Eine Frau betrachtet einen Fernsehbildschirm in einem Bahnhof, auf dem eine Nachrichtensendung über Nordkoreas Raketen gezeigt wird. | dpa

US-Vorwurf Nordkorea testet neue Interkontinentalrakete

Stand: 11.03.2022 09:44 Uhr

Nordkoreas neue ballistische Interkontinentalraketen sind nach Ansicht von Experten in der Lage, die USA zu erreichen. Washington wirft Pjöngjang vor, diese nun erneut getestet zu haben. Das Pentagon warnt vor dem nächsten Schritt.

Südkorea und den USA zufolge soll Nordkorea bei seinem mittlerweile neunten Test in diesem Jahr eine neue ballistische Interkontinentalrakete (ICBM) gestartet haben. Wie Mitarbeiter der Regierungen in Washington und Seoul erklärten, soll es sich dabei um das als "Hwasong-17" bezeichnete Raketensystem handeln, das am 26. Februar und am 4. März getestet worden sei. Dabei sei es vermutlich um einzelne Elemente des Waffensystems gegangen.

Nach Ansicht von Experten sind diese ballistischen Raketen in der Lage, die USA zu erreichen. Das US-Verteidigungsministerium warnte davor, dass demnächst nun die volle Reichweite der Rakete getestet und demonstriert werden solle, möglicherweise getarnt als Start einer Weltraumrakete.

"Schwere Eskalation"

"Das ist eine schwere Eskalation durch Nordkorea", sagte der US-Regierungsvertreter. Die US-Raketenabwehr und Aufklärungseinheiten im Pazifik seien in erhöhte Bereitschaft versetzt worden.

Mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verbieten es Nordkorea, Interkontinentalraketen abzufeuern. Doch das abgeschottete Land testet immer wieder Waffensysteme, um diese weiterzuentwickeln, aber auch seine Verhandlungsposition gegenüber den USA zu verbessern. Nordkorea hatte behauptet, bei den letzten beiden Raketentests sei es nur darum gegangen, Kameras für den Einsatz auf einem Satelliten zu testen. Die US-Regierung geht hingegen davon aus, dass die bisher größte nordkoreanische Interkontinentalrakete getestet wurde.

Südkoreanischer Wahlsieger drohte mit "Präventivschlag"

Verhandlungen über eine atomare Abrüstung zwischen Staatschef Kim Jong Un und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump waren ergebnislos geblieben. Die aktuelle US-Regierung unter Joe Biden habe mehrfach versucht, Nordkorea wieder zum Verhandeln zu bringen - bisher aber erfolglos. Nordkorea habe nicht reagiert.

Im Tagesverlauf wollen die USA neue Sanktionen gegen Pjöngjang verhängen, die es für die nordkoreanische Führung schwieriger machen sollen, an Technologie für ihre Waffensysteme zu gelangen. Diese Ankündigung erfolgt kurz nach dem Sieg des konservativen Oppositionskandidaten Yoon Suk Yeol bei der Präsidentschaftswahl in Südkorea. Der 61-jährige frühere Generalstaatsanwalt hatte im Wahlkampf mit einem Präventivschlag gegen Nordkorea gedroht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. März 2022 um 06:43 Uhr.