Menschen blicken auf die Fassade von Notre-Dame in Paris, in der ein verheerender Brand gewütet hat. | Bildquelle: AFP

Notre-Dame nach dem Brand Die Touristen sind zurück

Stand: 22.04.2019 17:29 Uhr

Eine Woche nach dem Brand von Notre-Dame ist es vorbei mit der Ruhe: Touristen strömen an die Kathedrale, Händler haben wieder Kundschaft. Wie es weitergehen soll, sieht jeder anders.

Von Mathias Zahn, ARD-Studio Paris

Eine italienische Reisegruppe mit Fremdenführer schiebt sich über den Bürgersteig. Hinter der Absperrung steht die Kathedrale, zum Greifen nah. Alle in der Straße blicken steil nach oben, fotografieren mit ihren Smartphones. Dass das Dach nur noch ein Haufen Schutt ist, kann man aus dieser Perspektive kaum erkennen. "Man sieht das Desaster von hier unten nicht wirklich", meint eine ältere Französin.

Dass die Kathedrale ihre schlimmste Katastrophe hinter sich hat, erkennt man am ehesten oben am großen Giebel, der mit einem Netz abgesichert ist. Unten am Boden, auf dem gesperrten Bürgersteig gegenüber, liegen noch immer kleine Steinbrocken.

Die Gefühle der Franzosen schwanken: Schwierig und noch immer unvorstellbar finden es die einen. Die anderen sind erleichtert, dass es nicht schlimmer gekommen ist und meinen, Notre-Dame sei noch immer sehr schön.

Selfiesticks werden ausgefahren

Wie schon vor der Katastrophe sind auch jetzt wieder Touristen aus aller Welt Notre-Dame ganz nah. Selfiesticks werden ausgefahren, Erinnerungsfotos geschossen. Eine US-Amerikanerin kommt jedes Jahr nach Paris und will auch dieses Mal "fabelhafte Bilder" von der Kathedrale mit nach Hause bringen. 

Andere biegen um die Ecke und stehen erstmal fassungslos da - wie eine Frau aus den Niederlanden. "Ich bin geschockt", sagt sie.

Auch deutsche Touristen nutzen die Chance, wieder nah an Notre-Dame heranzukommen. "Komisch" fühle sich das an, sagt eine Frau aus Nürnberg. "Wir haben uns eigentlich auch darauf gefreut, in die Kirche hinein zu gehen."

Frithjof aus Hilden ist mit seiner Tochter Lara gekommen. Die beiden sehen es eher nüchtern. "Was soll ich dazu denken? Es ist schade, dass es hier gebrannt hat. Das kann überall passieren", sagt er. Und Laura ergänzt: "Viel kann man daran nicht machen. Es ist Geschichte, die weg ist."

Originalgetreu oder modern wiederaufbauen?

Geschichte, die wiederaufgebaut werden soll. Wie, darüber wird in Frankreich heftig diskutiert - auch im Schatten der Kathedrale. Die einen wollen, dass das Dach und der eingestürzte Spitzturm originalgetreu wieder aufgebaut werden. Und das so schnell wie möglich. Die anderen meinen, man sollte eine zeitgemäße Lösung finden.

"Ich denke man sollte jetzt nichts überstürzen, wie das vielleicht der Präsident will. Sondern man sollte sich Zeit nehmen, etwas wagen und das Dach moderner gestalten", sagt ein Franzose.

 Das Leben kehrt ins Viertel zurück

An der kleinen Rue du Cloître-Notre-Dame reihen sich Souvenirshops, Crêperien und Cafés aneinander. Es werden wieder Sandwiches und Eis verkauft. Pariser und Touristen sitzen an den Bistrotischen auf dem Bürgersteig. Bei Bier oder Kaffee versuchen sie, Brandschäden an der Fassade auszumachen.

Nach und nach kehrt wieder Leben ins Viertel zurück - und das war auch höchste Zeit, sagt Patrice Lejeune, der Präsident des örtlichen Händlerverbands. Tausend Beschäftigte hätten durch die Sperrung des Viertels eine Woche lang keine Arbeit gehabt.

Mit der ungewöhnlichen Ruhe rund um Notre-Dame ist es jetzt vorbei. Die Geschäfte gehen weiter.    

Die Touristen sind zurück! Weiträumige Sperrung um Notre-Dame aufgehoben
Mathias Zahn, ARD Berlin
22.04.2019 16:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. April 2019 um 22:45 Uhr.

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