Nordkoreanische Botschaft in Rom | Bildquelle: REUTERS

Nordkoreas Botschaft in Rom Hochrangiger Diplomat untergetaucht?

Stand: 03.01.2019 13:01 Uhr

Offizielle Meldungen aus Nordkorea gibt es nicht - aber südkoreanische Quellen berichten: In Italien ist ein hochrangiger Diplomat des Nachbarlandes untergetaucht. Er habe in einem Drittland Asyl beantragt.

Der Geschäftsträger der nordkoreanischen Botschaft in Italien, Jo Song Gil, hat sich mit seiner Frau laut südkoreanischen Angaben abgesetzt und Asyl für sich und seine Familie in einem Drittland beantragt. Der südkoreanische Parlamentarier Kim Min Ki sagte, dies habe der Geheimdienst Abgeordneten in einer Geheimsitzung mitgeteilt. Jo habe die Residenz am Monatsanfang verlassen.

Die Nachrichtenagentur Yonhap meldete, die Familie des 48-jährigen Diplomaten stehe unter dem Schutz der italienischen Behörden. Zuvor hatte die Zeitung "JoongAng Ilbo" berichtet, Jo habe schon Anfang Dezember um Asyl gebeten.

Eine Sprecherin des südkoreanischen Verteidigungsministeriums sagte hingegen, die Angaben könne weder der Geheimdienst noch andere Stellen bestätigten. Man gehe der Sache nach.

Das italienische Außenministerium erklärte, Jo habe in Italien kein Asyl beantragt. Man sei darüber informiert worden, dass seine Zeit als Diplomat in Italien beendet sei und er dort daher keine diplomatische Position mehr innehabe. Ob er in einer Botschaft oder in einem Konsulat eines anderen Landes Asyl beantragte, blieb offen.

Nordkoreanische Botschaft in Rom | Bildquelle: REUTERS
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Im Jahr 2017 verwies die italienische Regierung den damaligen Botschafter wegen des nordkoreanischen Atomtest des Landes.

Diplomat wollte offenbar nicht zurück

Jo setzte sich den Berichten zufolge offenbar ab, weil ihn seine Regierung zurückbeordert hatte. Er führte die Botschaft in Rom laut Yonhap seit Oktober 2017 vertretungsweise. Zuvor habe Italien Botschafter Mun Jong Nam als Reaktion auf den sechsten Atomtest Nordkoreas des Landes verwiesen.

Sollten sich die neuen Angaben bestätigen, wäre Jo seit 2016 der höchste Diplomat aus dem weithin abgeschotteten Land, dessen Flucht bekannt wurde. Damals setzte sich der stellvertretende Botschafter in London, Thae Yong Ho, mit seiner Familie nach Südkorea ab. Nordkorea bezeichnete ihn daraufhin als "menschlichen Abschaum" und erklärte, er versuche, einer Bestrafung wegen schwerer Straftaten zu entgehen. Thae bestreitet dies. Er sei geflohen, um seinen Kindern ein "miserables" Leben in Nordkorea zu ersparen.

Kinder bleiben in Nordkorea

Nach dem Amtsantritt von Kim Jong Un im Jahr 2011 wurden nordkoreanische Diplomaten gezwungen, ihre Kinder während der Auslandsaufenthalte in der Heimat zu lassen. Ex-Botschafter Thae beschrieb dies in seinen Memoiren als systematische Geiselhaft. Nach seinen Angaben wurden bei Angehörigen des Führungskreises um Kim Ausnahmen gemacht.

"Joong Ang Ilbo" berichtete unter Berufung auf einen nicht genannten Experten, Jo sei der Schwiegersohn eines hochrangigen Regierungsmitglieds.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2019 um 10:00 Uhr.

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