Eine Büste von Alfred Nobel ist bei der Verleihung der Nobelpreise 2020 in Stockholm aufgestellt. | via REUTERS

Verleihung der Nobelpreise Große Ehre ganz im Stillen

Stand: 10.12.2020 19:15 Uhr

Die Verleihung der Nobelpreise verlief anders als gewohnt: Ohne die Preisträger vor Ort, ohne große Feier. Neben Corona überschattete auch die Debatte um den Friedensnobelpreisträger 2019 die Zeremonie.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Die Zeremonien waren kurz und sachlich, kein Vergleich mit dem sonst gewohnten prunkvollen Protokoll in Stockholm und Oslo.

Carsten Schmiester ARD-Studio Stockholm

Dort stand Berit Reiss-Andersen, die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, allein vor einer Kamera und gratulierte dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen zum Friedensnobelpreis für dessen Engagement bei der Bekämpfung des Hungers. Dessen Chef David Beasley war aus Rom zugeschaltet. Er bedankte sich für die Auszeichnung und mahnte zugleich:

Dieser Friedensnobelpreis ist mehr als ein Dankeschön. Er ist eine Aufforderung zum Handeln. Aufgrund vieler Kriege und des Klimawandels wird Hunger vielerorts als politische und militärische Waffe eingesetzt. Die Pandemie macht all das noch wesentlich schlimmer. 270 Millionen Menschen droht der Hungertod.

Debatte um Friedensnobelpreis 2019

Während die aktuelle Preisvergabe unumstritten ist, wird die vom vergangenen Jahr weiterhin und zunehmend kritisiert. 2019 war der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed für dessen Initiative zur Lösung des Grenzkonfliktes mit dem benachbarten Eritrea ausgezeichnet worden. Jetzt führt er Krieg. Seit Anfang November kämpfen seine Regierungstruppen gegen Rebellen in der Region Tigray.

Die Nobelstiftung hat zum Frieden aufgerufen und wehrt sich gegen den Vorwurf, eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. Reiss-Andersen äußerte sich dazu im schwedischen Sender SVT: "Wir kennen ja noch nicht das Ende der Geschichte. Der Preis wird außerdem immer für Leistungen vor der Verleihung vergeben. Aber natürlich ist damit auch die Hoffnung verbunden, dass die Auszeichnung zu weiterer Friedensarbeit inspiriert."

Pandemie hat Bedeutung der Wissenschaft hervorgehoben

Danach sieht es gerade nicht aus. "Eine Enttäuschung", so Reiss-Andersen. Die übrigen - unumstrittenen - Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaft wurden am späten Nachmittag in Stockholm verliehen. Auch dort nur virtuell, aber immerhin mit einem vorab aufgezeichneten Gruß von König Carl XVI. Gustaf, der sich auf die ungewöhnlichem Umstände bezog, auf die Pandemie und ihre Herausforderungen für alle:

Dabei ist auch die wichtige Rolle der Wissenschaft deutlich geworden. Während Staaten damit beschäftigt waren, Grenzen zu schließen, haben Wissenschaftler aus aller Welt zusammengearbeitet wie nie zuvor, um das Virus zu verstehen und einen Impfstoff zu entwickeln.

Feierlichkeiten sollen nachgeholt werden

Die diesjährigen Preisträger waren nicht dabei, wurden aber bei der Übergabe der Urkunden und Medaillen durch schwedische Diplomaten in ihrer jeweiligen Heimat gezeigt. So auch der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel, der mit der ebenfalls ausgezeichneten US-Forscherin Andrea Ghez ein supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße entdeckt hat.

Die beiden und alle anderen Preisträgerinnen und Preisträger sind, wenn alles gut geht und die Corona-Pandemie dann kein Hindernis mehr ist, für das kommende Jahr nach Stockholm eingeladen, um das heute ausgefallene große Galabuffet, sonst der Höhepunkt im schwedischen Gesellschaftskalander, zu genießen und doch noch mit dem König anzustoßen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Dezember 2020 um 06:27 Uhr.