Notre Dame Vogelperspektive | Bildquelle: AP

Nach Brand der Kathedrale Ein "Regenschirm" für Notre-Dame

Stand: 19.04.2019 20:52 Uhr

Der verheerende Brand hat Notre-Dame schwer beschädigt - nun gilt es, weitere Zerstörungen zu verhindern. Eine große Plane soll die Kathedrale vor Regen schützen.

Ein großer Schirm soll die schwer beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame vor Wasser schützen. Dabei handele es sich um eine gewaltige Plane, die über dem Gebäude angebracht werde, sagte die Präsidentin der Architektenvereinigung für historische Gebäude, Charlotte Hubert, dem Sender BFM TV.

Der Grund: In der kommenden Woche erwarten die Meteorologen Gewitter. Das Gebäude soll mit einer Plane mit der Form eines Spitzdaches wasserfest gemacht werden. Die Konstruktion müsse größer sein als das ursprüngliche Dach, damit die Handwerker darunter arbeiten können, so die Expertin.

Noch mehr Schäden durch Regen

Bereits das Löschwasser hat in der Kathedrale großen Schaden angerichtet. Regen könnte das Gebäude weiter beschädigen. Kulturminister Franck Riester erklärte, dass es besonders gefährlich wäre, wenn sich Wasser auf dem Dach der Kathedrale ansammeln würde. Das erhöhe die Einsturzgefahr, warnte er.

Inzwischen werden zudem die riesigen Ölgemälde, die in der Kathedrale hingen, abtransportiert. Diese hätten wohl eher einen Rauch- als einen Brandschaden erlitten, sagte Riester. Sie sollen nun ins Louvre-Museum gebracht werden. Die Kathedrale musste erst abgesichert werden, bevor der Kunst-Transport beginnen konnte.

Notre Dame Vogelperspektive Loch | Bildquelle: AP
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Bereits das Löschwasser hat in der Kathedrale großen Schaden angerichtet. Regen könnte das Gebäude noch mehr beschädigen.

Warnung vor giftigen Abfällen

Der französische Umweltschutzverein "Robin des Bois" warnte vor giftigen Abfällen in der Kirche. Diese seien zum Beispiel auf das Schmelzen von Blei in der Turmabdeckung und auf dem Dach während des Brandes zurückzuführen. Die Bewohner des betroffenen Gebiets könnten mehrere Monate oder gar Jahre Bleistaub einatmen.

Unklar ist weiterhin, was das Feuer ausgelöst hatte. Zu Medienberichten, wonach der Brand durch einen Kurzschluss ausgelöst wurde, erklärte die Staatsanwaltschaft, dass "derzeit keine Hypothese ausgeschlossen" werde. Ermittler gehen von einem Unfall aus. Die Anhörungen von Zeugen werden fortgesetzt, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Unter ihnen sind Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren.

Nach Notre-Dame-Feuer

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat wegen falscher Spendenaufrufe für den Wiederaufbau von Notre-Dame eine Untersuchung eingeleitet. Ermittelt werde wegen organisierten Bandenbetrugs, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zuvor hatte die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine Anzeige erstattet, weil Unbekannte in ihrem Namen Spenden sammeln würden.
Die Staatsanwaltschaft rief zur Wachsamkeit auf. Unbekannte würden versuchen, per E-Mail und Telefon Spenden einzutreiben und ihre Opfer dazu aufrufen, das Geld per Überweisung auf ihr Bankkonto zu überweisen.

"Gelbwesten" protestieren gegen Spenden

Unterdessen werden erneute "Gelbwesten"-Proteste erwartet. Die Anhänger der Bewegung kritisieren auch das große Spendenaufkommen für den Wiederaufbau der Kirche. Nach dem Feuer hatten französische Milliardärsfamilien immense Summen versprochen. "Was Notre-Dame betrifft, so ist es gut, dass die Milliardäre eine Milliarde Euro finden konnten, aber 140.000 Obdachlose, das interessiert niemanden", heißt es in einem Facebook-Aufruf.

Für das Osterwochenende haben einige Führungspersonen der zersplitterten Bewegung zu Protesten aufgerufen und mobilisiert. "Wieder einmal ist die Bedrohung ernst und erfordert verstärkte Maßnahmen", sagte Innenminister Christophe Castaner und kündigte ein großes Sicherheitsaufgebot an.

Die "Gelbwesten" demonstrieren seit Mitte November gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron und eine als zu niedrig empfundene Kaufkraft. Macron wollte am Montag eigentliche Maßnahmen verkünden, um das politische Klima zu beruhigen. Er sagte seine TV-Ansprache aber wegen des Brandes ab.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 19. April 2019 um 19:30 Uhr in den Nachrichten.

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