Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Vorwürfe wegen sexueller Belästigung Trump wehrt sich mit allen Mitteln

Stand: 14.10.2016 11:18 Uhr

Immer mehr Frauen werfen Donald Trump vor, sie sexuell belästigt zu haben. Der US-Präsidentschaftskandidat hält die Vorwürfe für eine Schmutzkampagne des Clinton-Lagers und droht mit einer Klage. Gegen eines der mutmaßlichen Opfer stichelte er direkt.

Wurden aus Donald Trumps sexuellen Prahlereien konkrete Übergriffe? Diese Frage wird derzeit in den USA diskutiert. Denn inzwischen haben sich mehrere Frauen gemeldet, die Trump sexuell belästigt haben soll.

Zwei der Fälle dokumentierte die "New York Times". Dass die Zeitung Jessica Leeds und Rachel Crooks zu Wort kommen ließ, bringt den US-Präsidentschaftskandidaten in Rage: Als "Verleumdung und Schmähung" und "konzertierte, koordinierte und bösartige" Kampagne bezeichnete Trump den Bericht. Dahinter stecke - wie überraschend - die "Clinton-Maschine". Bei einem Auftritt in West Palm Beach bestritt der Republikaner, die ihn belastenden Frauen überhaupt zu kennen. Er habe keine der Frauen jemals getroffen, sagte Trump vor seinen Anhängern.

"New York Times" reagiert gelassen auf Klagedrohung

Sein Anwalt Marc Kasowitz drohte mit einer Klage gegen die "New York Times" und verlangte in einem Schreiben die Löschung des Artikels und eine umfassende Entschuldigung.

Eine Vorlage, die sich die Zeitungsmacher nicht nehmen ließen: Die "New York Times" habe getan, "was das Gesetz erlaubt: Wir haben nachrichtlich relevante Informationen über ein Thema von großem öffentlichen Interesse publiziert", schrieb der Vizechef der Zeitung, David McCraw, als Antwort an den Trump-Anwalt. Wenn Trump anderer Meinung sei und meine, US-Bürger hätten kein Recht darauf zu hören, was diese Frauen zu sagen haben, und wenn er meine, seine Kritiker müssten "still sein oder bestraft werden", dann begrüße die Zeitung "die Gelegenheit, dass ein Gericht ihn eines Besseren belehrt".

Meister der Drohung

Doch bis zu einem Gerichtstermin wird es wahrscheinlich nicht kommen. Aufzeichnungen der Nachrichtenagentur Reuters zeigen, dass Trump in den vergangenen Jahren immer wieder mit Klagen gegen Zeitungen gedroht hat, diese dann jedoch fast nie einreichte. Unter anderem habe der Republikaner gegen das "Wall Street Journal", die "New York Post" und das "Fortune Magazine" ähnliche Vorwürfe erhoben. Das letzte Mal, dass Trump eine Nachrichtenredaktion wegen Verleumdung verklagt hat, ist 32 Jahre her. Damals verlor er den Prozess.

Die Medienrechtsgruppe Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) warnte, ein Wahlsieg Trumps wäre eine "Gefahr für die Pressefreiheit" in den USA. Der Vorstand des CPJ verabschiedete eine Resolution, in der es heißt, Trump sei eine "nie dagewesene Gefahr für die Rechte von Journalisten und die Fähigkeit des CPJ, sich für die Pressefreiheit weltweit einzusetzen".

Stoynoff-Belästigung? "I don't think so"

Eine der Frauen, die Trump der sexuellen Belästigung beschuldigen, wird nun außerdem von Trumps Frau Melania angegriffen. Sie drohte der ehemaligen "People"-Reporterin Natasha Stoynoff mit einer Klage, weil diese in einem Artikel eine zufällige Begegnung der beiden beschreibe, die niemals stattgefunden habe. Die von Stoynoff geäußerten Vorwürfe bestritt Trumps dritte Ehefrau jedoch nicht.

Stoynoff hatte zuvor Trump beschuldigt, sie 2005 sexuell belästigt zu haben. Der Vorfall habe sich in Trumps Haus abgespielt. Als sie mit ihm allein in einem Zimmer gewesen sei, "drängte er mich an die Wand und presste seine Zunge in meinen Hals", schrieb Stoynoff.

Michelle Obama: "Grausame" Einstellung gegenüber Frauen

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in West Palm Beach widersprach Trump dem Vorwurf und implizierte dabei, dass Stoynoff nicht attraktiv genug für ihn gewesen sei. "Look at her and look at her words", sagte er. "You tell me what you think. I don't think so."

First Lady Michelle Obama warf Trump eine "grausame" und "Furcht einflößende" Einstellung gegenüber Frauen vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2016 um 08:00 Uhr

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