Die Kathedrale Notre-Dame nach dem Brand | Bildquelle: AFP

Notre-Dame Ein Brand und viele offene Fragen

Stand: 15.05.2019 13:24 Uhr

Einen Monat nach dem Brand von Notre-Dame gibt es noch viele Fragezeichen. Die Brandursache ist ebenso unklar wie der tatsächliche Zustand der Kirche - und die Pläne zum Wiederaufbau sind umstritten.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Es ist eine langwierige und komplizierte Arbeit, die Ermittler und Experten in der Kathedrale von Notre-Dame leisten. Nachdem sie Zeugen des Brandes befragt haben, nachdem sie Bilder und Videos der brennenden Kathedrale ausgewertet haben, versuchen sie nun zu rekonstruieren, wie genau sich das Feuer ausbreitete.

Mit einem Bericht zur Brandursache rechnen die Ermittler frühestens in einem Monat. Ebenso unklar wie die Ursache des Feuers ist auch der tatsächliche Zustand der mehr als 800 Jahre alten Kirche. "Die ersten Expertisen werden erstellt", sagt Christophe Rousselot von der Stiftung Notre Dame. Sensoren seien an den ausgebrannten Säulen angebracht worden. "Ob die Kathedrale tatsächlich stabil ist, muss noch geklärt werden. Von daher kann niemand sagen, wie lange die Aufbauarbeiten dauern werden."

Der Zutritt der Kathedrale ist nur Experten vorbehalten. Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, die die deutschen Hilfen zum Wiederaufbau der Kathedrale koordiniert, konnte sich Ende April ein eigenes Bild der Lage machen. "Zwei der Stützpfeiler im Inneren sind so ausgeglüht, dass die Schale völlig bröselig ist - wie Zucker", sagt sie. "Und die sind schon gestützt. Aber der Architekt Philippe Villeneuve gibt auch zu, dass sie nicht wissen, ob die Gewölbe, die noch da oben sind, wirklich da oben bleiben."

Umstrittenes Gesetz zum Wiederaufbau

Dass die Kathedrale in fünf Jahren tatsächlich wieder komplett aufgebaut sein wird, sieht Schock-Werner kritisch. So schnell wie möglich - das ist das Ziel der französischen Regierung. Daher hat die Nationalversammlung ein Gesetz abgenickt, dass beim Wiederaufbau auch gegen Regeln des Denkmalschutzes verstoßen werden darf. Das Gesetz muss nun noch durch den Senat und wird von vielen Seiten heftig kritisiert.

Anne Brugnera, Berichterstatterin für das Gesetz im französischen Parlament, mahnt allerdings zur Ruhe. Wie der Aufbau vonstatten gehen könnte, sei noch überhaupt nicht klar. Nun sei erst einmal mit den Absicherungsarbeiten begonnen worden. Noch könne niemand in das Hauptschiff der Kirche. "Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis wir wissen, was gemacht werden muss und was die Wiederaufbauarbeiten kosten werden."

Rund eine Milliarde Euro an Spenden ist für Notre-Dame bisher zusammengekommen. Die Stiftung Denkmalschutz will daher auch aufhören, Spenden für die Kathedrale zu sammeln. Davor allerdings warnt Rousselot von der Pariser Diözese: "Die Summe liegt noch nicht auf dem Tisch, die berühmte Milliarde gibt es noch nicht." Keine der Stiftungen könne sicher sagen, ob diese Spendensumme tatsächlich zusammen komme. "Wir können nur davon ausgehen, dass die Großspender ihre Versprechen halten. Aber so lange das Geld nicht über eine Stiftung eingesammelt wurde, haben wir keine Sicherheit."

Predigt mit Bauhelm?

Klar ist, dass im Moment nichts klar ist. Aber auch wenn noch völlig unsicher ist, wann und wie die Kathedrale wieder aufgebaut wird, plant der Pariser Erzbischof schon bald die erste Messe in der Kathedrale. "Sein Wunsch ist es, so schnell wie möglich eine Messe in der Kathedrale zu feiern", sagt Rousselot. "Sie ist ein wichtiger Ort für Katholiken weltweit und er wäre durchaus auch bereit, mit Bauhelm zu predigen."

Schon in einigen Wochen, hofft Rousselot, könnte es so weit sein. Allerdings, auch das macht er klar, werde die Messe wegen der Einsturzgefahr ohne Gemeinde stattfinden. Der Gottesdienst soll im Fernsehen und online übertragen werden.

Einen Monat nach Brand in Notre Dame noch vieles unklar
Sabine Wachs, ARD Paris
15.05.2019 12:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Mai 2019 um 13:31 Uhr.

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