Sohae-Startrampe | Bildquelle: REUTERS

Nordkorea Neue Aktivitäten auf Raketenanlage

Stand: 22.03.2019 12:28 Uhr

Erst vor wenigen Tage scheiterte das Treffen von Trump und Kim. Nun deuten Satellitenbilder darauf hin, dass das Regime in Pjöngjang Teile einer Raketenanlage wieder installiert. Doch es gibt unterschiedliche Lesarten, was dahintersteckt.

Nordkorea hat Berichten zufolge damit angefangen, Teile einer Testanlage für Langsteckenraketen wieder aufzubauen, die im Zuge von Abrüstungsmaßnahmen 2018 demontiert worden waren.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap, das in Washington ansässige Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) und die auf Nordkorea spezialisierte Website 38 North melden, dass Arbeiten an der Anlage im Gange seien.

Laut CSIS dokumentieren Satellitenbilder Aktivitäten auf dem Sohae-Gelände zwei Tage nach dem Scheitern des Gipfels von US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Sie könnten ein Zeichen dafür sein, dass Nordkorea nach dem Scheitern des Gipfeltreffens von Hanoi "Entschlossenheit" zeigen und die Anlage wieder aufbauen wolle.

Zwei nordkoreanische Soldaten stehen an der Sohae-Startrampe in Tongchang Ri (Foto aus dem Jahr 2012). | Bildquelle: AFP
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Das Soha-Gelände im Westen Nordkoreas (Foto aus dem Jahr 2012): Berichten zufolge baut Pjöngjang wieder Teile der Anlage auf.

Bauen, um später zu sprengen?

Möglich ist allerdings auch eine andere Lesart: Einem Bericht der südkoreanischen Zeitung "JoongAng Ilbo" zufolge hält der Geheimdienst des Landes es auch für möglich, dass an der Anlage zusätzliche Konstruktionen gebaut werden, um die Anlage Tongchang Ri in einer dramatischen Aktion in die Luft sprengen zu können, wenn im Falle erfolgreicher Gespräche mit den USA amerikanische Inspekteure nach Nordkorea kämen. Auf diese Weise könnte Pjöngjang nach außen hin seinen Willen zur nuklearen Abrüstung bekunden.

38 North verwies zudem auf kommerzielle Satellitenbilder, die auf einen Wiederaufbau einiger Konstruktionen der Raketenanlage hindeuteten. Die Arbeiten hätten irgendwann zwischen dem 16. Februar und 2. März begonnen.

Laut 38 North wird an der Anlage ein Gebäude wieder zusammengebaut. Zu sehen seien dort zwei Kräne, Wände seien hochgezogen worden und ein neues Dach hinzugekommen. An einer Komponente für Testmotoren werde offensichtlich zudem das entsprechende Tragwerk wieder angebracht.

Zwischen 2012 und 2016 Trägerraketen gestartet

Von der im Westen Nordkoreas gelegenen Anlage aus waren 2012 und 2016 Trägerraketen mit Satelliten gestartet. International wurden die Starts aber als Tests ballistischer Raketen gewertet und scharf verurteilt. Auf dem Sohae-Gelände befinden sich eine Testanlage für Raketenantriebe und eine Abschussrampe.

Der Abbau von Teilen der Anlage gehörte zu einigen Schritten, die Pjöngjang im vergangenen Jahr beim Eintritt in Gespräche mit den USA und Südkorea als Zeichen des Entgegenkommens ergriffen hatte.

Das Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi war vergangene Woche ohne Ergebnis abgebrochen worden. Es gelang keine Einigung im Streit um die Sanktionen gegen das international isolierte Nordkorea und die von den USA geforderte atomare Abrüstung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. März 2019 um 08:00 Uhr und 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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