Eine Rakete vom Typ Hwasong-12 | AP

Nordkorea Mittelstreckenraketen-Test bestätigt

Stand: 31.01.2022 07:36 Uhr

Nordkorea hat den größten Raketentest seit 2017 unternommen. Südkorea warf dem Nachbarland vor, neue Spannungen schüren zu wollen. Außerdem komme es einer Wiederaufnahme von Langstreckentests näher.

Nordkorea hat den ersten Test einer potenziell atomwaffenfähigen Mittelstreckenrakete seit 2017 bestätigt. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Der Test einer ballistischen Rakete vom Typ "Hwasong-12" habe die Genauigkeit und Wirksamkeit für einen Einsatz belegt.

Nach Angaben des südkoreanischen Militärs wurde die Mittelstreckenrakete am Sonntag aus der Provinz Jagang nach Osten über das Meer abgefeuert. Das Geschoss habe eine Höhe von 2000 Kilometern erreicht. Die Rakete flog etwa 800 Kilometer in Richtung Osten, bevor sie ins Meer stürzte. Sie sei mit einer Kamera ausgestattet gewesen, die während des Fluges Bilder im Weltraum aufgenommen habe.

Die "ballistische Mittelstrecken- und Langstrecken-Boden-Boden-Rakete" befinde sich in der Produktion. Nach Einschätzung von Experten hat die schon mehrfach getestete "Hwasong-12" eine Reichweite von 4500 Kilometern und könnte damit theoretisch die US-Pazifikinsel Guam erreichen, wo die USA einen Militärstützpunkt haben.

Südkorea und die USA verurteilten den Test

Die USA und ihre Verbündeten Südkorea und Japan hatten Nordkoreas siebten Raketentest in diesem Jahr scharf kritisiert. Südkoreas Präsident Moon Jae In warf dem Nachbarland vor, mit seinen Raketentests neue Spannungen schüren zu wollen.

Er berief eine Notsitzung des nationalen Sicherheitsrates ein, ein seltener Vorgang in Südkorea. Der Raketentest sei ein Schritt Nordkoreas hin zur Aufgabe eines selbstauferlegten Moratoriums für Tests von interkontinentalen ballistischen Raketen, sagte er.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte erklärt, er sehe sich nicht mehr an das Moratorium gebunden. Es war 2018 im Zuge von Gipfeltreffen mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump ausgerufen worden. Die Regierung in Pjöngjang unterstellt den USA eine feindselige Politik, was Washington bestreitet. Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea über sein Atomwaffenprogramm kommen seit gut drei Jahren nicht mehr voran.

Nordkorea will Stärke demonstrieren

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea sowohl Atomwaffenversuche als auch Tests von ballistischen Raketen. Dabei handelt es sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart auch einen atomaren Sprengkopf befördern könne. Nordkorea entwickelt auch Langstreckenraketen, die einen Atomgefechtskopf bis in die USA tragen können.

Nordkorea hat seit Jahresbeginn eine Reihe von Raketentests vorgenommen und damit gegen UN-Auflagen verstoßen. Ein Experte sprach nun von einer neuen Qualität. "Ungeachtet ob es sich um eine IRBM oder ICBM handelt, es ist eine irgendwie geartete strategische Rakete", schrieb George William Herbert vom Center for Nonproliferation Studies auf Twitter.

Dem Politikwissenschaftler Leif-Eric Easley von der Ewha University zufolge dürfte die Testreihe unter anderem das Ziel haben, ein Zeichen der Stärke zu setzen. "Das Kim-Regime hört die Diskussionen im Ausland über seine innenpolitischen Schwächen und sieht die wachsende Stärke Südkoreas", sagte Easley. "Damit will es Washington und Seoul daran erinnern, dass ein Versuch es zu stürzen zu kostspielig wäre."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Januar 2022 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.