Kim Jong Un beobachtet den Start einer Rakete | Bildquelle: REUTERS

Nordkoreas Strategie 2018 Testen, drohen und verhandeln

Stand: 26.12.2017 13:09 Uhr

Tests mit mehr als 20 Raketen und vermutlich einer Wasserstoffbombe: Diese Bilanz Nordkoreas führte zu weiteren internationalen Sanktionen, die das Land spürbar treffen. Wie wird Machthaber Kim Jong Un 2018 vorgehen?

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Ein Feuerwerk der Freude soll es sein, das Feuerwerk in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang unmittelbar nach dem Raketentest Ende November. Doch die Menschen sehen alles andere als glücklich aus. Kein Wunder, ist doch das Land nach zahlreichen Raketen- und mutmaßlich einem Wasserstoffbombentest in diesem Jahr weiter isoliert worden.

Kurz vor Jahresende wurden abermals die Sanktionen verschärft. Das sei ein richtiger Schritt, meint Narushige Michishita, Sicherheitsxperte am National Graduate Institute for Policy Studies in Tokio. "Bei den bisherigen Sanktionen ging es vor allem darum, das Raketen- und Atomwaffenprogramm einzudämmen. Dieses Mal aber treffen sie das Herz der nordkoreanischen Wirtschaft", sagt Michishita. "Mineralölerzeugnisse wie Benzin und Diesel dürfen nicht ins Land geliefert und unter anderem Holz, landwirtschaftliche Produkte und vieles mehr dürfen nicht mehr exportiert werden. Wenn sich auch China daran hält, werden diese Sanktionen einen ziemlich großen Effekt haben."

Tests vermutlich nur mit Hilfe von außen möglich

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beobachtet den Start einer Rakete | Bildquelle: REUTERS
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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verfolgte aufmerksam die zahlreichen Raketentests in diesem Jahr.

Zugleich warnt er als langjähriger Kenner der Materie davor, die technischen Entwicklungen Nordkoreas überzubewerten. Diese seien eher bescheiden. Die vielen Tests seien nur  - wie es deutsche Raketenexperten auch sehen - durch Hilfe von außen möglich, so der Politikprofessor im Gespräch mit dem ARD-Hörfunk: "Ich bin auch der Meinung, dass Nordkorea Technik oder zumindest bestimmte Teile sowohl aus Russland als auch aus der Ukraine bekommen hat. Denn es ist schon merkwürdig, wie Nordkorea in dieser kurzen Zeit so viele verschiedenen Raketentypen entwickelt haben soll."

Russland und China gelten, auch wenn sie die jüngsten Sanktionen mittragen, nach wie vor als die wichtigsten Verbündeten Nordkoreas. An eine schnelle Lösung des Konflikts glaubt Sicherheitsexoerte Michishita zwar nicht. Er rechnet aber doch mit einem gewissen Einlenken von Machthaber Kim Jong Un.

Drohkulisse und Gesprächsbereitschaft

"Nordkorea wird sich 2018 aus meiner Sicht in zwei Richtungen bewegen: Einerseits wird es seine Tests fortsetzen, um die Drohkulisse aufrechtzuerhalten", sagt Michishita. "Gleichzeitig wird sich Nordkorea gesprächsbereit zeigen, weil der wirtschaftliche Druck auf das Land jetzt zunehmen wird. Das wird man schon bei den Olympischen Spielen in Südkorea sehen, die eine gute Gelegenheit sind, um Gespräche zu führen."

Selbst wenn Nordkorea seine Nachbarländer Japan und Südkorea weiter in Angst und Schrecken versetzen und die USA und ihren Präsidenten weiter provozieren sollte, wünscht sich der Sicherheitsexperte in dem ganzen Konflikt mehr Realismus.

"Krieg extrem unwahrscheinlich"

"Ich halte die Wahrscheinlichkeit eines Krieges für extrem unwahrscheinlich", sagt Michishita. "Der würde auch nur ausbrechen, wenn die USA beginnen, aber dann würde Nordkorea sofort den Süden des Landes angreifen und zwar so schnell, dass es Seoul, wo die meisten Menschen leben, vernichten könnte. Aber das ist natürlich überhaupt nicht im Interesse der USA, denn dort leben ja auch 200.000 Amerikaner."

Nordkorea - wie weiter im Dauerkonflikt?
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
26.12.2017 11:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2017 um 13:20 Uhr.

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