Die New Yorker Stonewall Inn-Bar. | Bildquelle: REUTERS

50 Jahre nach "Stonewall"-Razzia New Yorker Polizei entschuldigt sich

Stand: 07.06.2019 03:04 Uhr

Die Krawalle in der Schwulenbar "Stonewall Inn" vor 50 Jahren waren ein Wendepunkt im Kampf um die Gleichberechtigung. Nun hat sich der New Yorker Polizeichef für das Vorgehen des NYPD damals entschuldigt.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Als in der Nacht des 28. Juni die Polizeisirenen heulten, da war etwas Unglaubliches passiert. Begonnen hatte es nur mit einer weiteren Razzia. Gerade einmal sechs Polizisten waren es, die sich wieder einmal die Bar "Stonewall Inn" vorknöpften, ein beliebter Treffpunkt für Schwule und Drag Queens. Doch diesmal war es das eine Mal zu viel, erinnert sich "Stonewall Inn"-Barkeeper Tree Sequoia, heute 80 Jahre alt.

"Wir hörten noch die Drag Queen Gypsy rufen - fasst mich nicht an, mein Mann ist auch ein Bulle. Wir konnten schließlich nach draußen flüchten. Da waren dann 25, 30 Leute. 50. 100. 150. Und dann fingen wir an, Steine und Flaschen zu werfen und Polizeiwagen zu schütteln. Und wir brachen das Schloss an einem Gefangenentransporter auf und alle kamen heraus."

Die damaligen Krawalle vor nun fast genau 50 Jahren gelten als Wendepunkt für den Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung. New York feiert die Ereignisse einen ganzen Monat lang beim sogenannten World Pride. Und eigentlich soll es bei der Pressekonferenz des New Yorker Polizeichefs um Sicherheitsmaßnahmen gehen. Darum, wie die Polizei diese Feiern schützen wird.

Entschuldigung beim Sicherheitsbriefing

Doch Polizeichef James O’Neill belässt es nicht bei einem reinen Sicherheitsbriefing. "Ich glaube es wäre unverantwortlich für mich, nur über den World-Pride-Monat zu reden. Nicht aber über die Ereignisse im "Stonewall Inn" im Juni 1969", so O'Neill.

Was damals passiert sei, hätte nicht passieren dürfen, so der New Yorker Polizeichef.

"Was die New Yorker Polizei damals getan hat, war falsch, schlicht und einfach. Die Maßnahmen und die Gesetze waren diskriminierend und unterdrückend. Dafür entschuldige ich mich."

Noch 2017 hatte O’Neill eine Entschuldigung abgelehnt. Genauso wie sein Vorgänger William Bratton 2016. Das sei nicht notwendig, hatte der erklärt. Aus der schrecklichen Erfahrung von damals sei so viel Gutes erwachsen - das solle man doch lieber feiern.

Ein anderes Leben

Barkeeper Tree Sequoia erinnert sich an sein Leben vor 50 Jahren. An die schrecklichen Erfahrungen, die über Razzien weit hinausgingen.

"1969 hatten wir nichts. Absolut nichts. Wenn jemand dich nicht mochte und deinen Chef anrief, konntest du gefeuert werden. Konntest deine Wohnung verlieren, deine Eltern würden dich hinauswerfen. Die Veränderungen seitdem sind verblüffend. Denn nach der Rebellion von 1969 dachten wir noch: das war es jetzt."

Was damals geschehen sei, so versichert der Polizeichef, sei heute für die New Yorker Polizei undenkbar.

New Yorks Polizeichef entschuldigt sich für Razzia im Stonewall Inn
Kai Clement, ARD New York
06.06.2019 23:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2019 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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