Gerry Adams ballt nach seiner Rede in Dublin die Faust. | Bildquelle: AFP

Irland Sinn-Fein-Chef Adams macht Platz

Stand: 19.11.2017 01:06 Uhr

Es ist eine Zäsur für Sinn Fein: Gerry Adams, seit 1983 Vorsitzender der irisch-republikanischen Partei, wird sich im kommenden Jahr zurückziehen. Dies kündigte der 69-Jährige in Dublin an. Eine Nachfolgerin, unbelastet von einer IRA-Vergangenheit, steht bereit.

Nach mehr als 30 Jahren als Vorsitzender der irischen Sinn-Fein-Partei will sich Gerry Adams im kommenden Jahr zurückziehen. Er werde nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren, erklärte der 69-Jährige Politiker auf einem Parteitag. "Führung bedeutet, den Zeitpunkt für einen Wechsel zu erkennen. Und dieser Zeitpunkt ist jetzt", sagte er in einer emotionalen Rede in Dublin. Er habe grenzenloses Vertrauen in die nächste Generation von Sinn Fein. Adams kündigte zudem an, nicht erneut für einen Sitz im irischen Parlament zu kandidieren.

Adams war jahrzehntelang die Führungsfigur des irisch-republikanischen Kampfes für eine Wiedervereinigung der Insel. Seine Kritiker bezeichnen ihn als Terroristen und als hochrangiges Mitglied der Untergrundorganisation IRA. Er selbst streitet eine Beteiligung am bewaffneten Kampf allerdings ab.

Später spielte er eine wichtige Rolle bei der Entwaffnung der IRA und war einer der maßgeblichen Architekten des Karfreitagsabkommens, das 1998 eine Machtteilung zwischen Katholiken und Protestanten festlegte.

Der Sinn-Fein-Vorsitzende Gerry Adams sitzt zwischen der nordirischen Parteivorsitzenden Michelle O'Neill (links) und seiner Stellvertreterin in Irland, Mary Lou McDonald | Bildquelle: REUTERS
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Die nächste Generation ist bereit: Gerry Adams sitzt zwischen der nordirischen Parteivorsitzenden Michelle O'Neill (links) und seiner Stellvertreterin in Irland, Mary Lou McDonald (September 2017)

Eine unbelastete Generation soll übernehmen

Als mögliche Nachfolgerin an der Parteispitze ist die bisherige Vizevorsitzende Mary Lou McDonald im Gespräch. Die 48-Jährige ist ebenfalls Abgeordnete im Parlament in Dublin und unbelastet vom blutigen Kampf der IRA. In Nordirland wird die Partei von Michelle O'Neill geleitet, die das Amt vom inzwischen verstorbenen Martin McGuinness übernommen hatte. Adams und McGuinness waren enge Weggefährten und für die Sinn Fein Ikonen des Kampfes für die Wiedervereinigung.

Die IRA kämpfte jahrzehntelang gewaltsam gegen die britische Armee und protestantische Milizen in Nordirland und für den Anschluss an die Republik Irland. 2005 schwor die IRA offiziell der Gewalt ab.

Über dieses Thema berichteten am 19. November 2017 die tagesschau um 02:42 und 04:58 Uhr sowie tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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