Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: dpa

Angebot aus Nordkorea Atomare Abrüstung für Sicherheitsgarantien?

Stand: 07.03.2018 03:00 Uhr

Nordkorea ist im Atomstreit zu Gesprächen bereit. Sollte das Land Sicherheitsgarantien erhalten, brauche es keine Nuklearwaffen, so Diktator Kim. Die US-Regierung reagierte positiv.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un setzt seinen Annäherungskurs Richtung USA und Südkorea mit deutlichen Entspannungssignalen fort. Das kommunistische Land ist zur Unterbrechung seiner Atom- und Raketentests für Gespräche mit den USA bereit. Nordkorea habe zudem versichert, keine konventionellen oder Atomwaffen gegen Südkorea einzusetzen. Das sagte der südkoreanische Nationale Sicherheitsdirektor Chung Eui Yong nach Gesprächen mit Kim.

Chung sagte, Nordkorea sei zu Gesprächen mit den USA über eine Denuklearisierung und eine Normalisierung seines Verhältnisses zu den USA bereit. Nordkorea sehe keine Gründe für den Besitz von Atomwaffen, wenn militärische Drohungen eingestellt würden und es eine verlässliche Sicherheitsgarantie bekomme. Nordkoreanische Staatsmedien berichteten, Kim habe bei dem Treffen seinen Willen bekundet, "eine neue Geschichte der nationalen Wiedervereinigung zu schreiben".

Nordkoreas Machthaber Kim sieht einer Militärübung mit einer Rakete zu. | Bildquelle: AFP
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Nordkoreas Machthaber Kim bei einer Militärübung. Er fordert eine verlässliche Sicherheitsgarantie. Dann sehe er keine Gründe für den Besitz von Atomwaffen.

"Möglicher Fortschritt"

Bei dem Treffen mit Kim hätten Nord- und Südkorea sich auch auf ein Gipfeltreffen Ende April verständigt, teilte die südkoreanische Delegation mit. Außerdem solle es zwischen den Führern beider Staaten eine Telefonhotline geben. In nordkoreanischen Staatsmedien hieß es, Kim habe "wichtige Anweisungen" gegeben, "rasch praktische Schritte" für ein Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In einzuleiten.

US-Präsident Donald Trump reagierte positiv auf die Entspannungssignale Nordkoreas. Zu den Berichten der südkoreanischen Regierung twitterte Trump: "Möglicher Fortschritt bei den Gesprächen mit Nordkorea. Zum ersten Mal seit vielen Jahren gibt es eine ernsthafte Anstrengung von allen beteiligten Parteien. Die Welt beobachtet und wartet! Könnte falsche Hoffnung sein, aber die USA sind bereit, entschlossen in jede Richtung zu gehen."

Neue US-Sanktionen gegen Nordkorea

Die US-Regierung kündigte derweil neue Sanktionen gegen Nordkorea an. Das Außenministerium beschuldigt das Regime, den Halbbruder von Machthaber Kim Jong Un mit dem Nervengift VX getötet zu haben. Aus diesem Grund seien zusätzliche Strafmaßnahmen gegen Nordkorea verhängt worden, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit. Sie gelten als weitgehend symbolisch, weil die US-Regierung bereits zahlreiche andere Sanktionen gegen Nordkorea verhängt hat.

US-Vizepräsident Mike Pence äußerte sich angesichts der Ankündigung aus Pjöngjang verhalten. Sein Land werde "maximalen Druck" auf Nordkorea aufrecht erhalten. "Unsere Haltung gegenüber dem Regime wird sich nicht ändern, bis wir glaubwürdige, nachprüfbare und konkrete Schritte zur Denuklearisierung sehen", erklärte Pence. Weiterhin seien "alle Optionen auf dem Tisch".

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von "ermutigenden Schritten" auf der koreanischen Halbinsel. Ähnlich äußerten sich die UN: "Alles, was die militärischen Spannungen reduziert, ist willkommen", sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric. Die UN seien bereit, den Annäherungsprozess zu unterstützen.

Kim empfängt südkoreanische Delegation | Bildquelle: AFP
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Kim, rechts, empfängt den Nationalen Sicherheitsdirektor Südkoreas, Chung. Das Treffen in Nordkorea dauerte rund vier Stunden.

Vier Stunden langes Treffen in Nordkorea

Nach Angaben Südkoreas dauerte das Treffen in Nordkorea rund vier Stunden. Es war die erste Zusammenkunft südkoreanischer Regierungsvertreter mit dem jungen nordkoreanischen Machthaber seit seiner Machtübernahme nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011.

Beobachter werteten die Verlautbarungen aus Pjöngjang als jüngstes Zeichen für Bemühungen um eine Wiederannäherung nach einem Jahr wiederholter nordkoreanischer Waffentests und Androhungen eines Atomkriegs. Der Entspannungskurs begann mit der Teilnahme des Nordens an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar.

Angesichts einer langen Geschichte von Blutvergießen, Drohungen und Feindseligkeiten auf der koreanischen Halbinsel wurde die Annäherung Nordkoreas aber auch mit Skepsis aufgenommen. Einige Experten vermuten, Pjöngjang könnte ein besseres Verhältnis zu Seoul nutzen, um internationalen Druck und Sanktionen abzuschwächen.

USA reagieren zurückhaltend auf Gesprächsangebot von Nordkorea
Gabi Biesinger, ARD Washington
07.03.2018 05:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. März 2018 um 17:00 Uhr.

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