebter Bruder zurück ist", sagt einer. "Wir warten auf ihn, damit wir ihn willkommen heißen können."

Sie können den hohen Besuch allerdings nur im Auto vorbeifahren sehen. Obama nahm sich eine Stunde Zeit für ein privates Frühstück mit seiner Familie und war dann nur für geladene Gäste aus der Nähe zu sehen. Kinder johlen begeistert, als Barack Obama ein paar Sekunden lang tanzt - mit seiner Großmutter und seiner Halbschwester.

Erinnerung an ersten Besuch mit 27

Der ehemalige US-Präsident war nach Kenia gekommen, um ein Sport- und Ausbildungszentrum der Sauti-Kuu-Stiftung von Auma Obama zu eröffnen. "Es ist gut, wieder hier zu sein", sagt er nach seiner Begrüßung auf sehr amerikanisch klingendem Kisuaheli. Er erinnere sich noch an seinen ersten Besuch im Land seines Vaters mit 27, als er seine Schwester nach ihren Träumen gefragt habe.

"Mein Problem ist, ich habe zu viele Träume", zitiert er seine Schwester mit mildem Spott. Einer davon habe sich mit dem Ausbildungszentrum erfüllt. Dort sollen Kinder und Jugendliche Fähigkeiten lernen, mit denen sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen können.

"Ich will nicht, dass meine Gemeinde betteln gehen muss", erklärt Auma Obama. Sie habe eine Menge Ärger gekriegt, weil die Leute gesagt haben, sie nenne Luos - Angehörige der nikotischsprachigen Ethnie in Kenia - Bettler. "Das tue ich nicht", so Obamas Halbschwester. "Ich sage den Luos, dass wir anfangen müssen, uns um uns selbst zu kümmern."

Barack Obama mit Großmutter und Halbschwester im Heimatdorf seines Vaters | Bildquelle: AFP
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Der ehemalige US-Präsident Barack Obama ist zum ersten Mal seit Ende seiner Amtszeit nach Afrika gereist. Er stattete auch dem Geburtsort seines Vaters, Kogolo im Westen Kenias, einen Besuch ab. Dort traf er seine Stiefgroßmutter Sarah und weihte ein Sport- und Trainingszentrum ein, das seine Halbschwester Auma (rechts) gegründet hat.

"Arbeit meiner Schwester wichtig"

Es ist das erste Mal seit dem Ende seiner Amtszeit, dass Barack Obama nach Kenia kommt - wie er es 2015 bei seinem offiziellen Staatsbesuch versprochen hatte. "Diesmal komme ich als Bruder, als Weltbürger und als jemand mit einer Verbindung nach Afrika", sagt er. "Ich komme, um darüber zu sprechen, wie wichtig die Arbeit meiner Schwester ist."

Von der Jugend und ihren Chancen hänge die Zukunft Kenias und des gesamten Kontinents ab, fügt er hinzu. Persönlich treffen wollte er diese Jugend allerdings nicht. Barack Obama verließ das Jugendzentrum durch die Hintertür, während seine Fans vergeblich auf ihn warten. Er sei gekommen, um Obama mit seinen eigenen Augen zu sehen, sagt einer von ihnen. "Aber wir Normalbürger dürfen da nicht mal rein. Ich fühle mich schlecht und traurig. Ich fahre jetzt einfach zurück."

"Ich komme als Bruder, als Weltbürger" - Obama in Kenia
Linda Staude, ARD Nairobi
16.07.2018 16:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2018 um 23:44 Uhr.

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