Menschen verfolgen eine Nachrichtensendung über Waffentests von Nordkorea. Auf dem Bildschirm ist eine Rakete zu sehen. | Bildquelle: dpa

Besorgnis in Südkorea Nordkorea testet wieder Raketen

Stand: 02.03.2020 10:13 Uhr

Südkorea spricht von neuen militärischen Spannungen: Nach monatelanger Pause hat Nordkorea wieder Projektile abgefeuert. Seoul geht davon aus, dass es sich um ballistische Kurzstreckenraketen handelte.

Nordkorea hat offenbar neue Waffentests durchgeführt. Bei den zwei abgefeuerten Geschossen handelte es sich nach Einschätzung des südkoreanischen Militärs vermutlich um zwei ballistische Kurzstreckenraketen.

Nach Angaben des Generalstabs in Seoul wurden die Geschosse bei Wonsan an der Ostküste abgefeuert und flogen etwa 240 Kilometer weit. Gemeinsam mit dem US-Militär werde der Start der Flugkörper ausgewertet. Südkoreas Regierung zeigte sich "tief besorgt" über das Vorgehen Nordkoreas, das die militärischen Spannungen erhöhe.

UN-Resolutionen untersagen Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch atomare Sprengköpfe tragen können.

Geschosse erreichten nicht japanisches Gebiet

Japan bestätigte den Waffentest. Es seien keine Geschosse auf japanischem Gebiet eingeschlagen, weder Flugzeuge noch Schiffe seien beschädigt worden, hieß es aus Tokio. Das Verteidigungsministerium betonte jedoch, Nordkoreas wiederholtes Abfeuern ballistischer Raketen sei ein Problem für die internationale Gemeinschaft.

Der Experte Kim Dong Yub vom Seouler Institut für Fernoststudien sagte der Nachrichtenagentur AP, dass Nordkorea womöglich ein straßentaugliches Raketensystem mit Feststoff-Antrieb testet oder einen Mehrfachraketenwerfer im Entwicklungsstadium, den das Land im vergangenen Jahr gezeigt hatte. Solche Waffen könnten nach Expertenmeinung die Abwehrsysteme anderer Länder überlisten und etwaige Ziele in Südkorea und Japan treffen.

Zu Jahresbeginn hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un angekündigt, sich nicht mehr an das Moratorium für Atomversuche und Tests von Interkontinentalraketen zu halten. Er drohte auch, dass Nordkorea bald eine "neue strategische Waffe" vorführen werde.

War Nordkorea mit Coronavirus beschäftigt?

Die Atomverhandlungen zwischen Pjöngjang und den USA liegen seit einem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump im Februar vergangenen Jahres auf Eis. Das international weitgehend isolierte Nordkorea steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter strikten US- und UN-Sanktionen. Kim hatte nach seinem Moratorium für Atom- und Raketentests vergeblich auf eine Aufhebung von Sanktionen gehofft. 

In Südkorea wurde nun spekuliert, ob die lange Waffentest-Pause Pjöngjangs möglicherweise mit dem neuartigen Coronavirus zusammenhängt. Demnach sei Nordkorea zuletzt damit beschäftigt gewesen, eine Einschleppung des Covid-19-Erregers zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. März 2020 um 11:15 Uhr.

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