Die Kathedrale Notre Dame brennt. | Bildquelle: AFP

Presseschau zu Notre-Dame "Ein inneres Beben"

Stand: 16.04.2019 11:14 Uhr

Die Flammen sind gelöscht, das Entsetzen ist weiter groß. Weltweit schreiben die Tageszeitungen über den Brand von Notre-Dame. Auch in 100 Jahren werde man noch davon sprechen. Notre-Dame werde aber wieder "auferstehen".

Medien weltweit haben mit großem Entsetzen auf den schweren Brand in der Pariser Kathedrale von Notre-Dame reagiert.

So schreibt die konservative Pariser Tageszeitung "Le Figaro": "Notre-Dame ist untrennbar mit der Geschichte Frankreichs verbunden. In das kollektive Gedächtnis haben sich die großen Stunden der Nation eingegraben: königliche Hochzeiten, Reden, die Krönung Napoleons und das Te Deum des Sieges von 1945 (...). Dieses Meisterwerk im Herzen von Paris hat Kriege und Plünderungen erlebt. Aber niemals hat die Kathedrale eine Widrigkeit solchen Ausmaßes erlitten, niemals ist sie durch ein so spektakuläres Feuer zerstört worden. Die Ergriffenheit ist gewaltig".

Und die "New York Times" kommentiert: "Der Brand kommt nicht lange nach anderen großen Schocks für Paris, darunter das Seine-Hochwasser im vergangenen Jahr und die Terroranschläge 2015. In seiner Rede an die Nation beschrieb Mister Macron das, was Pariser jetzt fühlen, als "tremblement intérieur" - ein inneres Beben. Das ist eine akkurate Beschreibung unseres Gefühls für Leere und Verlust.

Zudem gibt es angesichts des beträchtlichen Schadens eine geteilte Trauer und Enttäuschung, dass wir als eine Zivilisation daran gescheitert sind, die Aufpasser für etwas Unbezahlbares zu sein. In hundert Jahren werden die Menschen noch immer vom Feuer 2019 sprechen."

"Paris wird dies überleben"

Deutlich optimistischer schreibt der "Guardian": "Notre-Dame wird wieder auferstehen. Paris wird dies überleben, wie es schon so vieles andere überlebt hat. Und Frankreich wird zusammenrücken. Doch die traumatischen Folgen dessen, was der französischen Lebensweise in der Osterwoche 2019 in Paris angetan wurde, können nicht einfach so abgetan werden.

Dem Selbstvertrauen einer Stadt, einer Nation, einer Kultur, eines ganzen Kontinents wurde ein Schlag versetzt. Dieser schreckliche Brand ist kein Ereignis, das bagatellisiert oder banalisiert werden sollte. Wie dumm es doch in einem Moment wie diesem erscheint, so zu tun, als wären wir nicht alle Europäer. In Frankreichs Stunde des Kummers stehen wir an seiner Seite. Und wir werden uns niemals abwenden."

"Als wäre sie ein Lebewesen"

Und die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" kommentiert: "Notre-Dame ist nicht nur ein Symbol der Christenheit und der französischen Geschichte. Sie ist kein isoliertes Gebäude, keine einfache Touristenattraktion (...). Die Kathedrale ist Teil der Stadt (...).

Und "De Standaard" aus Brüssel schreibt: "Wenn die Flammen gelöscht sind, wird es eine Untersuchung geben, um alle offenen Fragen zu beantworten. Wie konnte das passieren? Wer war unvorsichtig? War es ein einfacher Kurzschluss? Gab es keine Sprinkleranlagen? Warum ist die Feuerwehr nicht schneller zur Stelle gewesen? Gab es genügend Feuerlöschsysteme, um mit einem Brand dieser Größenordnung fertig zu werden?

Vielleicht gibt es zufriedenstellende Antworten, vielleicht aber auch nicht. Wir werden dann nach den Namen derjenigen suchen, die möglicherweise geschlampt haben. Den sprichwörtlichen Sündenböcken. Vielleicht werden Entlassungen folgen, Geldbußen, Strafen. Vielleicht aber auch nicht."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. April 2019 um 12:00 Uhr.

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