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Taifun in Nordkorea Staatsfernsehen berichtet erstmals live

Stand: 04.09.2020 14:11 Uhr

Überflutete Straßen, Bäume, die sich im Sturm biegen - in Nordkorea ist Taifun-Saison. Das Staatsfernsehen berichtet offenbar live über die Stürme - ein Novum in dem abgeschotteten Land.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

In Kosong, im äußersten Südosten Nordkoreas, steht ein Reporter im Dunkeln im Wasser. Er trägt Ganzkörperregenkleidung und erzählt, dass der Landkreis vom neunten Taifun heimgesucht worden sei. "Wie Sie sehen können, sind die Straßen durch Überschwemmungen blockiert, das Wasser steht mir bis zu den Knien."

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Während er weiterredet werden Aufnahmen von überschwemmten Gebieten eingeblendet, Bäume biegen sich im Wind. In einem Wohngebiet waten einzelne Menschen durch die Fluten - einigen reicht das Wasser bis zur Brust.

Taifun Maysak | AP

Taifun Maysak war der Anlass für die erste Live-Übertragung im nordkoreanischen Staatsfernsehen. Bild: AP

Zwischen den Häusern steht das Wasser

Zuvor hatte eine Nachrichtensprecherin im staatlichen Fernsehen den Weg von Taifun "Maysak" genau beschrieben. Und auch der Reporter draußen im Einsatz hält noch weitere Informationen parat: "Morgens hatten wir in Wonsan mit 250 Millimeter Regen gerechnet, aber jetzt sind es schon 314 Millimeter."

Aufnahmen aus den überschwemmten Straßen von Wonsan, deutlich weiter nördlich, unterstreichen seine Aussagen. Zwischen den grünen Wohnhäusern in der Hafenstadt steht das Wasser mehrere Zentimeter.

Doch so schildert es direkt im Anschluss eine Anwohnerin aus derselben Gegend, während es in Strömen regnet: "Wir sind gut vorbereitet, denn wir wussten, dass der Taifun zwei Regionen streifen würde. Bisher gibt es keine Opfer oder Schäden, aber viele Ackerflächen wurden unter Wasser gesetzt, und die Verbindungsstraße zwischen Thongchon und Kosong musste wegen der Gefahr von Erdrutschen gesperrt werden."

Diese direkte Berichterstattung aus Nordkorea, das sonst so gut wie nichts nach außen dringen lässt und inzwischen auch kaum noch ausländische Beobachter im Land hat, ist neu für das kommunistische Land. Das sagt auch Yang Moo-Jin, Professor an der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul: "Das ist sehr ungewöhnlich für Nordkorea." Bisher habe es unter Kim Jong Un nur einige Sportberichte gegeben. "Durch diese aktuellen Beiträge kann er weiter seinem Führungsanspruch gerecht werden."

Kim versucht Nordkorea als normales Land zu präsentieren

Mehrmals versuchte sich Machthaber Kim in der Vergangenheit als ganz normaler Mann des Volkes zu geben, der sich für seine Landsleute einsetzt und sich um sie sorgt. So zeigen ihn gerade veröffentlichte Fotos mit einem Maiskolben in der Hand, Inspektion der Flutschäden und der Ernte. Doch aus Sicht des südkoreanischen Wissenschaftlers Yang geht es Kim noch um mehr, wie Yang der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Bisher sei nach außen immer alles sehr formell gewesen. Aber: "Nordkorea hat sich verändert, arbeitet an seinem internationalen Ruf und will den Eindruck vermitteln, es sei ein ganz normales Land."

Dennoch dürften die Überschwemmungen das Land schwer treffen. Erst kürzlich hatten heftige und andauernde Regenfälle in Nordkorea zum Teil erhebliche Schäden angerichtet. In Südkorea hat Wirbelsturm "Maysak" jedenfalls gestern in Tausenden Haushalten für Stromausfälle gesorgt.

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